Zurück in die Kindheit
Ich gehe bald in den Ruhestand. Deshalb hat mich ein Buch zur Vorbereitung darauf interessiert. Darin ging es auch auf eine Reise zurück in die Kindheit.
Britta Laubvogel hat unter dem Titel „Auf dem Weg in den Ruhestand“* einen praktischen Begleiter für diesen Schritt geschrieben. Manches darin liegt mir eher fern, anderes hat mich berührt. „Manches können wir besser verstehen, wenn wir noch einmal an die Wurzeln unserer Geschichte gehen und uns Prägungen aus unserer Ursprungsfamilie anschauen“, schreibt sie und stellt dazu eine Reihe von Fragen. Die will ich hier beantworten.
Wie haben Sie die 60er-Jahre als Kind erlebt?
Ich bin mit drei jüngeren Geschwistern in einer Kleinstadt in Niedersachen aufgewachsen. Mein Vater war Diplom-Landwirt und als solcher bei der Deutschen Bauernsiedlung angestellt, die bis 1988 existiert und dann in der Deutschen Gesellschaft für Landentwicklung aufging. Als begeisterter Landwirt und mit meiner Mutter, die von einem Bauernhof stammte, haben meine Eltern immer Tiere gehabt: Hühner, Pferde, Schafe und in der Anfangszeit haben sie einen Mastbullen groß gezogen zum Schlachten. Wir Kinder sind geritten, haben vom Pony gezogene Schlittenfahrten genossen, hatten viel Platz, um draußen zu spielen. Meine Eltern hatten nicht viel Geld, aber sie haben alles getan, um uns eine tolle Kindheit zu ermöglichen.
Womit haben Sie gerne gespielt?
Mit meiner Puppe, mit allem, was da war, drinnen und draußen. Schlitten gefahren, im Gemüsegarten mitgeholfen, durch den Wald gestreift, Mutters beste Vase in einer Höhle verbuddelt und nicht wiedergefunden. Sie war sauer. Viel Fahrrad gefahren. Gestürzt und dabei ein Loch in die Zunge gebissen. Es hat heftig geblutet.
Wie hieß Ihre Puppe?
Grete. Ich habe sie heiß geliebt. Sie hatte Schlafaugen und lag in einem Puppenbett, das mein Vater gebastelt hat.
Welche Fernsehsendungen haben Sie gerne gesehen?
Daktari, aber erst später, weil wir vorher keinen Fernseher hatten.
Können Sie sich an den Tag Ihrer Einschulung erinnern?
Nicht so genau. Aber es gibt ein Foto davon. Und ich weiß noch, dass wir am ersten Schultag einen Wolf malen sollten.
Wie hat Ihr Klassenzimmer ausgesehen?
Das weiß ich nicht mehr.
Was haben Sie mit Ihren Freunden in Ihrer Freizeit am liebsten unternommen?
Manchmal bin ich mit den Nachbarsjungen mit deren Dackel herumgestreift. Aber meistens sind wir Geschwister unter uns geblieben.
Wie haben Sie die erste Mondlandung erlebt?
Gar nicht. Wir hatten keinen Fernseher und irgendwie spielte das Thema bei uns keine Rolle.
An welche politischen Ereignisse von damals erinnern Sie sich besonders?
An das Treffen von Bundeskanzler Willy Brandt und Willi Stoph, damals Ministerpräsident der DDR. Das ist mir aber vor allem im Gedächtnis geblieben, weil wir Kinder immer gerufen haben „Willy Brand und Willi Stoph, diese beiden die sind doof“. Das Zusammentreffen der beiden Politiker 1970 in Erfurt gilt als erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen.
Eine glückliche Kindheit
Ich denke gerne an meine Kindheit zurück, weil meine Eltern uns so viel ermöglicht haben: eine gute Bildung, Musikunterricht, Sport, die Natur kennenzulernen und zu schätzen, gute Gespräche. Mein Vater hat mir die Freude an der Fotografie vermittelt, die mich bis heute begleitet. Und unsere Eltern waren bis in unserer Erwachsenenleben immer für uns da. Manches habe ich erst später zu schätzen gelernt. Umso dankbarer bin ich für diesen Start ins Leben.

Nun steht nach dem Eintritt ins Berufsleben die nächste große Veränderung an, die Rente. Nicht nur die Aussicht darauf löst bei mir etwas aus, das ich früher nicht für möglich gehalten hätte. Ich habe immer mehr Lust, nochmal die Orte meiner Kindheit und Jugend aufzusuchen, zu sehen, was darauf geworden ist. Ich habe inzwischen ein paar Mal Einbeck besucht, wo ich meine ersten zwei Jahre im Journalismus verbracht habe. In meine Heimatstadt komme ich noch regelmäßig, weil mein Vater dort noch lebt. Aber ich merke auch, dass die Besuche dort seltener werden, weil er mittlerweile dement ist und mich kaum noch erkennt.
Ich hatte immer Glück im Leben. Und ich hoffe, meiner Tochter genau so viel mitgegeben zu haben wie meine Eltern mir. Ich habe es jedenfalls versucht, und es sieht so aus, als hätten wir als Eltern alles richtig gemacht. Für mich war das Buch ein guter Anstoß, noch einmal meine Kindheit Revue passieren zu lassen.
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