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	<title>Journalismus Archive - Pyrolirium</title>
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	<title>Journalismus Archive - Pyrolirium</title>
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		<title>Sachkack und Caffè Latte: Notizen von der Schreibtischunterlage</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Susanne]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Jan 2026 10:59:09 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="800" height="420" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Sachkack.jpg" class="webfeedsFeaturedVisual wp-post-image" alt="Notiz Sachkack auf einer Schreibtischunterlage" style="display: block; margin-bottom: 5px; clear:both;max-width: 100%;" link_thumbnail="" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Sachkack.jpg 800w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Sachkack-150x79.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Sachkack-768x403.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><p>Auf meinem Schreibtisch liegt eine Unterlage aus Papier. Ein guter Platz, um dort Wörter zu verewigen, die ich nicht vergessen will: Sachkack, Caffè Latte und Mot juste. Es sind nur ein paar Stichworte, die ich auf meiner Schreibtischunterlage notiert habe. Meistens Wörter aus dem Journalismus. Solche, die intern in Redaktionen benutzt werden oder die ich einfach treffend für verbreitete Phänomene halte. Beispiel: Wie ich immer sage, gibt es im Job einer Reporterin Schwarzbrot und Sahnetorte. Schwarzbrot, das sind der Besuch von Ausschusssitzungen und Stadtvertretungen, nach denen der Journalist trockenes Verwaltungsdeutsch in Texte übersetzen muss, die im Idealfall den Lesern sagen, was Entscheidungen für sie bedeuten. Sachkack als abfällige Bezeichnung Es sind Termine, bei denen Papiere &#8211; mittlerweile meistens digital &#8211; gewälzt werden müssen. Bei denen Kommunalpolitiker oft so argumentieren, dass man als Zuhörer mit der Faust auf den Tisch hauen möchte. Sachkack eben, wie das intern ebenfalls heißt. Der Begriff wird auch als abfällige Bezeichnung für faktenbasierten, trockenen Journalismus verwendet. Dabei dürfte es trockenen Journalismus gar nicht geben. Ist es doch Aufgabe von Redakteuren und Reportern, sperrige Themen verständlich und spannend aufzuschreiben. Und dann die Sahnetorte. Das waren für mich meistens Reportagen, bei denen es um große Maschinen ging. Buhnenbau an der Ostsee, Abriss von riesigen Silos. Oder um interessante Menschen. Um Orte, an die Hans und Franz üblicherweise nicht hinkommt, etwa die Ausnüchterungszellen der Polizei. Das ist, um noch mal ein Klischee zu bemühen, das Salz in der Reportersuppe. Um nochmal auf den Sachkack zurückzukommen: Das Schwarzbrot im Reporterleben hat noch einen anderen Namen. Brot-und-Butter-Journalismus. Auch das ein Wort, das auf meiner Schreibtischunterlage steht, damit ich es nicht vergesse. Café-Latte zum Einstieg in den Text Ein weiterer Begriff, den ich notiert habe, ist der Café-Latte-Einstieg. Kein besonders etablierter Begriff. Was damit gemeint ist, lässt sich aber oft beobachten. Ein Text beginnt nicht mit den harten Fakten, der Nachricht, dem Lead, sondern hat eine erzählerische, atmosphärische oder anekdotische Einleitung. Kino für den Kopf sozusagen. Der szenische Einstieg ist gerade bei Reportagen sehr beliebt. Solche Einstiege habe ich selbst oft geschrieben, etwa in kleiner Form bei meinem Besuch deutscher Truppen in Afghanistan 2006: &#8222;Eine Frau blickt aus einem Haus und winkt den vorbeifahrenden Männern zu. Für Afghanistan ist das eine Revolution. Sie ist auch ein Verdienst der Männer im Jeep. Es sind Soldaten aus Deutschland.&#8220; Und wie bei jedem Text ist es wichtig, das Mot juste, das richtige Wort an der richtigen Stelle zu schreiben. Auch Mot juste steht auf meiner Schreibtischunterlage. Zurück zur Schreibtischunterlage. Dort steht noch ein anderer Begriff, nämlich &#8222;haptische Produkte&#8220;. Im Fachjargon der Werbeindustrie Hapticals genannt. Gemeint sind Werbeartikel wie Kugelschreiber, Zollstöcke, neuerdings gerne auch Powerbanks oder &#8211; habe selbst schon bekommen &#8211; kleine Insektenhotels oder Thermobecher. Also alles Dinge, die man anfassen kann. In Zeiten zunehmender Digitalität offenbar immer noch ein wichtiges Segment. Mir ist der Begriff in einem anderen Zusammenhang untergekommen. Nämlich im Sinn von &#8222;wir verkaufen keine haptischen Produkte mehr&#8220;. Sprich: Hier gibt es nur noch digitale Angebote. Beispiele sind etwa Hörbücher, Streamingdienste, Online-Kurse. Lieferung und Bezahlung erfolgen ausschließlich online. Kennt jeder. Aber die Hapticals zeigen uns, dass Menschen oft doch lieber etwas anfassen möchten. Und sei es nur ein Zollstock mit Baumarktwerbung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://pyrolim.de/pyropro/sachkack-und-caffe-latte-notizen-von-der-schreibtischunterlage/">Sachkack und Caffè Latte: Notizen von der Schreibtischunterlage</a> erschien zuerst auf <a href="https://pyrolim.de">Pyrolirium</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img width="800" height="420" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Sachkack.jpg" class="webfeedsFeaturedVisual wp-post-image" alt="Notiz Sachkack auf einer Schreibtischunterlage" style="display: block; margin-bottom: 5px; clear:both;max-width: 100%;" link_thumbnail="" decoding="async" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Sachkack.jpg 800w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Sachkack-150x79.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Sachkack-768x403.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" />
<p class="wp-block-paragraph">Auf meinem Schreibtisch liegt eine Unterlage aus Papier. Ein guter Platz, um dort Wörter zu verewigen, die ich nicht vergessen will: Sachkack, Caffè Latte und Mot juste.</p>



<span id="more-14535"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Es sind nur ein paar Stichworte, die ich auf meiner Schreibtischunterlage notiert habe. Meistens Wörter aus dem Journalismus. Solche, die intern in Redaktionen benutzt werden oder die ich einfach treffend für verbreitete Phänomene halte. Beispiel: Wie ich immer sage, gibt es im Job einer Reporterin Schwarzbrot und Sahnetorte. Schwarzbrot, das sind der Besuch von Ausschusssitzungen und Stadtvertretungen, nach denen der Journalist trockenes Verwaltungsdeutsch in Texte übersetzen muss, die im Idealfall den Lesern sagen, was Entscheidungen für sie bedeuten. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Sachkack als abfällige Bezeichnung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es sind Termine, bei denen Papiere &#8211; mittlerweile meistens digital &#8211; gewälzt werden müssen. Bei denen Kommunalpolitiker oft so argumentieren, dass man als Zuhörer mit der Faust auf den Tisch hauen möchte. Sachkack eben, wie das intern ebenfalls heißt. Der Begriff wird auch als abfällige Bezeichnung für faktenbasierten, trockenen Journalismus verwendet. Dabei dürfte es trockenen Journalismus gar nicht geben. Ist es doch Aufgabe von Redakteuren und Reportern, sperrige Themen verständlich und spannend aufzuschreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann die Sahnetorte. Das waren für mich meistens Reportagen, bei denen es um große Maschinen ging. Buhnenbau an der Ostsee, Abriss von riesigen Silos. Oder um interessante Menschen. Um Orte, an die Hans und Franz üblicherweise nicht hinkommt, etwa <a href="https://www.ln-online.de/lokales/luebeck/luebeck-so-sieht-es-in-der-ausnuechterungszelle-der-polizei-aus-HYAXWRGBQJEURMC5L2BVLBPBZI.