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	<title>Rezension Archive - Pyrolirium</title>
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	<title>Rezension Archive - Pyrolirium</title>
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		<title>Rezension: &#8222;Wut und Wertung&#8220; von Johannes Franzen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Susanne]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Jan 2025 11:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="800" height="521" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Franzen-titel.jpg" class="webfeedsFeaturedVisual wp-post-image" alt="" style="display: block; margin-bottom: 5px; clear:both;max-width: 100%;" link_thumbnail="" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Franzen-titel.jpg 800w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Franzen-titel-150x98.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Franzen-titel-768x500.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><p>Johannes Franzen hat mit &#8222;Wut und Wertung&#8220; eine Untersuchung darüber vorgelegt, warum wir über Kunst streiten. Am Ende gibt er eine überraschende Antwort. Eins vorweg: Ich bin keine Heidegger-Kennerin. Und habe deshalb gleich nach wenigen Seiten naseweis moniert, dass ein Satz im Buch „Wut und Wertung“ von Johannes Franzen offenbar einen Druckfehler enthält. „Und so entbergen diese Fälle . . .“ Entbergen? Nie gehört. Und ich dachte immer, mir könne in Sachen Sprache niemand mehr etwas vormachen. Entbergen heißt, etwas zeigen, zum Vorschein bringen, und wird offenbar oft mit dem Philosophen Martin Heidegger verbunden. Nachdem ich über den Berg des Entbergens gegangen bin, habe ich „Wut und Wertung“ verschlungen. Für jeden, der sich nur ein Fitzelchen für Kultur interessiert, egal ob klassische oder moderne oder Pop- und Fankultur, ist es eines der erhellendsten Sachbücher der vergangenen Wochen, wenn nicht Monate oder Jahre. Untertitel: „Warum wir über Geschmack streiten“. Oder wie es der Autor formuliert: „Warum hassen wir bestimmte Kunstwerke (Songs, Bücher, Filme, Games etc.)?“ Kleiner Exkurs: Ich hasse „Gott erhalte Franz den Kaiser“ oder genauer das von Haydn 1797 vertonte Gedicht, das der Komponist als für mich nerviges Streichquartett in D-Dur ausgeführt hat. Die Melodie kennen alle, es ist die der deutschen Nationalhymne. Das Quartett ist für mich schwer zu ertragen. Sollte es jemand brillant finden, könnte ich wütend darauf reagieren. Ein Angriff auf uns selbst Und genau mit dieser Reaktion steigt Franzen in das erste Kapitel seines Buches ein. Stell dir vor, du bist auf einer Party und es wird über Filme diskutiert. Du nennst begeistert einen Lieblingsfilm und alle machen deutlich, dass du damit völlig falsch liegst und keine Ahnung hast. Ein Angriff auf unsere Kunst ist immer auch ein Angriff auf uns selbst. Das ist eine der Kernthesen des Buches. Vom Szenario der Filmdebatte auf der Party aus entwickelt Franzen auf 402 Seiten, wie Wut und Wertung schon immer und seit der Digitalisierung noch viel heftiger die Sicht auf Kunst und Kultur bestimmen. Dabei legt er leicht nachvollziehbar das dar, was viele von uns schon immer unbewusst wussten, aber nie so deutlich ausgesprochen oder niedergeschrieben haben. Welche Mechanismen wirkten und wirken, wie über Jahrhunderte erst das Publikum diszipliniert und heutzutage die Künstler und die Rezipienten von Fandoms und Shitstorms beeinflusst werden. Welche damit sogar die professionelle Kritik herausfordern. Jeder kennt die Erzählungen, wie die Zuhörer einst in den Opernhäusern während der Aufführungen gegessen und geredet haben. Und heute: weihevolle Stille vom ersten Moment bis zum letzten. Jeder weiß, wann er im Konzertsaal nicht klatschen darf (nicht zwischen den Sätzen). Hier hat das Kunstparadigma gewirkt, dem Franzen eine ausführliche Darstellung widmet. Hochkultur versus Massengeschmack Es ist die Klassifizierung zwischen Hochkultur und Massengeschmack. Hochkultur will erarbeitet und nicht (nur) genossen werden. Nur Eingeweihte