Pferdeäppel auf einem Weg auf dem Land.
Pyrocontra,  sinniert

Pferdeäppel – Wenn Leute, die nicht reiten, meckern

Die Wellen schlugen hoch, als jemand bei Facebook Fotos postete, die Pferdeäppel auf einem ländlichen Radweg zeigen. Riesige Empörung über Reiter, die die nicht wegmachen. Aber das ist gar nicht so einfach.

Natürlich ist das nicht schön, wenn Pferdeäppel auf einem Radweg liegen. Aber ist es ein Grund, sich so zu empören? Der Facebook-Post hat an die 1000 Kommentare erhalten. In den meisten schimpften die Kommentatoren auf die Reiter. Aber Pferdeäppel sind etwas anderes als Hundehaufen, und Reiter können sie nicht einfach so wegmachen.

Pferdeäppel einsammeln ist nicht immer möglich

Glaubt man vielen der Kommentatoren, ist es die Pflicht aller Reiter, die Haufen sofort und auf der Stelle einzusammeln. Als Reiterin weiß ich, dass das nicht so einfach ist. Wer hat schon auf dem Pferde Schaufel und sogar eine Tonne oder einen großen Beutel dabei? Und eben mal absteigen ist ebenfalls oft nicht möglich. Nicht jeder Reiter kommt ohne Aufstieghilfe wieder aufs Pferd. Abgesehen davon, dass das Hochziehen am Sattel gar nicht gut fürs Tier ist. Das geht mächtig auf den Rücken.

Deshalb kehren viele Reiter nach dem Ausritt zurück, um die Pferdeäppel aufzusammeln. So viel Geduld sollten die, die da so ausgiebig gemeckert haben, schon aufbringen. Ein verantwortungsvoller Reiter lässt nichts liegen, sammelt die Haufen auf oder schiebt sie zumindest auf den Grünstreifen oder ins Gebüsch. Davon abgesehen stinken Pferdeäppel bei weitem nicht so wie Hundekot. Schließlich sind Pferde Vegetarier. Und die Äppel lösen sich bei Regen schnell auf. Allerdings hat es hier lange nicht geregnet.

Grundsätzlich müssen die Hinterlassenschaften der Pferde von öffentlichen Straßen entfernt werden, es gibt sogar einen Pferde-Bußgeldkatalog. Darin ist das Nichtwegschaffen der Pferdeäpfel aber eine eher lässliche Sünde, die mit zehn Euro Bußgeld bestraft werden kann.

Früher waren Pferdeäppel willkommener Dünger. So mancher Gartenbesitzer hat sie sich von der Straße, der Chaussee oder wie in diesem Fall vom Radweg geholt. Ein gesundes Pferd äppelt alle 90 bis 120 Minuten. Da ist es fast zwangsläufig, dass bei einem Ausritt mal ein Haufen zurückbleibt. Ich kannte mal eine Pferdebesitzerin, die vor dem Ausritt über dem Rücken ihres Pferdes gependelt hat, damit es nochmal äppelt. Ob sie Erfolg hatte? Ich glaube nicht, halte das für Hokuspokus.

Pferdemist im Gartenmarkt

Zurück zum Dünger. Das Gemotze auf Facebook über die Pferdeäppel ist mir wieder eingefallen, als ich im Gartenmarkt war. Dort gibt es Pferdemist als Dünger zu kaufen. Das ist schon seltsam. Da echauffieren sich Menschen über Pferdeäppel in der Gegend, aber andere kaufen eben solche Pferdeäpfel für ihren Garten. Und geben für etwas Geld aus, was sie kostenlos haben können. Schaufel, Schubkarre und ein Reitstall in der Nähe reichen dafür aus.

Wie auch immer man zu Pferdeäpfeln steht, mir als Reiterin sind sie allemal lieber als Hundehaufen. Deshalb kann ich mich nicht darüber aufregen. Aber für manchen scheinen sie schnell zum Zankapfel zu werden.

Susanne Peyronnet *1960 Wurzeln in Niedersachsen Leben in Schleswig-Holstein Redakteurin seit 1981 Hobbys: Reisen, Lesen, Reiten Musik: Klassik, Klassik, Klassik (Ausnahme Kammermusik) Länder: Deutschland, Frankreich

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