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">die Ausnüchterungszellen der Polizei</a>. Das ist, um noch mal ein Klischee zu bemühen, das Salz in der Reportersuppe. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Um nochmal auf den Sachkack zurückzukommen: Das Schwarzbrot im Reporterleben hat noch einen anderen Namen. Brot-und-Butter-Journalismus. Auch das ein Wort, das auf meiner Schreibtischunterlage steht, damit ich es nicht vergesse.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Café-Latte zum Einstieg in den Text</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Begriff, den ich notiert habe, ist der Café-Latte-Einstieg. Kein besonders etablierter Begriff. Was damit gemeint ist, lässt sich aber oft beobachten. Ein Text beginnt nicht mit den harten Fakten, der Nachricht, dem <a href="https://www.dmv-verband.de/wissenspool/schreiben/nachricht.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lead</a>, sondern hat eine erzählerische, atmosphärische oder anekdotische Einleitung. Kino für den Kopf sozusagen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://www.newsroom.de/news/aktuelle-meldungen/vermischtes-3/masterclass-erzaehljournalismus-7-frische-tipps-fuer-zeitgemaesses-storytelling-956787/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">szenische Einstieg</a> ist gerade bei Reportagen sehr beliebt. Solche Einstiege habe ich selbst oft geschrieben, etwa in kleiner Form bei meinem Besuch deutscher Truppen in <a href="https://pyrolim.de/pyropro/ach-afghanistan-erinnerung-an-einen-kurzen-besuch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Afghanistan </a>2006: &#8222;Eine Frau blickt aus einem Haus und winkt den vorbeifahrenden Männern zu. Für Afghanistan ist das eine Revolution. Sie ist auch ein Verdienst der Männer im Jeep. Es sind Soldaten aus Deutschland.&#8220; Und wie bei jedem Text ist es wichtig, das Mot juste, das richtige Wort an der richtigen Stelle zu schreiben. Auch Mot juste steht auf meiner Schreibtischunterlage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück zur Schreibtischunterlage. Dort steht noch ein anderer Begriff, nämlich &#8222;haptische Produkte&#8220;. Im Fachjargon der Werbeindustrie Hapticals genannt. Gemeint sind Werbeartikel wie Kugelschreiber, Zollstöcke, neuerdings gerne auch Powerbanks oder &#8211; habe selbst schon bekommen &#8211; kleine Insektenhotels oder Thermobecher. Also alles Dinge, die man anfassen kann. In Zeiten zunehmender Digitalität offenbar immer noch ein wichtiges Segment. Mir ist der Begriff in einem anderen Zusammenhang untergekommen. Nämlich im Sinn von &#8222;wir verkaufen keine haptischen Produkte mehr&#8220;. Sprich: Hier gibt es nur noch digitale Angebote.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beispiele sind etwa Hörbücher, Streamingdienste, Online-Kurse. Lieferung und Bezahlung erfolgen ausschließlich online. Kennt jeder. Aber die Hapticals zeigen uns, dass Menschen oft doch lieber etwas anfassen möchten. Und sei es nur ein Zollstock mit Baumarktwerbung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://pyrolim.de/pyropro/sachkack-und-caffe-latte-notizen-von-der-schreibtischunterlage/">Sachkack und Caffè Latte: Notizen von der Schreibtischunterlage</a> erschien zuerst auf <a href="https://pyrolim.de">Pyrolirium</a>.</p>
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		<title>Schreiben mit Musik: lieber nicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Susanne]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Feb 2025 17:34:56 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="800" height="533" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/radio.jpg" class="webfeedsFeaturedVisual wp-post-image" alt="" style="display: block; margin-bottom: 5px; clear:both;max-width: 100%;" link_thumbnail="" decoding="async" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/radio.jpg 800w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/radio-150x100.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/radio-768x512.jpg 768w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/radio-420x280.jpg 420w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><p>Ich schreibe viel. Jeden Tag. Dabei ist es meistens still um mich herum. Ich kann mit Musik nicht schreiben. Andere brauchen sie dagegen oder finden sie sogar hilfreich. Zunächst: Musik hören ist nicht gleich immer störungsfrei. Wer Radio hört, bekommt zwischen der Musik Wortbeiträge präsentiert, etwa wenn die Nachrichten anstehen oder &#8211; noch schlimmer &#8211; nervige Werbung. Da hilft Streaming. Aber ist Musik beim Schreiben wirklich hilfreich? Nicht für mich. Nun fröne ich nicht dem kreativen Schreiben, sondern schreibe journalistisch. Klar, nach mehr als 40 Jahren in dem Beruf habe ich viel Routine und das Schreiben geht mir flott von der Hand. Aber manchmal gibt es eben Themen, die schwierig zu durchdringen und noch schwieriger verständlich aufzuschreiben sind. Da kämpfte ich mitunter schon sehr. Wenn ich dann noch Hintergrundgeräusche hätte, wäre es für mich umso schwieriger, klare Gedanken zu fassen. Zur Not mit Störung schreiben Ich kann zur Not schreiben, wenn um mich herum geredet wird oder Reden gehalten werden. Das kommt manchmal vor, etwa, wenn ich aktuell aus einer Veranstaltung schreiben muss. Als es damit begann, dass Journalisten etwa bei politischen Sitzungen mit ihrem Laptop hinten saßen und parallel schrieben, spielten sich manchmal merkwürdige Szene ab. Mir hat mal ein Politiker über die Schulter auf meinen Laptop geschaut, um zu sehen, was ich über ihn schreibe. Wie dreist. Das ist aber eine Ausnahme, genauso wie das aktuelle Schreiben in Sitzungen. Meistens verfasse ich meine Texte im stillen Kämmerlein der Redaktion. Und mit still meine ich still. Je ruhiger, desto besser. Damit bin ich offenbar eine Ausnahme. Angeblich hat eine Studie aus dem Jahr 2012 ergeben, dass die meisten Menschen ihre kognitiven Höchstleistungen unter mäßig lauten Bedingungen erbringen. Klang und Sprachverarbeitung sollen angeblich vernetzt sein. Wenn ich Musik höre, konzentriere ich mich auf die Musik, ich bin kein Nebenbei-Hörer. Ich finde, gute Musik verdient es, bewusst gehört zu werden. Schreiben und Musik sind bei mir also streng getrennt. Musik soll in Stimmung bringen Das mag beim kreativen Schreiben anders sein als im Journalismus. Vielleicht brauchen Autoren die Musik, um in die richtige Stimmung zu kommen. Angeblich hilft Barockmusik oder Musik von Harfe oder Cello am besten, um entspannt und kreativ zu schreiben. Ich brauche keine Musik, um zu schreiben. Wie haltet Ihr es? Hilft Euch Musik, die richtigen Worte zu finden, oder stört sie eher beim Denken?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://pyrolim.de/pyropro/schreiben-mit-musik-lieber-nicht/">Schreiben mit Musik: lieber nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://pyrolim.de">Pyrolirium</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ich schreibe viel. Jeden Tag. Dabei ist es meistens still um mich herum. Ich kann mit Musik nicht schreiben. Andere brauchen sie dagegen oder finden sie sogar hilfreich.</p>