können sie angemessen rezipieren. Und sie muss gegen erfolgreiche Nicht-Kunst verteidigt werden. Nicht das einzige Werkzeug zur Disziplinierung des Publikums. Da sind noch der Kanon und die Schullektüre. Franzens Ausführungen zum Mega-Langweiler „Effie Briest“ von Fontane sind genauso vergnüglich zu lesen wie seine anderen Beispiele. Irgendwo dort findet sich beinahe jeder Leser in der Fülle der aufgeführten Konflikte und Skandale wieder. Dem Elitären folgt die digitale Gegenwart, die einen Großteil des Buches einnimmt. Nicht nur bei im Netz empört verrissener Schullektüre &#8211; „Scheiß drecks Gedicht!“ -, sondern bei Fan-Armeen, der Frage, wer Kultur bewerten darf oder kann bis hin zur Debatte um J. K. Rowlings transphobe Äußerungen und der öffentlichen Reaktion darauf. Franzen macht weder vor Lindemann noch vor Layla halt. Plötzlich haben sich die Machtverhältnisse umgekehrt. Nicht mehr die Hochkultur und ihre Verfechter maßregeln die Rezipienten, sondern das Publikum redet bei der Bewertung von Kunst und Kultur ein gehöriges Wörtchen mit. Was mitunter schwerwiegende Folgen hat. Franzen enthält sich der Wertung Franzen führt für alle seine Thesen viele Beispiele an, nennt Künstler, Werke, Filme, Videospiele. Nicht jeder Leser wird alle kennen, aber für jeden sind welche dabei, von denen er sofort eine Vorstellung hat. Und sei es nur die musikalische Umweltverschmutzung im Supermarkt. Aus diesen Beispielen heraus entwickelt der Autor seine Thesen. Er schreibt verständlich und quält seine Leser meistens nicht mit Fachausdrücken – mal abgesehen vom Entbergen – und Bandwurmsätzen. Nur manchmal schlägt bei seinem Schreibstil doch der Wissenschaftler durch. Und Franzen vermeidet es, selbst Stellung zu beziehen in den Kulturdebatten, die er erzählt. Dafür weist er immer wieder darauf hin, worum es letztlich geht: Emotionen. Die löst nur wahre Kunst aus und nicht die, die zur wahren Kunst erklärt wird. Knackige Kapitelüberschriften wie „Kitsch und Ekel“ oder „Der nervigste Song aller Zeiten“ machen stets Lust aufs Weiterlesen. Ich kann Johannes Franzen nur wünschen, dass möglichst viele Leser das Buch in die Hand nehmen, um es mit Spaß zu lesen. Denn Kunst und Kultur haben einen schweren Stand. Das weiß ich aus meiner alltäglichen journalistischen Arbeit und das kommt nur ganz nebenbei auch im Buch von Franzen vor. Text über Theater und Oper wären aufgrund mangelnder Klicks in Gefahr, immer mehr aus dem Online-Angebot von Zeitungen und Zeitschriften zu verschwinden. „Das klickt nicht“ höre ich selbst oft genug und kann diese Klage nachvollziehen. Die Antwort auf die Kernfrage Ich wünsche Johannes Franzen, dass sein Buch kräftig klickt. Und dass es bei seinen Lesern ebenso oft Klick macht wie bei mir. „Wut und Wertung“* hat mir viel Freude gemacht und Erkenntnis gebracht und ist bereits ein Lieblingsbuch geworden. Am Ende beantwortet er dann noch die Frage, warum wir über Kunst streiten: „Weil es so viel Spaß macht!“ *Amazon-Link</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://pyrolim.de/pyropro/rezension-wut-und-wertung-von-johannes-franzen/">Rezension: &#8222;Wut und Wertung&#8220; von Johannes Franzen</a> erschien zuerst auf <a href="https://pyrolim.de">Pyrolirium</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Johannes Franzen hat mit &#8222;Wut und Wertung&#8220; eine Untersuchung darüber vorgelegt, warum wir über Kunst streiten. Am Ende gibt er eine überraschende Antwort.</p>



