Liebermann-Villa am Wannsee: Im Mai ganz wunderbar
Ich habe einen Termin in Berlin genutzt, um die Liebermann-Villa am Wannsee zu besuchen. Mitte Mai ist der Garten besonders schön.
Ich wollte schon immer mal in die Liebermann-Villa, seitdem sie seit 2006 für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Aber Berlin liegt für uns nicht um die Ecke. Umso mehr habe ich mich jetzt über die Möglichkeit gefreut, auf dem Weg in die Berliner Innenstadt einen Abstecher zum Wannsee machen zu können.
Eines der kleinsten Museen Deutschlands
Die Liebermann-Villa liegt am Ende der recht kurzen Colomierstraße, die von der Straße Am Großen Wannsee abzweigt. Die Parkmöglichkeiten sind begrenzt, aber mit Glück gibt es noch einen Platz am Straßenrand mit Parkscheibenregelungen für zwei Stunden. Das reicht für die Liebermann-Villa. Schließlich gelten Villa und Garten als eines der kleinsten Museen Deutschlands. In dem es aber viel zu sehen und zu genießen gibt.
Im ehemaligen Gärtnerhäuschen sind Kasse und Museumsshop untergebracht. Von dort geht es zunächst auf die Rückseite der Villa mit Gemüsegarten und Staudengarten. Bei unserem Besuch blühten Bellis, also Tausendschön, und Stiefmütterchen im Staudengarten in voller Pracht. Im Gemüsegarten waren die Salatpflanzen gesetzt, für mehr war es offenbar noch zu kalt. Aber die Bohnenstangen standen bereits.
Der Weg führt anschließend in die Villa selbst mit Dokumentationszentrum und Café Max im Erdgeschoss und Liebermanns Atelier im Obergeschoss. Unten erfährt der Besucher alles über den berühmten Maler, ober hängen etliche seiner Bilder, darunter auch solche, die vom Garten am Wannsee inspiriert wurden. An die 250 Bilder malte Liebermann in seinem Atelier im Sommerhaus.
Liebermann liebte den Birkenweg
Zwischen Villa und See schließt sich der berühmteste Teil des Gartens an. Eine große Rasenfläche führt zum Wasser, links davon liegt, von der Villa aus gesehen, der Heckengarten, rechts der Birkenweg. Der Blick vom See zur Villa mit den Birken dazwischen gehört wohl zu den bekanntesten Gartenbildern des Malers. Natürlich habe ich versucht, genau diesen Blick im Foto festzuhalten. Ebenso wie Pavillon und Steg direkt am Wasser und den wunderschönen Heckengarten.
Es gibt wohl kaum eine bessere Zeit als den Wonnemonat Mai, um Villa und Garten zu besuchen. Das junge Grün macht die Anlage besonders attraktiv. Das Wetter war durchwachsen, sodass das Spiel von Licht und Schatten, erzeugt von Sonne und schnell ziehenden Wolken, die Szenerie besonders ansprechend machte. Kein Wunder, dass der Künstler dieses doch sehr feudale Domizil so liebte.
Garten und Villa fallen stilistisch etwas auseinander. Während das Haus im damals etwas rückwärtsgewandten klassizistischen Stil erbaut wurde, ist der Garten einer der ersten und bekanntesten Reformgärten. Inspiriert vom Architekten Hermann Muthesius und Liebermanns Freund, dem Museumsleiter und Kunstpädagogen Alfred Lichtwark, einem ausgewiesenen Anhänger des Landhausgartens, ließ der Maler sein Grundstück nach neuen Erkenntnissen gestalten. Die praktische Arbeit übernahm der spätere Stadtgartendirektor von Berlin, Albert Brodersen.
Zwischen Geometrie und Landschaft
Der Reformgarten ist eine Abkehr vom Landschaftsgarten und eine schöne Mischung aus geometrisch angelegten Klostergärten, Bauerngärten und natürlich erscheinenden Bereichen. Das Birkenwäldchen gab es schon, bevor der Garten angelegt wurde. Liebermann ließ es stehen und in die Gestaltung einbeziehen. Vieles andere wurde neu angelegt. Der Garten sollte gestaltet sein wie das Haus: mit mehreren unterschiedlich gestalteten Räumen. Ein schönes Beispiel dafür sind die Heckengärten im Liebermann-Garten.
Ich bin froh, dass ich endlich mal Garten und Villa besuchen konnte. Ein paar hundert Meter weiter steht an der Straße Zum Großen Wannsee das Haus der Wannsee-Konferenz. Leider reichte die Zeit nicht mehr für einen Besuch. Der muss nun bis zur nächsten Berlinreise warten. Wenn ich mal wieder ein Gartendenkmal besuchen möchte, habe ich immerhin hier ganz in der Nähe den Malenter Kurpark. Auch ein bedeutender Ort der Gartenarchitektur, bei dem Architektur und Gartenarchitektur ebenfalls mit großen Namen verbunden sind.