<span id="more-14001"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst: Musik hören ist nicht gleich immer störungsfrei. Wer Radio hört, bekommt zwischen der Musik Wortbeiträge präsentiert, etwa wenn die Nachrichten anstehen oder &#8211; noch schlimmer &#8211; nervige Werbung. Da hilft Streaming. Aber ist Musik beim Schreiben wirklich hilfreich? Nicht für mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun fröne ich nicht dem kreativen Schreiben, sondern schreibe journalistisch. Klar, nach <a href="https://pyrolim.de/pyropro/40-jahre-journalismus-mein-rueckblick/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">mehr als 40 Jahren in dem Beruf</a> habe ich viel Routine und das Schreiben <a href="https://pyrolim.de/pyropro/schreibenueberdasschreiben-meine-routine-beim-schreiben/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">geht mir flott von der Hand</a>. Aber manchmal gibt es eben Themen, die schwierig zu durchdringen und noch schwieriger verständlich aufzuschreiben sind. Da kämpfte ich mitunter schon sehr. Wenn ich dann noch Hintergrundgeräusche hätte, wäre es für mich umso schwieriger, klare Gedanken zu fassen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zur Not mit Störung schreiben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kann zur Not schreiben, wenn um mich herum geredet wird oder Reden gehalten werden. Das kommt manchmal vor, etwa, wenn ich aktuell aus einer Veranstaltung schreiben muss. Als es damit begann, dass Journalisten etwa bei politischen Sitzungen mit ihrem Laptop hinten saßen und parallel schrieben, spielten sich manchmal merkwürdige Szene ab. Mir hat mal ein Politiker über die Schulter auf meinen Laptop geschaut, um zu sehen, was ich über ihn schreibe. Wie dreist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist aber eine Ausnahme, genauso wie das aktuelle Schreiben in Sitzungen. Meistens verfasse ich meine Texte im stillen Kämmerlein der Redaktion. Und mit still meine ich still. Je ruhiger, desto besser. Damit bin ich offenbar eine Ausnahme. Angeblich hat eine Studie aus dem Jahr 2012 ergeben, dass die meisten Menschen ihre kognitiven Höchstleistungen unter mäßig lauten Bedingungen erbringen. Klang und Sprachverarbeitung <a href="https://www.akademie-modernes-schreiben.de/schreiben-mit-musik" target="_blank" rel="noreferrer noopener">sollen angeblich vernetzt sein</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich Musik höre, konzentriere ich mich auf die Musik, ich bin kein Nebenbei-Hörer. Ich finde, gute Musik verdient es, bewusst gehört zu werden. Schreiben und Musik sind bei mir also streng getrennt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Musik soll in Stimmung bringen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das mag beim kreativen Schreiben anders sein als im Journalismus. Vielleicht brauchen Autoren die Musik, um<a href="https://christinekaemmer.com/musik-zum-schreiben/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> in die richtige Stimmung</a> zu kommen. Angeblich hilft Barockmusik oder Musik von Harfe oder Cello am besten, um entspannt und kreativ zu schreiben. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich brauche keine Musik, um zu schreiben. Wie haltet Ihr es? Hilft Euch Musik, die richtigen Worte zu finden, oder stört sie eher beim Denken? </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://pyrolim.de/pyropro/schreiben-mit-musik-lieber-nicht/">Schreiben mit Musik: lieber nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://pyrolim.de">Pyrolirium</a>.</p>
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		<title>Touchiert oder gerammt: die Worte im Unfallbericht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Susanne]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Oct 2024 14:33:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[gedacht]]></category>
		<category><![CDATA[Pyropro]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="800" height="533" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Unfall-1.jpg" class="webfeedsFeaturedVisual wp-post-image" alt="" style="display: block; margin-bottom: 5px; clear:both;max-width: 100%;" link_thumbnail="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Unfall-1.jpg 800w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Unfall-1-150x100.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Unfall-1-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><p>Wörter machen Stimmung. Das ist unbestritten. Wenn im Unfallbericht das Wort touchiert vorkommt, klingt das harmloser, als es ist. Ein Plädoyer für mehr Sorgsamkeit beim Schreiben. Touchiert klingt harmlos. Nach zartem Anklopfen, leichtem Berühren. Warum also hat es oft so gravierende, manchmal tödliche Folgen, wenn ein Fahrzeug einen Radfahrer oder Fußgänger touchiert? So steht es in vielen Unfallberichten, ob von Polizeipressestellen oder von Medien, die diese verarbeiten und veröffentlichen. So lautet eine Schlagzeile vom NDR: &#8222;Auto touchiert Radfahrer: 82-Jähriger stirbt nach Sturz.&#8220; In diesem Fall war es der Außenspiegel, der den Radfahrer berührte und den Sturz herbeiführte. Da lässt sich das Wort touchiert vielleicht gerade noch vertreten. Etwas anders sieht es aus, wenn das Auto, schlimmer noch ein Lastwagen, einen Radfahrer oder Fußgänger frontal oder beim Abbiegen touchiert, sprich rammt. Das endet oft genug tödlich. Touchiert verharmlost das Geschehen Fuß- und Radverkehrsaktivisten kritisieren, Medien berichteten über Unfälle oft verharmlosend. Ich kann ihnen nur zustimmen, auch ohne Aktivistin zu sein. Als Journalistin weiß ich, dass ich meine Worte sorgfältig abwägen muss, um kein falsches Bild heraufzubeschwören. Wenn es zum schwere Verletzungen oder gar Todesfälle bei Unfällen geht, ist touchiert sicher nicht das richtige Verb. Da müssen wir von Zusammenstoß, Zusammenprall oder davon sprechen und schreiben, dass ein Fahrzeug einen Fußgänger oder Radfahrer gerammt hat. Wenn es denn so war. Es mag ja auch den Fall geben, dass der schwächere Verkehrsteilnehmer die Schuld trägt, etwa weil er im Dunkeln und ohne Licht unterwegs ist. Aber selbst dann ist der Kontakt zwischen dem einen und dem anderen sicher kein harmloses Touchieren. Wo das Wort angemessen ist Es gibt allerdings eine Kategorie von Unfällen, bei denen ich touchieren durchaus für das richtige Wort halte. Das sind die sogenannten Parkplatzrempler. Wenn ein Auto beim Ausparken gegen ein anderes fährt, ist das erstens meistens langsam geschehen und zweitens die Berührung &#8211; selbst wenn sie großen Schaden anrichtet &#8211; nicht besonders heftig. Da kann man schon mal von Touchieren reden oder schreiben. Selbst in Polizeimeldungen kann ich das akzeptieren, wohl wissend, dass die Polizei ihr eigenes Deutsch pflegt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img width="800" height="533" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Unfall-1.jpg" class="webfeedsFeaturedVisual wp-post-image" alt="" style="display: block; margin-bottom: 5px; clear:both;max-width: 100%;" link_thumbnail="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Unfall-1.jpg 800w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Unfall-1-150x100.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Unfall-1-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" />
<p class="wp-block-paragraph">Wörter machen Stimmung. Das ist unbestritten. Wenn im Unfallbericht das Wort touchiert vorkommt, klingt das harmloser, als es ist. Ein Plädoyer für mehr Sorgsamkeit beim Schreiben.</p>