<span id="more-13967"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Eins vorweg: Ich bin keine Heidegger-Kennerin. Und habe deshalb gleich nach wenigen Seiten naseweis moniert, dass ein Satz im Buch „Wut und Wertung“ von Johannes Franzen offenbar einen Druckfehler enthält. „Und so entbergen diese Fälle . . .“ Entbergen? Nie gehört. Und ich dachte immer, mir könne in Sachen Sprache niemand mehr etwas vormachen. Entbergen heißt, etwas zeigen, zum Vorschein bringen, und wird offenbar <a href="http://cartoon.iguw.tuwien.ac.at/christian/technsoz/heidegger.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">oft mit dem Philosophen Martin Heidegger verbunden</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich über den Berg des Entbergens gegangen bin, habe ich „Wut und Wertung“ verschlungen. Für jeden, der sich nur ein Fitzelchen für Kultur interessiert, egal ob klassische oder moderne oder Pop- und Fankultur, ist es eines der erhellendsten Sachbücher der vergangenen Wochen, wenn nicht Monate oder Jahre. Untertitel: „Warum wir über Geschmack streiten“. Oder wie es der Autor formuliert: „Warum hassen wir bestimmte Kunstwerke (Songs, Bücher, Filme, Games etc.)?“</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="728" height="993" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Johannes-Franzen.jpg" alt="Johannes Franzen hat mit &quot;Wut und Wertung&quot; ein erhellendes Buch vorgelegt. Foto: Marion Koell" class="wp-image-13968" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Johannes-Franzen.jpg 728w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Johannes-Franzen-110x150.jpg 110w" sizes="(max-width: 728px) 100vw, 728px" /><figcaption class="wp-element-caption">Johannes Franzen hat mit &#8222;Wut und Wertung&#8220; ein erhellendes Buch vorgelegt. Foto: Marion Koell</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Kleiner Exkurs: Ich hasse „Gott erhalte Franz den Kaiser“ oder genauer das von Haydn 1797 vertonte Gedicht, das der Komponist als für mich nerviges Streichquartett in D-Dur ausgeführt hat. Die Melodie kennen alle, es ist die der deutschen Nationalhymne. Das Quartett ist für mich schwer zu ertragen. Sollte es jemand brillant finden, könnte ich wütend darauf reagieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Angriff auf uns selbst</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und genau mit dieser Reaktion steigt Franzen in das erste Kapitel seines Buches ein. Stell dir vor, du bist auf einer Party und es wird über Filme diskutiert. Du nennst begeistert einen Lieblingsfilm und alle machen deutlich, dass du damit völlig falsch liegst und keine Ahnung hast. Ein Angriff auf unsere Kunst ist immer auch ein Angriff auf uns selbst. Das ist eine der Kernthesen des Buches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vom Szenario der Filmdebatte auf der Party aus entwickelt Franzen auf 402 Seiten, wie Wut und Wertung schon immer und seit der Digitalisierung noch viel heftiger die Sicht auf Kunst und Kultur bestimmen. Dabei legt er leicht nachvollziehbar das dar, was viele von uns schon immer unbewusst wussten, aber nie so deutlich ausgesprochen oder niedergeschrieben haben. Welche Mechanismen wirkten und wirken, wie über Jahrhunderte erst das Publikum diszipliniert und heutzutage die Künstler und die Rezipienten von Fandoms und Shitstorms beeinflusst werden. Welche damit sogar die professionelle Kritik herausfordern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jeder kennt die Erzählungen, wie die Zuhörer einst in den Opernhäusern während der Aufführungen gegessen und geredet haben. Und heute: weihevolle Stille vom ersten Moment bis zum letzten. Jeder weiß, wann er <a href="https://pyrolim.de/pyropro/applaus-und-akkord/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">im Konzertsaal nicht klatschen darf</a> (nicht zwischen den Sätzen). Hier hat das Kunstparadigma gewirkt, dem Franzen eine ausführliche Darstellung widmet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hochkultur versus Massengeschmack</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist die Klassifizierung zwischen Hochkultur und Massengeschmack. Hochkultur will erarbeitet und nicht (nur) genossen werden. Nur Eingeweihte können sie angemessen rezipieren. Und sie muss gegen erfolgreiche Nicht-Kunst verteidigt werden. Nicht das einzige Werkzeug zur Disziplinierung des Publikums. Da sind noch der Kanon und die Schullektüre. Franzens Ausführungen zum Mega-Langweiler „Effie Briest“ von Fontane sind genauso vergnüglich zu lesen wie seine anderen Beispiele. Irgendwo dort findet sich beinahe jeder Leser in der Fülle der aufgeführten Konflikte und Skandale wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem Elitären folgt die digitale Gegenwart, die einen Großteil des Buches einnimmt. Nicht nur bei im Netz empört verrissener Schullektüre &#8211; „Scheiß drecks Gedicht!