Ich will keine Administrator*in sein

Das ärgert mich jetzt wirklich. Vladimir von perun.net berichtet darüber, dass die nächste deutsche WordPress-Version gegendert werden soll. Im Backend wird aus dem Redakteur die Redakteur*in, aus dem Administrator die Administrator*in. Nun könnte man sagen: Was soll’s? Es passiert eh alles im Backend, ist also nur für die zu sehen, die mit WordPress arbeiten, nicht für die Leser. Aber es ärgert mich dennoch.

Natürlich könnte ich einfach darüber hinwegsehen. Lohnt es sich, sich darüber aufzuregen. Ja, es lohnt sich, aus mehreren Gründen.

Zum einen gebe ich Vladimir Recht, der findet, ein CMS wie WordPress sollte frei von Ideologien sein. Hier wird die Ideologie einer Minderheit – ja, es ist eine Minderheit – der Mehrheit übergestülpt, ob sie es will oder nicht. Oder wie es ein Kommentator ausdrückte: „Eine seltsame und traurige Form von Zwangsbeglückung ist das neuerdings.“

Ich höre schon die Verfechter einer gendergerechten oder gendersensiblen Sprache ausrufen, auch diese abzulehnen sei eine Ideologie. Nein, ist es nicht. Es ist geübte, gesprochene und von der Mehrheit geschriebene Sprache und damit unser Sprachalltag, keine Ideologie.

Zum zweiten ist unabhängig von der Frage einer Ideologie einfach nervtötend und störend, wie die Verfechter der gendersensiblen Sprache versuchen, sich immer weiter vorzudrängeln und jede Art von Texten zu infiltrieren. Schlimm genug, dass Verwaltungstexte wegen der angeblichen oder tatsächlichen Vorgaben nur so davon strotzen, in bemühter Manier jedes Geschlecht mitzunennen. Immer wieder ärgerlich und für mich nur mit Widerwillen lesbar sind Blogposts mit Sternchen, Unterstrichen und Binnen-I. Ganz kraus finde ich das Bemühen, die Pronomen einer oder eine durch eins zu ersetzen. Gerade gelesen: „Sortiert eins gerade olle Hosen aus?“ Noch ein Beispiel gefällig? „Bei soundcloud kann eins sich registrieren, ohne ein Gender anzugeben. So solls sein.“ Sorry, aber so etwas will ich nicht lesen und auch nicht in meinem WordPress-Backend haben.

So wie es aussieht, wird es aber so kommen. Deshalb geht die Welt für mich nicht unter, ich kann darüber hinwegsehen, aber es ärgert mich halt. Offenbar bin ich nicht die einzige, wie die bisherigen hitzigen Debatten beweisen, etwa im WordPress-Forum, hier und bei Vladimir unter seinem Blogpost.

Ich will keine Administrator*in sein. Aber deswegen werde ich WordPress nicht den Rücken kehren, dazu habe ich es über die Jahre viel zu sehr lieb gewonnen. Egal, wie es kommt, ich werde die Genderisierung von WordPress hinnehmen und einfach ignorieren. Eine gute Portion Gelassenheit macht das Leben leichter. Und was ich zu sagen hatte, habe ich ja jetzt gesagt.

Ach ja: Die WordPress-eigene Rechtschreibprüfung empfiehlt, Administrator*in durch Administrator zu ersetzen.