<span id="more-13823"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Touchiert klingt harmlos. Nach zartem Anklopfen, leichtem Berühren. Warum also hat es oft so gravierende, manchmal tödliche Folgen, wenn ein Fahrzeug einen Radfahrer oder Fußgänger touchiert? So steht es in vielen Unfallberichten, ob von Polizeipressestellen oder von Medien, die diese verarbeiten und veröffentlichen. So lautet eine Schlagzeile vom NDR: &#8222;Auto touchiert Radfahrer: 82-Jähriger stirbt nach Sturz.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Fall war es der Außenspiegel, der den Radfahrer berührte und den Sturz herbeiführte. Da lässt sich das Wort touchiert vielleicht gerade noch vertreten. Etwas anders sieht es aus, wenn das Auto, schlimmer noch ein Lastwagen, einen Radfahrer oder Fußgänger frontal oder beim Abbiegen touchiert, sprich rammt. Das <a href="https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Toedlicher-Unfall-in-Hamburg-Lkw-ueberfaehrt-15-jaehrigen-Radfahrer-,unfall17950.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">endet oft genug tödlich</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Touchiert verharmlost das Geschehen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Fuß- und Radverkehrsaktivisten kritisieren, <a href="https://www.message-online.com/nur-touchiert-wie-sprache-in-unfallberichten-das-denken-formt/?fbclid=IwY2xjawFWJqtleHRuA2FlbQIxMAABHXcrsv2UzxgtumzUsd-3rI5FpKSzCiYKQMaIqyceyO74n12CbxloE8moIQ_aem_nfcWfOqtM1neSAKKAOSN6Q" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Medien berichteten über Unfälle oft verharmlosend</a>. Ich kann ihnen nur zustimmen, auch ohne Aktivistin zu sein. Als Journalistin weiß ich, dass ich meine Worte sorgfältig abwägen muss, um kein falsches Bild heraufzubeschwören. Wenn es zum schwere Verletzungen oder gar Todesfälle bei Unfällen geht, ist touchiert sicher nicht das richtige Verb. Da müssen wir von Zusammenstoß, Zusammenprall oder davon sprechen und schreiben, dass ein Fahrzeug einen Fußgänger oder Radfahrer gerammt hat. Wenn es denn so war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es mag ja auch den Fall geben, dass der schwächere Verkehrsteilnehmer die Schuld trägt, etwa weil er im Dunkeln und ohne Licht unterwegs ist. Aber selbst dann ist der Kontakt zwischen dem einen und dem anderen sicher kein harmloses Touchieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wo das Wort angemessen ist</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt allerdings eine Kategorie von Unfällen, bei denen ich touchieren durchaus für das richtige Wort halte. Das sind die sogenannten Parkplatzrempler. Wenn ein Auto beim Ausparken gegen ein anderes fährt, ist das erstens meistens langsam geschehen und zweitens die Berührung &#8211; selbst wenn sie großen Schaden anrichtet &#8211; nicht besonders heftig. Da kann man schon mal von Touchieren reden oder schreiben. Selbst in Polizeimeldungen kann ich das akzeptieren, wohl wissend, dass die <a href="https://pyrolim.de/pyrocontra/die-polizeiperson-befuhr-die-strassenkruemme/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Polizei ihr eigenes Deutsch pflegt</a>.</p>
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		<title>Journalismus: Warum ich mir handschriftliche Notizen mache</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Susanne]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Nov 2023 17:46:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[erlebt]]></category>
		<category><![CDATA[Pyropro]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktion]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="800" height="429" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/patrone.jpg" class="webfeedsFeaturedVisual wp-post-image" alt="" style="display: block; margin-bottom: 5px; clear:both;max-width: 100%;" link_thumbnail="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/patrone.jpg 800w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/patrone-150x80.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/patrone-768x412.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><p>Ich bin von der alten Schule. Als ich mit dem Journalismus begonnen habe, gab es noch Schreibmaschinen, die ersten Computer eroberten gerade die Büros. Seit dem ersten Tag im Beruf schreibe ich auf Terminen alles handschriftlich mit. Und werde es aus gutem Grund nicht ändern. So sind die Notizen am wertvollsten. Auslöser für diesen Text ist ein Post von @hspmauli bei Bluesky mit der Frage, ob jemand bei Regen den Regenschirm oder die Kapuze bevorzugt. Ich bin Team Kapuze. Wenn ich draußen auf Terminen bin &#8211; Unfälle, Richtfeste, beim Bauern auf dem Acker &#8211; muss ich die Hände freihaben. Für Block und Stift. Für die Kamera. Und neuerdings auch noch für das Handy, falls ein Video gedreht werden soll. Alles zwar nicht gleichzeitig, aber schnell hintereinander. Und da draußen selten ein Tisch steht, muss ich mit allem zwischen meinen Händen und den Jackentaschen jonglieren. Zum Glück hat die Kamera einen Gurt zum Umhängen. Wie soll ich bei all dem noch einen Schirm halten? Warum die Notizen nicht diktieren? In einem Kommentar empfahl mir ein Bluesky-Nutzer, doch meine Notizen ins iPhone zu diktieren. Klar, kann man machen. Ist aber unpraktisch. Aus mehreren Gründen. Wer zu viel aufnimmt, braucht hinterher zu viel Zeit, um sich alles anzuhören. Da Texte immer schneller publiziert werden müssen, ist das keine Option. Die Zeiten, in denen es reichte, die Artikel rechtzeitig vor dem Andruck fertig zu stellen, sind längst vorbei. Online lässt einem keine Zeit. Deshalb sind handschriftliche Notizen immer noch die beste Möglichkeit, schnell einen Artikel zu schreiben. Weil sich das Notierte kurzfristig gut ins Gehirn eingebrannt hat. Dass das so ist, belegen sogar Studien. Und weil ich beim Verfassen der Notizen bereits vorsortieren kann. Ich schreibe viel mit, aber nicht alles. Ich markiere wichtige Sätze so, dass ich sie schnell wiederfinde. Namen notiere ich in Schönschrift, damit es später keine Zweifel an der Schreibweise gibt. Wie soll das beim Sabbeln aufs Telefon gehen? Immer sofort alles aufschreiben Das wichtigste aber: Ich verfasse meine Artikel auswendig. Ich ziehe nicht den Block zurate, auf dem ich mir Notizen gemacht habe. Alles, was meine Hand aufs Papier geworfen hat, ist ja noch in meinem Kopf, siehe oben. Das funktioniert natürlich nur, wenn ich sofort nach dem Termin, nach dem Notieren, den Artikel verfasse. Aber das ist meistens so, und selbst wenn der Termin für die Veröffentlichung noch ein Stück entfernt liegt, schreibe ich immer sofort. Was weg ist, ist weg. Erledigt. Kann ich aus meinem Kopf streichen. Und dort Platz machen für neue Notizen beim nächsten Termin, der nächsten Recherche. Deshalb die Kapuze. Bei Regen empfiehlt es sich übrigens, die Notizen mit Bleistift zu schreiben. Kugelschreiber versagen bei Nässe, und was mit Tintenstiften passiert, kann sich jeder selbst vorstellen. Ansonsten bevorzuge ich Tintenstifte. Denn Kugelschreiber, zumal die Werbedinger, schreibe ich binnen Tagen leer. Und dann müssen sie weggeschmissen werden, weil man dafür keine Minen nachbekommt. Ich arbeite also so, wie ich es seit über 40 Jahren halte. Es hat sich für mich einfach bewährt, ist längst zur Schreibroutine geworden. Da können die Kollegen noch so eifrig in ihr Telefon sprechen oder sogar wie eine Kollegin ganze Sitzungen mit einem Tonband mitschneiden. Ich bleibe bei Block und (Blei)stift. Und bei Jacken mit Kapuze.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ich bin von der alten Schule. Als ich mit dem Journalismus begonnen habe, gab es noch Schreibmaschinen, die ersten Computer eroberten gerade die Büros. Seit dem ersten Tag im Beruf schreibe ich auf Terminen alles handschriftlich mit. Und werde es aus gutem Grund nicht ändern. So sind die Notizen am wertvollsten.</p>