“ -, sondern bei Fan-Armeen, der Frage, wer Kultur bewerten darf oder kann bis hin zur Debatte um J. K. Rowlings transphobe Äußerungen und der öffentlichen Reaktion darauf. Franzen macht weder vor Lindemann noch vor Layla halt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich haben sich die Machtverhältnisse umgekehrt. Nicht mehr die Hochkultur und ihre Verfechter maßregeln die Rezipienten, sondern das Publikum redet bei der Bewertung von Kunst und Kultur ein gehöriges Wörtchen mit. Was mitunter schwerwiegende Folgen hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Franzen enthält sich der Wertung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Franzen führt für alle seine Thesen viele Beispiele an, nennt Künstler, Werke, Filme, Videospiele. Nicht jeder Leser wird alle kennen, aber für jeden sind welche dabei, von denen er sofort eine Vorstellung hat. Und sei es nur die musikalische Umweltverschmutzung im Supermarkt. Aus diesen Beispielen heraus entwickelt der Autor seine Thesen. Er schreibt verständlich und quält seine Leser meistens nicht mit Fachausdrücken – mal abgesehen vom Entbergen – und Bandwurmsätzen. Nur manchmal schlägt bei seinem Schreibstil doch der Wissenschaftler durch. Und Franzen vermeidet es, selbst Stellung zu beziehen in den Kulturdebatten, die er erzählt. Dafür weist er immer wieder darauf hin, worum es letztlich geht: Emotionen. Die löst nur wahre Kunst aus und nicht die, die zur wahren Kunst erklärt wird.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="520" height="800" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Franzen-Buch.jpg" alt="&quot;Wut und Wertung&quot;, das Buch von Johannes Franzen." class="wp-image-13973" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Franzen-Buch.jpg 520w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Franzen-Buch-98x150.jpg 98w" sizes="(max-width: 520px) 100vw, 520px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#8222;Wut und Wertung&#8220;, das Buch von Johannes Franzen.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Knackige Kapitelüberschriften wie „Kitsch und Ekel“ oder „Der nervigste Song aller Zeiten“ machen stets Lust aufs Weiterlesen. Ich kann Johannes Franzen nur wünschen, dass möglichst viele Leser das Buch in die Hand nehmen, um es mit Spaß zu lesen. Denn Kunst und Kultur haben einen schweren Stand. Das weiß ich aus meiner alltäglichen journalistischen Arbeit und das kommt nur ganz nebenbei auch im Buch von Franzen vor. Text über Theater und Oper wären aufgrund mangelnder Klicks in Gefahr, immer mehr aus dem Online-Angebot von Zeitungen und Zeitschriften zu verschwinden. „Das klickt nicht“ höre ich selbst oft genug und kann diese Klage nachvollziehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Antwort auf die Kernfrage</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünsche Johannes Franzen, dass sein Buch kräftig klickt. Und dass es bei seinen Lesern ebenso oft Klick macht wie bei mir. <a href="https://amzn.to/4j4mP2g" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Wut und Wertung“</a>* hat mir viel Freude gemacht und Erkenntnis gebracht und ist bereits ein Lieblingsbuch geworden. Am Ende beantwortet er dann noch die Frage, warum wir über Kunst streiten: „Weil es so viel Spaß macht!“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>*Amazon-Link</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://pyrolim.de/pyropro/rezension-wut-und-wertung-von-johannes-franzen/">Rezension: &#8222;Wut und Wertung&#8220; von Johannes Franzen</a> erschien zuerst auf <a href="https://pyrolim.de">Pyrolirium</a>.</p>
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		<title>Rezension: Handbuch Presse- und Medienarbeit im Krisenstab</title>