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4 Kommentare

  1. Du sprichst mir aus dem Herzen! Es ist mühsam und führt zu entsprechenden schwerfälligen Texten, wenn man jeweils beide Geschlechter nennen soll/muss.
    Toll sind ja auch die Studierenden, die abends in der Kneipe zusammenkommen. Dabei sind sie in dem Moment bestimmt nicht studierend, sondern Studenten – und die Frauen sind dann gleich mitgemeint…

  2. Vladimir von perun.net berichtet darüber, dass die nächste deutsche WordPress-Version gegendert werden soll.

    Leider hat Vladimir das sehr verkürzt dargestellt. Denn in dieser Form stimmt das nicht und hat auch nie gestimmt. Es gibt aktuell einen Vorschlag von einem Team um Caspar Hübinger, der sich die Sprachdateien vorgenommen hat und sie gendersensibel übersetzen möchte. Nur ein kleiner Teil der geänderten Strings ist tatsächlich ein „gendern“ in dem hier gemeinten Sinne mit dem Gender-Star. Der wurde von Caspar + Team selbst als Notlösung dargestellt. Eine sachliche Diskussion über bessere Lösungen findet gerade am Plugin statt:
    https://wordpress.org/support/topic/rollenbezeichnungen/

    Ich höre schon die Verfechter einer gendergerechten oder gendersensiblen Sprache ausrufen, auch diese abzulehnen sei eine Ideologie. Nein, ist es nicht. Es ist geübte, gesprochene und von der Mehrheit geschriebene Sprache und damit unser Sprachalltag, keine Ideologie.

    Ich würde da als Soziologe widersprechen. Ideologie bedeutet Weltanschauung oder Leitlinie und Ideologiefreiheit ist somit kaum zu erreichen. Dem aktuellen Sprachalltag zu folgen und nicht progressiv Neuerungen einzubringen wie es der Feminismus mit dem Gendern vorschlägt ist somit eine konservative Ideologie. Und das meine ich überhaupt nicht wertend. Aber die Diskussion um Ideologien ist meines Erachtens ohnehin wenig zielführend. Wir sollten besser über die konkreten Übersetzungen diskutieren.

    So wie es aussieht, wird es aber so kommen.

    Caspar und sein Team haben einen Vorschlag gemacht. Das bedeutet nicht, dass dies geschieht. Ich und noch weitere GTEs (Global Translation Editors) treffen am Ende diese Entscheidung und noch hat das Team um Caspar keinen finalen Vorschlag eingereicht. Wenn sie es tun, dann werden wir alle Vor- und Nachteile abwägen. Dazu gehört auch, dass Rechtschreibprüfungen mit den Sternchen, Schrägstrichen und Binnen-Is nicht zurechtkommen. Genau so wenig wie Screenreader.

    Aber der Trend geht ohnehin dazu alternative Begriffe zu benutzen und diese Änderung auch beim Originalstring zu erreichen. Leitlinie ist dabei vor allem die Zugänglichkeit (Stichwort: Leichte Sprache). Jeder sollte möglichst intuitiv verstehen, was gemeint ist. Und das ohne, dass unsere ohnehin langen deutschen Wörter das Layout sprengen.

    Fatal finde ich, dass in dieser Diskussion gendern (=Gender-Star benutzen) und „gendersensibel übersetzen“ häufig gleichgestellt wird. Als Helen Hou-Sandí den Release geleitet hat, haben wir als GTEs/Polyglots-Team auch aus „Release-Leiter“ eine „Release-Leiterin“ gemacht und später zur Vereinfachung „Release-Leitung“. Auch das ist eine *gendersensible* Übersetzung. Im Zuge der Leitlinie Gleichberechtigung und der Existenz eines Femininum im Deutschen ist das der korrekte Weg. Warum nicht auch an anderen Stellen so verfahren. Was ist daran problematisch?

    Disclaimer: Ich bin nicht Teil des Plugin-Team und versuche in der hitzigen Debatte die Argumente für oder dagegen zu finden, um mit dem Team am Ende eine gute Entscheidung zu treffen. Ich versuche Fehlinformationen richtig zu stellen und die Diskussion zu versachlichen. Ich bin einer der GTEs für die deutsche Sprache bei WordPress und kann somit Strings für den Core freischalten, die als Vorschlag eingereicht wurden.