<span id="more-13352"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Auslöser für diesen Text ist ein Post von <a href="http://@hspmauli.bsky.social" target="_blank" rel="noreferrer noopener">@hspmauli</a> bei Bluesky mit der Frage, ob jemand bei Regen den Regenschirm oder die Kapuze bevorzugt. Ich bin Team Kapuze. Wenn ich draußen auf Terminen bin &#8211; Unfälle, Richtfeste, beim Bauern auf dem Acker &#8211; muss ich die Hände freihaben. Für Block und Stift. Für die Kamera. Und neuerdings auch noch für das Handy, falls ein Video gedreht werden soll. Alles zwar nicht gleichzeitig, aber schnell hintereinander. Und da draußen selten ein Tisch steht, muss ich mit allem zwischen meinen Händen und den Jackentaschen jonglieren. Zum Glück hat die Kamera einen Gurt zum Umhängen. Wie soll ich bei all dem noch einen Schirm halten?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum die Notizen nicht diktieren?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Kommentar empfahl mir ein Bluesky-Nutzer, doch meine Notizen ins iPhone zu diktieren. Klar, kann man machen. Ist aber unpraktisch. Aus mehreren Gründen. Wer zu viel aufnimmt, braucht hinterher zu viel Zeit, um sich alles anzuhören. Da Texte immer schneller publiziert werden müssen, ist das keine Option. Die Zeiten, in denen es reichte, die Artikel rechtzeitig vor dem Andruck fertig zu stellen, sind längst vorbei. Online lässt einem keine Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb sind handschriftliche Notizen immer noch die beste Möglichkeit, schnell einen Artikel zu schreiben. Weil sich das Notierte kurzfristig gut ins Gehirn eingebrannt hat. Dass das so ist, <a href="https://www.quarks.de/gesellschaft/bildung/warum-es-sinnvoll-ist-mit-der-hand-zu-schreiben/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">belegen sogar Studien</a>. Und weil ich beim Verfassen der Notizen bereits vorsortieren kann. Ich schreibe viel mit, aber nicht alles. Ich markiere wichtige Sätze so, dass ich sie schnell wiederfinde. Namen notiere ich in Schönschrift, damit es später keine Zweifel an der Schreibweise gibt. Wie soll das beim Sabbeln aufs Telefon gehen?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Immer sofort alles aufschreiben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das wichtigste aber: Ich verfasse meine Artikel auswendig. Ich ziehe nicht den Block zurate, auf dem ich mir Notizen gemacht habe. Alles, was meine Hand aufs Papier geworfen hat, ist ja noch in meinem Kopf, siehe oben. Das funktioniert natürlich nur, wenn ich sofort nach dem Termin, nach dem Notieren, den Artikel verfasse. Aber das ist meistens so, und selbst wenn der Termin für die Veröffentlichung noch ein Stück entfernt liegt, schreibe ich immer sofort. Was weg ist, ist weg. Erledigt. Kann ich aus meinem Kopf streichen. Und dort Platz machen  für neue Notizen beim nächsten Termin, der nächsten Recherche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb die Kapuze. Bei Regen empfiehlt es sich übrigens, die Notizen mit Bleistift zu schreiben. Kugelschreiber versagen bei Nässe, und was mit Tintenstiften passiert, kann sich jeder selbst vorstellen. Ansonsten bevorzuge ich Tintenstifte. Denn Kugelschreiber, zumal die Werbedinger, schreibe ich binnen Tagen leer. Und dann müssen sie weggeschmissen werden, weil man dafür keine Minen nachbekommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"> Ich arbeite also so, wie ich <a href="https://pyrolim.de/pyropro/40-jahre-journalismus-mein-rueckblick/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">es seit über 40 Jahren halte</a>. Es hat sich für mich einfach bewährt, ist <a href="https://pyrolim.de/pyropro/schreibenueberdasschreiben-meine-routine-beim-schreiben/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">längst zur Schreibroutine geworden</a>. Da können die Kollegen noch so eifrig in ihr Telefon sprechen oder sogar wie eine Kollegin ganze Sitzungen mit einem Tonband mitschneiden. Ich bleibe bei Block und (Blei)stift. Und bei Jacken mit Kapuze. </p>



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		<title>Abo oder einzelner Artikel: die Dauerdebatte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Susanne]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Jun 2022 14:30:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[gedacht]]></category>
		<category><![CDATA[Pyropro]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="800" height="412" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/kurzen.jpg" class="webfeedsFeaturedVisual wp-post-image" alt="" style="display: block; margin-bottom: 5px; clear:both;max-width: 100%;" link_thumbnail="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/kurzen.jpg 800w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/kurzen-150x77.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/kurzen-768x396.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><p>Ich verdiene mein Geld mit Journalismus. Gutes Geld, ich kann nicht klagen. Und dennoch ärgere ich mich über die, die sich über Bezahlschranken ärgern. Mit schöner Regelmäßigkeit ploppt die Debatte darüber auf, warum Artikel mit gesellschaftlich relevanten Themen nicht kostenlos sind. Und gleich danach kommt die Klage über das Abo, das Online-Abonnement. So richtig klar geworden ist mir die Frechheit dieser Debatte an einem der ersten Sonntage in der Corona-Pandemie. Ich hatte meinen freien Sonntag drangegeben, um den ganzen Tag die neuesten Entwicklungen zu recherchieren und aufzuschreiben, um die Leser der Lübecker Nachrichten schnell und umfassend zu informieren. Und es ging Schlag auf Schlag. Die Situation änderte sich beinahe stündlich, und die Landesregierung gab alle paar Stunde neue Regeln heraus. Inseln wurden abgeriegelt, Kitas kurzfristig geschlossen, Schulschließungen diskutiert. Wichtig genug fürs Lesen ohne Abo? Mit den ersten Online-Texten waren die ersten Kommentare da. Warum hinter der Bezahlschranke? Warum nicht kostenlos bei so einem wichtigen Thema? Das ist eine Frechheit. Ihr denkt doch nur an den Profit. Die Wut kam langsam, aber unaufhaltsam. Leute, ich sitze hier am Sonntag, opfere meinen freien Tag, ackere wie verrückt, und ihr meckert darüber, dass diese Arbeit bezahlt werden soll. Wobei ich bei weitem nicht die Einzige war, die diesen Sonntag für ihre Leser opferte. Die Redaktion war gut besetzt. Aber es ist doch Pandemie! Ja und, verschenkt der Bäcker deshalb seine Brötchen? Gibt es jetzt überall etwas umsonst? Zumal die Informationen, die wir da aufbereiteten, anderswo, etwa auf der Seite der Landesregierung, kostenlos und frei abrufbar waren und bis heute sind. Wir Journalisten bereiten sie auf, ordnen sie ein, klären offene Fragen und machen daraus lesbare Texte. Die Ursprungsinformation gibt es anderswo, teils natürlich recht bürokratisch formuliert. Debatte um Bezahlschranke kommt immer wieder Die Pandemie steht mittlerweile nicht mehr so sehr im Fokus. Aber die Debatte um die Bezahlschranke geht weiter. Das Thema Corona ist inzwischen abgelöst worden durch andere gesellschaftlich relevante Themen, die laut dem Wunsch der Leser unbedingt frei lesbar sein sollten und keineswegs nur mit einem Abo. Wobei jeder ein anderes Thema als wichtig genug für diese privilegierte Stellung ansieht. Was da schon alles vorgetragen wurde. Das reicht vom Tierschutz bis zum Klimawandel. Gesellschaftlich relevante Themen sind schon immer in den Medien behandelt worden. In den Zeitungen konnten die Leute diese Artikel nur lesen, wenn sie die gedruckte Zeitung gekauft haben, entweder im Abo oder als einzelne Zeitung, etwa am Wochenende. Warum sollte das online anders sein? Ja, aber . . . höre ich schon. Und: Ich will doch nur einen einzelnen Artikel kaufen, kein Abonnement abschließen. Kann sein. Aber selbst in der gedruckten Zeitung konnte niemand nur einen einzelnen Artikel kaufen. Einzelartikel-Modell ist gescheitert Ich verstehe den Wunsch nach dem Kauf einzelner Artikel. Aber früher gab es auch keine einzelnen Artikel, und alle Versuche, das online einzuführen, sind gescheitert. Ich kann gut verstehen, dass jemand nicht für jede einzelne Zeitung ein Abonnement abschließen will oder kann, bloß weil ihn mal hier, mal da ein Artikel interessiert. Ja, dann verzichte eben auf diesen Artikel. Davon geht die Welt nicht unter. Ich halte es für sinnvoll, sich ein Abonnement für die eigene Lokalzeitung zu holen, um online informiert zu sein. Und wenn es dann mehr sein soll, dann noch ein Abo für eine überregionale Zeitung. Das müsste doch reichen. Und von mir selbst weiß ich, dass ein Text, den ich wegen eines fehlenden Abonnements nicht lesen konnte, schon morgen gar nicht mehr so wichtig war. Es gilt noch immer der alte Spruch: Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern. Egal ob auf Papier oder online. Kritiker der Bezahlschranke und des Abo-Modells sollten noch etwas bedenken: Wenn sie Journalismus nicht bezahlen, wird es bald keinen unabhängigen Journalismus mehr geben.