		<link>https://pyrolim.de/pyropro/rezension-handbuch-presse-und-medienarbeit-im-krisenstab/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Susanne]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Jul 2020 09:17:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[gelesen]]></category>
		<category><![CDATA[Pyropro]]></category>
		<category><![CDATA[Feuerwehr]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[<img width="800" height="600" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/jan.jpg" class="webfeedsFeaturedVisual wp-post-image" alt="" style="display: block; margin-bottom: 5px; clear:both;max-width: 100%;" link_thumbnail="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/jan.jpg 800w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/jan-150x113.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/jan-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><p>Ich habe jahrelang als Polizeireporterin gearbeitet und tue es heute noch manchmal. Ich weiß, wie gute Pressearbeit von sogenannten BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben), also der Blaulicht-Fraktion, aussehen sollte. Viele Dinge, die ich mir immer gewünscht und die ich über Jahre gepredigt habe, sind jetzt in einem Handbuch zusammengefasst. Es ist das &#8222;Handbuch Presse- und Medienarbeit im Krisenstab&#8220; von Jan Müller-Tischer. Da schreibt einer von der anderen Seite über Pressearbeit im Angesicht von Krisen jeder Art. Ob Großfeuer, Amoklauf, Hochwasser oder Corona, ob kurzes Ereignis oder über mehrere Tage oder gar Wochen dauernde Krise: Presse- und Medienarbeit von Krisenstäben, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten, eventuell auch Bundeswehr, ist heutzutage gefragter denn je. Weil die Zahl der Sender stetig steigt, und damit sind nicht nur Radio- und Fernsehsender gemeint. Waren es früher nur klassische Medien, die bedient werden wollten und mussten, so kommt heute Social Media hinzu. Andere Mittel der Öffentlichkeitsarbeit in Krisen &#8211; Stichwort Sirene &#8211; haben dagegen zunehmend an Bedeutung verloren. Auf den Punkt geschrieben Alles das arbeitet Jan Müller-Tischer in seinem bewusst knapp gehaltenen Handbuch heraus. Es ist schnell gelesen, weil alles, was er schreibt, auf den Punkt kommt. Er fabuliert nicht lange drumherum, schenkt sich verschnörkelte Phrasen und ausführliche Anleitungen. Stattdessen gibt er kurz und knapp die wichtigsten Informationen. Ein Handbuch also im besten Sinne. Dennoch hat mir der Kopf geschwirrt. Beim Lesen habe ich immer mal den Überblick verloren, was der behördenintern so genannte S5 alles leisten muss. Früher hieß der einfach Pressesprecher und war meistens ein Einzelkämpfer. Ich kann mich noch gut an die großen Lagen meiner Polizeireporterzeit in den 90er-Jahren erinnern. Etwa daran, wie der damalige Polizeisprecher Bernd T. (einer der besten, die es je gab) nachts auf verregneter Straße stehend alle neugierigen Pressevertreter zufriedenstellen musste. Dabei wurde er misstrauisch von seinem Chef beäugt, dass er bloß nicht mehr sagt als unbedingt nötig. Es geht nur im Team Inzwischen, das macht Jan Müller-Tischer deutlich, ist die Vielfalt der Aufgaben zwischen Pressearbeit, internen Abstimmungen, Social Media und den vielen unterschiedlichen virtuellen Schauplätzen der Arbeit kaum noch von einem alleine zu bewältigen. Schon gar nicht nachts irgendwo vor einem brennenden Haus. Und so ist der S5 folgerichtig der Leiter eines ganzen Pressestabes, erst recht in großen Krisensituationen. Müller-Tischer hat sein Buch in zwei Teile gegliedert: die klassische Pressearbeit und von ihm so genannte direkte Kommunikation via Bürgertelefon oder Social Media. Der erste Teil hat mich als Konsumentin von behördlicher Pressearbeit natürlich besonders interessiert. Da steht tatsächlich alles drin, was ich mir immer gewünscht habe. Kleines Beispiel: In einem von mir verfassten Handout für Pressesprecher jeder Art habe ich zum Thema Pressekonferenz geschrieben, dass diese bei Themen mit großem Medieninteresse angesetzt werden sollten. Dabei habe ich den Hinweis aufgenommen, dass ein Vorlauf von eineinhalb bis zwei Stunden einzuhalten