Jägersprache: Von Lauscher und Licht
Ich bin gerade im Wildpark Malente spazieren gegangen. Und habe dabei Jägersprache gelernt. Mancher Ausdruck ist sehr treffend.
Im Wildpark Malente leben Rothirsche in einem wirklich sehr großen Gatter, ebenfalls eingesperrte Wildschweine und Damwild, das frei herumläuft. Der Park bietet dem Wild auf mehr als zwölf Hektar Fläche viel Platz und gute Lebensbedingungen. Die Besucher können die Tiere vor allem jetzt im Frühjahr, bevor die Bäume Blätter tragen, gut beobachten. Eine Gelegenheit, meine neue Kamera und das neue Teleobjektiv auszuprobieren.
Wie die Jägersprache die Nase nennt
Der Förderverein Dorf und Natur in der Gemeinde Malente, der den Wildpark ehrenamtlich betreibt, präsentiert aber nicht nur die Tiere. Er informiert mit Schautafeln und ausgestopften Vögeln und Kleintieren auch über das Leben im Wald und die Jagd. Eine Schautafel zeigt, wie Teile des Hirsches in der Jägersprache bezeichnet werden. Sehr treffend, wie ich finde. Das Auge heißt Licht, die Nase Windfang, das Ohr Lauscher. Ähnlich treffende Bezeichnungen gibt es bei anderen Wildtieren. Das Fell beim Reh heißt Decke, Hoden werden als Brunftkugeln bezeichnet und der Schwanz des Fuchses als Lunte.
Diese speziellen Begriffe dienen mehreren Zwecken. Zum einen sind sie Fachsprache, die der knappen Verständigung zwischen Jägern dient. Zum anderen gelten sie als Teil des jagdlichen Brauchtums. Die Jägersprache umfasst angeblich um die 3000 Wörter. Es wird wohl kaum jemanden geben, der alle kennt.
Warum die Jagd notwendig ist
Ich kenne fast keine, weil ich keine Jägerin bin und nie Interesse an der Jagd hatte. Stattdessen jage ich die Tiere lieber mit der Kamera. Ich lehne die Jagd aber nicht rigoros ab. Ohne sie sähe unsere Kulturlandschaft wahrscheinlich ganz anders aus. Vermutlich gäbe es keine Wälder, da vor allem Rehwild, Rotwild und Damwild durch Verbiss viele junge Bäume schädigen. Rotwild schält Bäume. Beides führt dazu, dass sie sterben oder verkümmern. Außerdem setzt das Fegen, das Abstreifen des Bastes am nachwachsenden Geweih, den Bäumen zu. Wuchshüllen beugen dem Verbiss vor.
Ich esse gern Wild, auch ein Grund, warum ich die Jagd nicht verteufele. Immerhin leben Rehe, Hirsche und Wildschweine frei und nicht in Massentierhaltung, bevor sie auf dem Teller landen. Und ich mag Sprache und deshalb natürlich auch die Jägersprache, wenn ich auch nicht alles verstehe.