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img width="800" height="412" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/kurzen.jpg" class="webfeedsFeaturedVisual wp-post-image" alt="" style="display: block; margin-bottom: 5px; clear:both;max-width: 100%;" link_thumbnail="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/kurzen.jpg 800w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/kurzen-150x77.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/kurzen-768x396.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" />
<p class="wp-block-paragraph">Ich verdiene mein Geld mit Journalismus. Gutes Geld, ich kann nicht klagen. Und dennoch ärgere ich mich über die, die sich über Bezahlschranken ärgern. Mit schöner Regelmäßigkeit ploppt die Debatte darüber auf, warum Artikel mit gesellschaftlich relevanten Themen nicht kostenlos sind. Und gleich danach kommt die Klage über das Abo, das Online-Abonnement.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">So richtig klar geworden ist mir die Frechheit dieser Debatte an einem der ersten Sonntage in der Corona-Pandemie. Ich hatte meinen freien Sonntag drangegeben, um den ganzen Tag die neuesten Entwicklungen zu recherchieren und aufzuschreiben, um die Leser der Lübecker Nachrichten schnell und umfassend zu informieren. Und es ging Schlag auf Schlag. Die Situation änderte sich beinahe stündlich, und die Landesregierung gab alle paar Stunde neue Regeln heraus. Inseln wurden abgeriegelt, Kitas kurzfristig geschlossen, Schulschließungen diskutiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wichtig genug fürs Lesen ohne Abo?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit den ersten Online-Texten waren die ersten Kommentare da. Warum hinter der Bezahlschranke? Warum nicht kostenlos bei so einem wichtigen Thema? Das ist eine Frechheit. Ihr denkt doch nur an den Profit. Die Wut kam langsam, aber unaufhaltsam. Leute, ich sitze hier am Sonntag, opfere meinen freien Tag, ackere wie verrückt, und ihr meckert darüber, dass diese Arbeit bezahlt werden soll. Wobei ich bei weitem nicht die Einzige war, die diesen Sonntag für ihre Leser opferte. Die Redaktion war gut besetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es ist doch Pandemie! Ja und, verschenkt der Bäcker deshalb seine Brötchen? Gibt es jetzt überall etwas umsonst? Zumal die Informationen, die wir da aufbereiteten, anderswo, etwa auf der Seite der Landesregierung, kostenlos und frei abrufbar waren und bis heute sind. Wir Journalisten bereiten sie auf, ordnen sie ein, klären offene Fragen und machen daraus lesbare Texte. Die Ursprungsinformation gibt es anderswo, teils natürlich recht bürokratisch formuliert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Debatte um Bezahlschranke kommt immer wieder</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Pandemie steht mittlerweile nicht mehr so sehr im Fokus. Aber die Debatte um die Bezahlschranke geht weiter. Das Thema Corona ist inzwischen abgelöst worden durch andere gesellschaftlich relevante Themen, die laut dem Wunsch der Leser unbedingt frei lesbar sein sollten und keineswegs nur mit einem Abo. Wobei jeder ein anderes Thema als wichtig genug für diese privilegierte Stellung ansieht. Was da schon alles vorgetragen wurde. Das reicht vom Tierschutz bis zum Klimawandel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gesellschaftlich relevante Themen sind schon immer in den Medien behandelt worden. In den Zeitungen konnten die Leute diese Artikel nur lesen, wenn sie die gedruckte Zeitung gekauft haben, entweder im Abo oder als einzelne Zeitung, etwa am Wochenende. Warum sollte das online anders sein? Ja, aber . . . höre ich schon. Und: Ich will doch nur einen einzelnen Artikel kaufen, kein Abonnement abschließen. Kann sein. Aber selbst in der gedruckten Zeitung konnte niemand nur einen einzelnen Artikel kaufen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Einzelartikel-Modell ist gescheitert</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verstehe den Wunsch nach dem Kauf einzelner Artikel. Aber früher gab es auch keine einzelnen Artikel, und alle Versuche, das online einzuführen, <a href="https://taz.de/Digitale-Geschaeftsmodelle/!5651662/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">sind gescheitert</a>. Ich kann gut verstehen, dass jemand nicht für jede einzelne Zeitung ein Abonnement abschließen will oder kann, bloß weil ihn mal hier, mal da ein Artikel interessiert. Ja, dann verzichte eben auf diesen Artikel. Davon geht die Welt nicht unter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich halte es für sinnvoll, sich ein Abonnement für die eigene Lokalzeitung zu holen, um online informiert zu sein. Und wenn es dann mehr sein soll, dann noch ein Abo für eine überregionale Zeitung. Das müsste doch reichen. Und von mir selbst weiß ich, dass ein Text, den ich wegen eines fehlenden Abonnements nicht lesen konnte, schon morgen gar nicht mehr so wichtig war. Es gilt noch immer der alte Spruch: Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern. Egal ob auf Papier oder online.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kritiker der Bezahlschranke und des Abo-Modells sollten noch etwas bedenken: Wenn sie Journalismus nicht bezahlen, <a href="https://mmm.verdi.de/medienwirtschaft/preisfrage-paid-content-3936" target="_blank" rel="noreferrer noopener">wird es bald keinen unabhängigen Journalismus mehr geben</a>. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://pyrolim.de/pyropro/abo-oder-einzelner-artikel-die-dauerdebatte/">Abo oder einzelner Artikel: die Dauerdebatte</a> erschien zuerst auf <a href="https://pyrolim.de">Pyrolirium</a>.</p>
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		<title>Rechte, Rechtsradikal, rechtextremistisch? &#8211; alles andere als egal</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Susanne]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Feb 2020 19:03:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[gedacht]]></category>