sei, um den Pressevertretern die Anreise zu ermöglichen. Wer spricht da? Was mir nicht bewusst war und was mir das das Buch vor Augen geführt hat: Auch diejenigen, die solche Pressekonferenzen organisieren, brauchen diesen Vorlauf. Akribisch listet Jan Müller-Tischer auf, was dazu gehört. Das reicht von der Entscheidung, wer sprechen soll, bis zur Raumwahl, der Technik und dem Termin. Er hat an fast alles gedacht. Nur einen Hinweis habe ich vermisst: Dass vor jedem Sprecher ein Schild mit Name, Vorname und Funktion stehen sollte. Die meisten, vor allem die angeblich oder wirklich wichtigen Menschen, neigen dazu, davon auszugehen, dass jeder wisse, wer sie sind. Sie stellen sich nicht vor, reden einfach los. Wie oft habe ich schon in einer Pressekonferenz oder einem Pressegespräch gesessen und gedacht: Wer zum Teufel ist das da vorne? Der praktische Ansatz, der beim Thema Pressekonferenz deutlich wird, zieht sich durch das ganze Buch. Das alles in erfrischender und gegenüber der Presse auch wohlmeinender Sachlichkeit. So findet sich unter der Überschrift &#8222;Typen von Pressevertretern&#8220; nicht wie von mir zunächst erwartet eine Einteilung in Anfänger, Besserwisser und alte Hasen, sondern eine in freie Blaulichtreporter, Zeitungsjournalisten, Presseagenturen und freie Radio- und TV-Journalisten. So ist es in vielen Kapiteln zum Thema Pressearbeit. Stets ist spürbar, dass Müller-Tischer den Journalisten mit Respekt für ihre Arbeit begegnet und sie als gleichwertige Partner empfindet, die ein Recht auf seriöse Informationen haben. Kein Wunder, hat er doch selbst als Journalist gearbeitet und kennt das Metier aus beiden Blickwinkeln. Beschimpfte Blaulichtreporter Kleiner Exkurs: Dass der Respekt vor der Arbeit der Pressevertreter und ihrer Rolle nicht selbstverständlich ist, erleben Blaulichtreporter immer wieder. Ich bin schon von Rettungsdienstlern beim Eintreffen an einem Unfallort mit dem Spruch &#8222;Ach, die Schmeißfliegen sind wieder da&#8220; begrüßt worden. Ich habe schon einmal Hausverbot an einer Einsatzstelle bekommen. Bei einem Seminar für den Umgang von Notfallseelsorgern mit Journalisten an Unfallstellen hat mich in einem Rollenspiel eine der Teilnehmerinnen dreist belogen. Begründung: &#8222;Die Reporter wollen doch nur eine saftige Schlagzeile, da habe ich sie eben in die falsche Richtung geschickt, um das zu verhindern. Der Presse muss man nicht noch zuarbeiten.&#8220; Wohl jeder, der jemals als Journalist an Unglücksstellen war, kann solche oder ähnliche Geschichten erzählen. Dass das die falsche Einstellung ist, macht Müller-Tischer im Fazit seines Buches klar. Nur wenn die Menschen ihre Informationen aus gut recherchierten journalistischen Quellen und gleichzeitig gut aufbereitet von den Behörden direkt beziehen, können sie sich ein vollständiges Bild der Situation machen. Das erhöht die Glaubwürdigkeit, bremst die Verbreitung von Falschinformationen, verhindert Panik und wirkt am Ende auch Verschwörungsmythen entgegen. Vorbereitung zahlt sich aus Ich wage jetzt noch einen Blick auf die behördenintern wichtigen Hinweise in dem Buch. Wer es gelesen hat weiß, wie viel interner Abstimmungsbedarf und auch wie viel Vorbereitung eine gute Pressearbeit und eine gute Social-Media-Arbeit machen. Das Feld ist mit dem Internet immens viel größer geworden. Um das alles in der sogenannten Chaosphase, dem Beginn einer großen Lage, bewältigen zu können, ist gute Vorbereitung erforderlich. Wie wichtig die ist, macht Müller-Tischer immer wieder klar. Wenn die Krise erst losgebrochen ist, ist es zu spät, einen Facebook-Account anzulegen, Twitter-Follower zu sammeln oder Rechner zu installieren, auf denen das möglich ist, was auf Behördenrechnern oft verboten oder blockiert ist. Bleibt zu hoffen, dass sein Wissen und seine Ratschläge zu denen durchdringen, die in Kreisverwaltungen und Feuerwehrverbänden etwas zu sagen haben. Ohne Mittel und Personal wird es nicht gehen. Kompaktes Handbuch für den Alltag Das Handbuch Presse- und Medienarbeit im Krisenstab von Jan Müller-Tischer