Notizen zur IGS 2013: Design oder Nichtsign, das ist hier die Frage

Fata morgana: Blaue Glasscherben-Endmoräne, garniert mit glänzenden Getränkedosen.
Fata Morgana: Blaue Glasscherben-Endmoräne, garniert mit glänzenden Getränkedosen.

„Keine Gartenschau ohne Glasscherben-Teppich.“ Die Feststellung eines Besuchers der Bundesgartenschau 2009 in Schwerin angesichts eines türkisblauen Glasscherbenteppichs zwischen Gräserrabatten klingt mir noch heute in den Ohren. Sie fiel mir sofort wieder ein, als ich auf der IGS 2013, der Internationalen Gartenschau in Hamburg, vor der Fata Morgana stand. Flirrendes Licht auf Sand, dargestellt durch einen Teppich aus blauen Glasscherben, ergänzt durch Lichtpunkte aus blinkenden Getränkedosen. Kein Teppich, sondern eher ein Endmoräne en miniatur. Garten, so habe ich  auf der IGS erlebt, ist mehr als Blumen und Bäume, mehr als Rosen, Rasen, Koniferen. Garten ist Design. Sollte es zumindest sein, signalisiert die Schau.

Zugegeben, die blaue Düne hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ich mag Blau, es ist meine Lieblingsfarbe. Deshalb habe ich mich an der Fata Morgana auch in einen Rausch fotografiert.

Fata Morgana im Detail: Installation aus Sand, Glasscherben und Dosen.
Fata Morgana im Detail: Installation aus Sand, Glasscherben und Dosen.

Die IGS strotzt nur so vor Design. Immer mit einem gewissen halbesoterischen Anspruch. An vielen Stellen laden Info-Tafeln dazu ein, seine Sinne ansprechen zu lassen, den Kopf aus- und das Gefühl einzuschalten. Sich fallen zu lassen in Farben und Stimmungen und das Verschwimmen von Pflanzen, Farben und Dekoration zu empfinden. Nicht immer ganz einfach bei so viel Gewusel um einen herum. Ein Beispiel für diese Art der Erlebnis-Gärtnerei mit Gefühlsanspruch ist der Aquarell-Garten. Da korrespondiert angemalter Boden mit Blumenrabatten.

Aquarellgarten: Nicht nur die Natur streicht die Gartenschau bunt an.
Aquarell-Garten: Nicht nur die Natur streicht die Gartenschau bunt an.

Die Sinne ansprechen soll auch das Wasserkino. Eine Wand aus vielen verschiedenen Fliesen, an der Wasser herunterläuft. Davor antike Kinosessel. Auch hier wird der Besucher aufgefordert, sich in Sinneseindrücke hineinfallen zu lassen, das große Kino von über blaue Bilder fließendem Wasser zu empfinden. Sehen allein reicht offenbar nicht, es muss schon ein Gefühl entstehen. So schreibt es auch hier die Info-Tafel vor.

Das Wasserkino: Fließen als Erlebnis der Sinne.
Das Wasserkino: Fließen als Erlebnis der Sinne.

An mancher Stelle hat das Design so sehr die klassische Gartenidee verdrängt, dass es gar nicht mehr als Teil der Gartenschau erkennbar ist. Den ungewöhnlichsten „Garten“ der Schau habe ich erst für eine nicht gut genug abgeschirmte Bewirtschaftungsfläche gehalten, die für Besucher unzugänglich ist. Tatsächlich handelt es sich um einen Garten, wie zum Glück das Schild an der Außenseite deutlich macht. Ohne das Schild und ohne Erklärung ist das nun wirklich nicht zu erkennen. Übrigens: Im Inneren steht noch ein altes Auto, man könnte diesen Garten auch für eine große Garage halten. Tatsächlich kommt hier der umweltpolitische Anspruch der IGS zum Tragen. Die Wasser-Container symbolisieren den Wasserverbrauch, der durch Mobilität entsteht. Deshalb auch das Auto im Inneren.

Der ungewöhnlichste Garten auf der IBS: Symbol für Wasserverbrauch für Mobilität.
Der ungewöhnlichste Garten auf der IGS: Symbol für den Wasserverbrauch der Mobilität.

Anderes Beispiel, anderes Design. In der Welt der Kulturen sind Gärten aus vielen verschiedenen Regionen der Welt angelegt. Ich kenne die Gedanken nicht, die sich diejenigen gemacht haben, die diese Gärten entworfen haben. Aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass dort oft das Klischee gesiegt hat. So ist der amerikanische Garten mit einer riesigen Ketschup-Flasche und den Stars-and-Stripes gestaltet. Der arabische Garten zeigt das Zelt der Beduinen. Aber ob die in Weiß und Blau residieren. Sieht eher wie ein auf arabisch getrimmtes Zelt aus dem Baumarkt aus.

Beduinenzelt im arabischen Garten.
Beduinenzelt im arabischen Garten.

So, genug gelästert. Es gibt auch IGS-Design, das richtig nett ist und zum Mitmachen animiert. So ganz ohne Gefühl, sondern eher mit Geschicklichkeit und Augenmaß. Etwa ebenfalls in der Welt der Kulturen eine Fläche, auf der flache Steine und Schieferplättchen auf stehende Stäbe gesetzt werden müssen, ohne herunterzufallen. Einfach nett, diese Idee.

Gar nicht so einfach: Steine balancieren auf Stöcken.
Gar nicht so einfach: Steine balancieren auf  Stäben.

Besonders gelungen finde ich auch die Welt der Häfen mit ihren Containern, in denen Geschichten und Themen rund um die Häfen dargestellt werden. Auswanderung, Hilfen für die Dritte Welt, aber auch Handel und Wandel, etwa mit Gewürzen und Tee. Diese Themen spiegeln sich auch zwischen den Containern. Mein Favorit: Die Teekisten.

Teekisten-Boulevard in der Welt der Häfen.
Teekisten-Boulevard in der Welt der Häfen.

Mein Fazit: Design kann gelungen sein, aber zu viel Design muss es nun auch nicht sein. Wenn  Design droht, die Pflanzen zu erdrücken, ist der Sinn einer Gartenschau verfehlt. Oder um einen Freund zu zitieren, dem ich davon und ein bisschen von den Blumen erzählte: „Ach, Blumen gibt es also auch?“ Ja, es gibt auch Blumen auf der Gartenschau. Blumen und Gärten und Bäume. Darüber berichte ich morgen im dritten Teil der kleinen IGS-Serie.

Eine lesenswerte Kritik über die Design- und Event-Verliebtheit der IGS, über das Elend des Event-Gartenbaus und über Gartenvisionshumorgefängnisse hat Oliver Driesen verfasst.

 

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