		<category><![CDATA[Pyrocontra]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="1632" height="1224" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/rechner2-1.jpg" class="webfeedsFeaturedVisual wp-post-image" alt="" style="display: block; margin-bottom: 5px; clear:both;max-width: 100%;" link_thumbnail="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/rechner2-1.jpg 1632w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/rechner2-1-150x113.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/rechner2-1-768x576.jpg 768w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/rechner2-1-1536x1152.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1632px) 100vw, 1632px" /><p>Wieder hat ein rechtextremistischer Anschlag Deutschland erschüttert. Diesmal wirklich, vorher waren die Erschütterungen für meinen Geschmack viel zu verhalten. Ich weiß nicht mehr über den Anschlag von Hanau als das, was ich in den Nachrichten sehe, höre oder lese. Deshalb kann und will ich nichts zum konkreten Fall sagen. Mir geht es um die Worte, mit denen über Rechte berichtet wird. Wir Journalisten haben schon vor Jahren und Jahrzehnten über echte oder angegliche rechte Anschläge geschrieben. Da war es noch einfach, die Rechten zu charakterisieren und zu beschreiben. Lange bevor die Rechten in Form der AfD wieder Boden gewannen und in die Parlamente einzogen, gab es nur zwei Gruppen von ihnen: die Rechtsradikalen und die Rechtsextremisten. Eselsbrücke zwischen radikal und extremistisch Die Unterscheidung war einfach: Rechtsradikale sind die, die nichts Illegales tun, Rechtsextremisten die, die Illegales tun. Meine Eselsbrücke dafür war ebenso einfach: Die Worte radikal und legal fangen mit einem Konsonanten an, die Wort extrem und illegal mit einem Vokal. Also alles sauber sortiert und offenbar sogar richtig. Die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt: &#8222;Radikale Strömungen verstoßen nicht zwangsläufig gegen die Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung.&#8220; Eine Unterscheidung, die längst aus meinem Kopf und offenbar auch aus dem Sprachgebrauch verschwunden ist. Mittlerweile gibt es beinahe mehr Wörter für Rechte als es Rechte gibt. Ich weiß, das ist leider übertrieben. Aber der Dschungel an Bezeichnungen für diese verachtenswerte und zu bekämpfende politische Gruppe ist beinahe kaum noch zu durchdringen. Nennt sie nicht Nazis Viele nennen sie Nazis. Ein Begriff, mit dem ich mich nicht anfreunden kann. Die Nazis, das waren die Nazis und nichts anderes. Die Herrscher von 1933 bis 1945. Heutige Rechtsextremisten als Nazis zu bezeichnen relativiert den Holocaust und die schlimmste deutsche Diktatur. Wenn schon Nazis, dann bitte Neonazis, aber dieses Wort ist immer seltener zu hören und zu lesen. Rechtspopulisten ist eines der Wörter, mit denen die neuen Rechten häufig belegt werden. Ein Teil von ihnen ist sicher in diese Kategorie einzuordnen, aber nicht alle. Für mein Verständnis sind Rechtspopulisten die, die dem Rechtsextremismus &#8211; nach obiger Definition &#8211; den Weg bereiten. Es sind die geistigen Brandstifter. Sie machen sich nicht die Hände schmutzig, sie schicken ihre schlagenden und mordenden Horden los. Früher nannte man sie Schreibtischtäter, obwohl sie Schreitäter heißen müssten. Rassismus als treibende Kraft Sie alle, ob Rechtsradikale, Rechtsextremisten oder Rechtspopulisten Rassisten zu nennen, ist nicht falsch. Der Rassismus ist die treibende Kraft hinter ihren Worten und Taten. Das zeigt Hanau. Aber sie sind auch Antisemiten, Antidemokraten und vieles mehr. Alles Wörter, die nur einen Teil dessen benennen, um das es geht. Um Rechtsterrorismus. Nichts anderes ist der Anschlag von Hanau gewesen. Eine Tat, nicht nur um zu morden, sondern auch um Angst zu schüren. Wir Journalisten sollten unsere Worte genau wägen, wenn wir über alle diese menschenverachtenden Spielarten berichten. Ich plädiere dafür, die alte Unterscheidung zwischen Rechtsradikalen und Rechtsextremisten wieder mehr zu nutzen, diese Wörter zurück in den Diskurs zu bringen, weil sie sachlich, distanziert und dennoch deutlich sind. Wir sollten aufpassen, uns und unsere Leser nicht über Wörter instrumentalisieren zu lassen. Respektvoll über Opfer schreiben Vor allem aber sollten wir unsere Ausdrücke genau wählen, wenn wir über die Opfer berichten. Ich musste mich heute mehrfach für meine Zunft schämen. Ein ganz schlimmes Beispiel für überbordende und dabei fachlich mangelhafte Berichterstattung lieferte Bild-TV. Der Focus schrieb in seiner Schlagzeile von Shisha-Morden. Völlig daneben. Ebenso verkehrt ist es, in diesem Fall davon zu sprechen, der Mörder habe sich seine Opfer wahllos ausgesucht. Hat er nicht. Er war von seinem Rassismus getrieben und hat gezielt Menschen erschossen, die einen sogenannten Migrationshintergrund haben &#8211; auch so eine verquaste Bezeichnung, für die mir aber gerade keine passende Alternative einfällt. Daneben gegriffen haben auch die Journalisten, die vor allem am Vormittag immer wieder von einer Schießerei sprachen oder schrieben. Bei einer Schießerei schießen beide Seiten. In Hanau wurden Menschen ermordet. Wäre der Begriff nicht durch seinen Kontext von staatlicher Gewalt belegt, könnte man von Hinrichtung sprechen. Es sind keine Fremden Und noch ein Begriff, den ich falsch finde. Immer wieder ist von Fremdenfeindlichkeit als Motiv für den Täter von Hanau die Rede. Wie kann er fremdenfeindlich sein, wenn seine Opfer keine Fremden in diesem Land sind? Es sind Menschen, die hier seit Generationen leben, die hier eine Existenz, Familien, Nachbarn, Freunde haben. Sie sind keine Fremden, sie sind Deutsche oder in Deutschland lebende Menschen. Deshalb ist Rassismus hier das einzig richtige Wort. Achten wir also auf unsere Worte, denn auch Worte können nicht nur verletzten, sondern auch zu Hass und Mord aufstacheln. Gerade wir Journalisten sollten genau bedenken, wie wir schreiben, denn unsere Breitenwirkung ist groß und vieles wirkt nur unterschwellig. Natürlich sind wir, auch wenn wir von Berufs wegen professionell mit Worten umgehen, nicht unfehlbar. Ich habe heute vieles dazu gelernt, um solche Fehler zu vermeiden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://pyrolim.de/pyropro/gedacht/rechte-rechtsradikal-rechtextremistisch-alles-andere-als-egal/">Rechte, Rechtsradikal, rechtextremistisch? &#8211; alles andere als egal</a> erschien zuerst auf <a href="https://pyrolim.de">Pyrolirium</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img width="1632" height="1224" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/rechner2-1.jpg" class="webfeedsFeaturedVisual wp-post-image" alt="" style="display: block; margin-bottom: 5px; clear:both;max-width: 100%;" link_thumbnail="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/rechner2-1.jpg 1632w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/rechner2-1-150x113.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/rechner2-1-768x576.jpg 768w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/rechner2-1-1536x1152.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1632px) 100vw, 1632px" />
<p class="wp-block-paragraph">Wieder hat ein rechtextremistischer Anschlag Deutschland erschüttert. Diesmal wirklich, vorher waren die Erschütterungen für meinen Geschmack viel zu verhalten. Ich weiß nicht mehr über den Anschlag von Hanau als das, was ich in den Nachrichten sehe, höre oder lese. Deshalb kann und will  ich nichts zum konkreten Fall sagen. Mir geht es um die Worte, mit denen über Rechte berichtet wird. </p>