    1. Hallo Torsten,
      danke für den ausführlichen und erklärenden Kommentar.
      Als Leserin und als Frau habe ich eine klare Position zur Übersetzung in welche Art von geschlechtersensibler Sprache auch immer: Was gar nicht geht sind Binnen-I, Sternchen oder ähnliche typografische Krücken. Die Grüne sind oft genannt worden: Lesbarkeit, Rechtschreibprüfungen etc. Das zweite ist, dass immer angeführt wird, beim generischen Maskulinum würden sich Frauen nicht mitgenannt fühlen. Als Frau sehe ich das ganz anders, ich fühle mich immer mitgemeint und mitgenannt. Die Diskussion, dass das gar nicht so sein könne und dass andere besser wissen, was ich fühle, habe ich oft genug geführt und bin ihrer überdrüssig.
      Leben kann ich mit einer Leitung statt Leiter oder Leiterin. Wenn sich solche Lösungen anbieten, dann sollen sie gerne genutzt werden. Aber nicht auf Krampf, wie etwa bei der Lehrkraft. Ich finde es schon merkwürdig, wenn mir eine Lehrerin sagt, sie sei die Lehrkraft. Auch die Elternschaft finde ich merkwürdig, weil Eltern per se schon zwei sind: Mutter und Vater.
      Welcher Vorschlag auch immer angenommen wird, ich kann damit leben. Gut finden muss ich das eine oder andere nicht, aber es ist es auch nicht wert, sich darüber allzusehr aufzuregen.

    2. „Ideologie bedeutet Weltanschauung oder Leitlinie und Ideologiefreiheit ist somit kaum zu erreichen. Dem aktuellen Sprachalltag zu folgen und nicht progressiv Neuerungen einzubringen wie es der Feminismus mit dem Gendern vorschlägt ist somit eine konservative Ideologie. Und das meine ich überhaupt nicht wertend.“

      Das sehe ich anders. Ideologie ist in der Bedeutung, von der wir hier handeln, an Wertungen und Anschauungen einer Gruppe oder eines Kulturkreises gebunden. Erst in dem Moment, wo man sich die Neuerungen im negativen oder positiven Sinne bewusst macht, wird eine Wertung überhaupt möglich.

      Jene, die sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und sich nicht über die Wirkung ihrer Wortwahl Gedanken machen, handeln schlicht sprachpraktisch, aber nicht ideologisch. Jene, die Sprache „progressiv“ ändern wollen (wobei ich mich frage, warum eigentlich progressiv ist, wer glaubt, man könne durch Wortwahl die „Ideologie“ der Sprecher verändern – das halte ich nämlich für einen fundamentalen Irrtum), handeln indes dezidiert ideologisch. Und natürlich handeln auch die Gegner der Neuerer ideologisch, weil sie – genau wie diese – Wertungen mit der Sprachpraxis verbinden.

      Sprache ändert sich laufend. Dennoch gab es in der Geschichte kodifizierter Sprachen stets Regeln zu ihrer Verwendung. Die müssen nicht immer normativen Charakter haben oder diesen beanspruchen, wie es etwa die „Académie française“ tut. Bei uns sind diese Regeln offenbar gerade dabei, in bestimmten Aspekten aushandelbar zu werden. Dabei gibt es widerstreitende Ansichten und Wertungen. Das ist nach meinem Empfinden solange in Ordnung, wie eine (bewusste oder unbewusste) Missachtung der von einer Seite aufgestellten Regeln nicht zur Diskreditierung dessen führt, der die Regeln bricht.

      Aber genau bei diesem Punkt sind wir m.E. bereits angekommen. Mich erinnert diese teils fanatische „Orthoglossie“ an Robespierre oder christlichen oder muslimischen Fundamentalismus. Zunächst noch werden nur Wörter guillotiniert. Dass Menschen folgen, will ich nicht hoffen. Ich befürchte jedoch, dass diese Gruppe sich progressiv gebender Sprachwandler in Wahrheit die nützlichen Idiot*Innen genau jener immer stärker aufkommenden Unfreiheit sind, die sie durch ihr Tun zu bekämpfen glauben.

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