Massenkarambolage: Ein harter Tag für Fotoreporter

Schwerer Weg zum schweren Unfall: Wer als Fotograf hier steht, hat es geschafft.
Schwerer Weg zum schweren Unfall: Wer als Fotograf hier steht, hat den Hinweg geschafft.

Es gibt noch keine Bilder. Auch fast zwei Stunden nach der Massenkarambolage auf der A45 bei Münzenberg ist kaum mehr im Redaktionsticker zu sehen als eine Zusammenfassung der Geschehnisse und eine Grafik, die die Lage des Unfallortes zeigt. Wo sonst schon wenige Minuten nach einem Ereignis, das große Schlagzeilen macht, Fotos zur Verfügung stehen, ist diesmal nichts. Und doch werde ich nicht ungeduldig. Ich habe sogar Verständnis dafür. Viel Verständnis sogar. Das waren meine Gedanken am Dienstagnachmittag, als ich nach den ersten Fotos von der Massenkarambolage in Hessen suchte. Und so ging es weiter:

Die dpa schickt einen Redaktionshinweis. Aufgrund der schwierigen Verkehrs- und Wetterlage könne der Dienst noch nicht mitteilen, wann er die ersten Bilder senden werde. Eine Meldung, die klar macht, mit welchen Problemen sich gerade die Fotografen herumschlagen. Ich bin Blaulichtreporterin und weiß, was sich hinter diesen Zeilen verbirgt.

Fotografen können nicht von zu Hause aus arbeiten, selbst wenn das Wetter schlecht oder sehr schlecht ist. Fotografen müssen draußen sein, ist doch klar. Reporter auch. Egal, wie die Verhältnisse sind. Schon bei normalen Witterungsverhältnissen ist es schwierig, an Unfallstellen auf der Autobahn heranzukommen. Meistens hat sich ein viele Kilometer langer Stau gebildet. Nicht immer schwingt sich gerade über der Unfallstelle ein Brücke über die Straße, von der aus sich fotografieren ließe. Nicht immer findet sich neben der Autobahn ein erreichbarer Acker oder eine kleinere Straße, von der aus die Fotografen zum Unfallort laufen können. Ich bin sogar schon einmal quer über die Gegenfahrbahn einer dreispurigen Autobahn gerannt, um zu einem Unfallort zu kommen (ist längst verjährt). Ein grauenhaftes Gefühl.

Wenn dann aber noch Schnee vom Himmel fällt, wenn es glatt und die Sicht schlecht ist, dann wird die Fahrt zum Ort eines Großeinsatzes zur echten Herausforderung. Der Puls geht hoch. Ich kenne einige dpa-Fotografen, die sind sehr nette Kollegen und absolute Profis. Sie meistern jede Herausforderung, trotzen Wind und Wetter. Wenn ich weiß, dass da eine Massenkarambolage auf der Autobahn passiert und das Wetter mies ist, denke ich daran, dass jede Eile einen eigenen Unfall verursachen und die Gesundheit oder gar das eigene Leben gefährden könnte. Dann bin ich in Gedanken bei den Kollegen und wünsche ihnen, dass sie heil ankommen. Ich weiß wie es ist, wenn ich zu so einem Ort unterwegs bin und innerlich zittere, ob ich rechtzeitig da sein kann, mir unterwegs nichts passiert, ich die richtigen Bilder schießen kann. Auch wenn die Profis wissen, dass solche Einsätze Stunden dauern, innerlich zählt jede Minute. Dabei fährt, jedenfalls bei mir, die Angst immer mit.

Liebe Kollegen von dpa und alle anderen Fotografen und Reporter, ob frei oder festangestellt: Passt auf Euch auf. Fahrt vorsichtig. Wir warten gerne noch eine Weile auf Eure Bilder.
Übrigens: Kurz nach dem Redaktionshinweis trafen die ersten Fotos im Redaktionssystem ein.

3 Kommentare

  1. Irgendwie macht man sich darüber als Leser einer Zeitung oder Zuschauer bei den Fernsehnachrichten auch nicht wirklich Gedanken darüber, wie jetzt der Artikel/Bericht zustande kam und wer was dafür auf sich nehmen musste. Aber wenn es mal keine Bilder oder Liveberichterstattungen gibt ist das Geschrei gleich wieder groß.

    Also ein ganz großes Kompliment an alle Journalisten da draußen!!!

    1. Journalisten machen halt üblicherweise ihren Job, berichten aber so gut wie nie über ihre Arbeitsbedingungen. Vielleicht hängt damit auch das schlechte Image zusammen, das uns mitunter anlastet.

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