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<p class="wp-block-paragraph">Wir Journalisten haben schon vor Jahren und <a rel="noreferrer noopener" aria-label="Jahrzehnten (opens in a new tab)" href="https://pyrolim.de/pyrocontra/zehn-fluechtlinge-starben-20-jahre-brand-an-der-luebecker-hafenstrasse/" target="_blank">Jahrzehnten</a> über echte oder angegliche rechte Anschläge geschrieben. Da war es noch einfach, die Rechten zu charakterisieren und zu beschreiben. Lange bevor die Rechten in Form der AfD wieder Boden gewannen und in die Parlamente einzogen, gab es nur zwei Gruppen von ihnen: die Rechtsradikalen und die Rechtsextremisten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eselsbrücke zwischen radikal und extremistisch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Unterscheidung war einfach: <strong>Rechtsradikale</strong> sind die, die nichts Illegales tun, <strong>Rechtsextremisten</strong> die, die Illegales tun. Meine <a href="https://pyrolim.de/pyropro/eselsbruecke-geh-du-alter-esel-ueber-die-bruecke/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Eselsbrücke  (opens in a new tab)">Eselsbrücke </a>dafür war ebenso einfach: Die Worte radikal und legal fangen mit einem Konsonanten an, die Wort extrem und illegal mit einem Vokal. Also alles sauber sortiert und offenbar sogar richtig. Die <a rel="noreferrer noopener" aria-label="Bundeszentrale für politische Bildung schreibt: (opens in a new tab)" href="https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/41312/was-ist-rechtsextrem?p=1" target="_blank">Bundeszentrale für politische Bildung schreibt:</a> &#8222;Radikale Strömungen verstoßen nicht zwangsläufig gegen die Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Unterscheidung, die längst aus meinem Kopf und offenbar auch aus dem Sprachgebrauch verschwunden ist. Mittlerweile gibt es beinahe mehr Wörter für Rechte als es Rechte gibt. Ich weiß, das ist leider übertrieben. Aber der Dschungel an Bezeichnungen für diese verachtenswerte und zu bekämpfende politische Gruppe ist beinahe kaum noch zu durchdringen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nennt sie nicht Nazis</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Viele nennen sie <strong>Nazis</strong>. Ein Begriff, mit dem ich mich nicht anfreunden kann. Die Nazis, das waren die Nazis und nichts anderes. Die Herrscher von 1933 bis 1945. Heutige Rechtsextremisten als Nazis zu bezeichnen relativiert den Holocaust und die schlimmste deutsche Diktatur. Wenn schon Nazis, dann bitte Neonazis, aber dieses Wort ist immer seltener zu hören und zu lesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Rechtspopulisten</strong> ist eines der Wörter, mit denen die neuen Rechten häufig belegt werden. Ein Teil von ihnen ist sicher in diese Kategorie einzuordnen, aber nicht alle. Für mein Verständnis sind Rechtspopulisten die, die dem Rechtsextremismus &#8211; nach obiger Definition &#8211; den Weg bereiten. Es sind die <strong>geistigen Brandstifter</strong>. Sie machen sich nicht die Hände schmutzig, sie schicken ihre schlagenden und mordenden Horden los. Früher nannte man sie Schreibtischtäter, obwohl sie Schreitäter heißen müssten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Rassismus als treibende Kraft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sie alle, ob Rechtsradikale, Rechtsextremisten oder Rechtspopulisten <strong>Rassisten</strong> zu nennen, ist nicht falsch. Der Rassismus ist die treibende Kraft hinter ihren Worten und Taten. Das zeigt Hanau. Aber sie sind auch Antisemiten, Antidemokraten und vieles mehr. Alles Wörter, die nur einen Teil dessen benennen, um das es geht. Um <strong>Rechtsterrorismus</strong>. Nichts anderes ist der Anschlag von Hanau gewesen. Eine Tat, nicht nur um zu morden, sondern auch um Angst zu schüren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir Journalisten sollten unsere Worte genau wägen, wenn wir über alle diese menschenverachtenden Spielarten berichten. Ich plädiere dafür, die alte Unterscheidung zwischen Rechtsradikalen und Rechtsextremisten wieder mehr zu nutzen, diese Wörter zurück in den Diskurs zu bringen, weil sie sachlich, distanziert und dennoch deutlich sind. Wir sollten aufpassen, uns und unsere Leser nicht über Wörter instrumentalisieren zu lassen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Respektvoll über Opfer schreiben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vor allem aber sollten wir unsere Ausdrücke genau wählen, wenn wir über die Opfer berichten. Ich musste mich heute mehrfach für meine Zunft schämen. Ein<a rel="noreferrer noopener" aria-label=" ganz schlimmes Beispiel (opens in a new tab)" href="https://uebermedien.de/46385/morde-im-milieu-was-bild-ueber-hanau-spekulierte/" target="_blank"> ganz schlimmes Beispiel</a> für überbordende und dabei fachlich mangelhafte Berichterstattung lieferte Bild-TV. Der Focus schrieb in seiner Schlagzeile von <a rel="noreferrer noopener" aria-label="Shisha-Morden (opens in a new tab)" href="https://twitter.com/nsuwatch/status/1230449234337566720/photo/1" target="_blank">Shisha-Morden</a>. Völlig daneben. </p>



<figure class="wp-block-embed-twitter wp-block-embed is-type-rich is-provider-twitter"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true"><p lang="de" dir="ltr">&quot;Shisha-Morde&quot; ist genauso ein grundverkehrter Begriff wie damals &quot;Döner-Morde&quot; beim <a href="https://twitter.com/hashtag/NSU?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#NSU</a>. Er entmenschlicht die Opfer und verdeckt das wahre Ausmaß dieser grausamen Tat: ein rechtsterroristischer und rassistischer Massenmord. Mitten in Deutschland. <a href="https://twitter.com/hashtag/Hanau?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Hanau</a></p>&mdash; Ali Baş (@alibas76) <a href="https://twitter.com/alibas76/status/1230530944588820481?ref_src=twsrc%5Etfw">February 20, 2020</a></blockquote><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>
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<p class="wp-block-paragraph">Ebenso verkehrt ist es, in diesem Fall davon zu sprechen, der Mörder habe sich seine Opfer <strong>wahllos </strong>ausgesucht. Hat er nicht. Er war von seinem Rassismus getrieben und hat gezielt Menschen erschossen, die einen sogenannten Migrationshintergrund haben &#8211; auch so eine verquaste Bezeichnung, für die mir aber gerade keine passende Alternative einfällt.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Daneben gegriffen haben auch die Journalisten, die vor allem am Vormittag immer wieder von einer <strong>Schießerei</strong> sprachen oder schrieben. Bei einer Schießerei schießen beide Seiten. In Hanau wurden Menschen ermordet. Wäre der Begriff nicht durch seinen Kontext von staatlicher Gewalt belegt, könnte man von <a href="https://pyrolim.de/pyrocontra/das-schicksal-des-james-foley-hingerichtet-oder-ermordet/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Hinrichtung (opens in a new tab)">Hinrichtung</a> sprechen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Es sind keine Fremden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und noch ein Begriff, den ich falsch finde. Immer wieder ist von <strong>Fremdenfeindlichkeit</strong> als Motiv für den Täter von Hanau die Rede. Wie kann er fremdenfeindlich sein, wenn seine Opfer keine Fremden in diesem Land sind? Es sind Menschen, die hier seit Generationen leben, die hier eine Existenz, Familien, Nachbarn, Freunde haben. Sie sind keine Fremden, sie sind Deutsche oder in Deutschland lebende Menschen. Deshalb ist Rassismus hier das einzig richtige Wort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Achten wir also auf unsere Worte, denn auch Worte können nicht nur verletzten, sondern auch zu Hass und Mord aufstacheln. Gerade wir Journalisten sollten genau bedenken, wie wir schreiben, denn unsere Breitenwirkung ist groß und vieles wirkt nur unterschwellig. Natürlich sind wir, auch wenn wir von Berufs wegen professionell mit Worten umgehen, nicht unfehlbar. Ich habe heute vieles dazu gelernt, um solche Fehler zu vermeiden.</p>
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