ist ein kompaktes Nachschlagewerk für alle, die in Krisensituationen mit der Öffentlichkeit Kontakt haben. Dabei ist es egal, welche Art von Öffentlichkeit, ob Presse, Social-Media-Akteure oder Bürger, die sich in solchen Situationen an die Sicherheitsbehörden wenden. Deshalb sollte es jeder Wehrführer, jeder Pressesprecher &#8211; nicht nur die von BOS &#8211; und jeder Mitarbeiter von Katastrophenschutzbehörden lesen und beherzigen. Das ist mein bescheidener Wunsch als Pressevertreterin mit Blauchlichterfahrung. Dass das in Müller-Tischers Selbstverlag und lediglich bei Amazon erhältliche Buch ein paar typografische Mängel hat, kann getrost vernachlässigt werden. Schließlich geht es hier nicht um die bibliophile Ausgabe eines Klassikers, sondern um ein Handbuch für jeden Tag oder zumindest jede größere Lage. Da ich beruflich viel mit der Feuerwehr zu tun habe, gibt es hier noch etliche weitere Texte dazu.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img width="800" height="600" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/jan.jpg" class="webfeedsFeaturedVisual wp-post-image" alt="" style="display: block; margin-bottom: 5px; clear:both;max-width: 100%;" link_thumbnail="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/jan.jpg 800w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/jan-150x113.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/jan-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" />
<p class="wp-block-paragraph">Ich habe jahrelang als Polizeireporterin gearbeitet und tue es heute noch manchmal. Ich weiß, wie gute Pressearbeit von sogenannten BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben), also der Blaulicht-Fraktion, aussehen sollte. Viele Dinge, die ich mir immer gewünscht und die ich über Jahre gepredigt habe, sind jetzt in einem Handbuch zusammengefasst. Es ist das &#8222;Handbuch Presse- und Medienarbeit im Krisenstab&#8220; von Jan Müller-Tischer.</p>



<span id="more-11100"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Da schreibt einer von der anderen Seite über Pressearbeit im Angesicht von Krisen jeder Art. Ob Großfeuer, Amoklauf, Hochwasser oder Corona, ob kurzes Ereignis oder über mehrere Tage oder gar Wochen dauernde Krise: Presse- und Medienarbeit von Krisenstäben, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten, eventuell auch Bundeswehr, ist heutzutage gefragter denn je. Weil die Zahl der Sender stetig steigt, und damit sind nicht nur Radio- und Fernsehsender gemeint. Waren es früher nur klassische Medien, die bedient werden wollten und mussten, so kommt heute Social Media hinzu. Andere Mittel der Öffentlichkeitsarbeit in Krisen &#8211; Stichwort Sirene &#8211; haben dagegen zunehmend an Bedeutung verloren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auf den Punkt geschrieben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Alles das arbeitet Jan Müller-Tischer in seinem bewusst knapp gehaltenen Handbuch heraus. Es ist schnell gelesen, weil alles, was er schreibt, auf den Punkt kommt. Er fabuliert nicht lange drumherum, schenkt sich verschnörkelte Phrasen und ausführliche Anleitungen. Stattdessen gibt er kurz und knapp die wichtigsten Informationen. Ein Handbuch also im besten Sinne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch hat mir der Kopf geschwirrt. Beim Lesen habe ich immer mal den Überblick verloren, was der behördenintern so genannte S5 alles leisten muss. Früher hieß der einfach Pressesprecher und war meistens ein Einzelkämpfer. Ich kann mich noch gut an die großen Lagen meiner Polizeireporterzeit in den 90er-Jahren erinnern. Etwa daran, wie der damalige Polizeisprecher Bernd T. (einer der besten, die es je gab)  nachts auf verregneter Straße stehend alle neugierigen Pressevertreter zufriedenstellen musste. Dabei wurde er misstrauisch von seinem Chef beäugt, dass er bloß nicht mehr sagt als unbedingt nötig. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Es geht nur im Team</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen, das macht Jan Müller-Tischer deutlich, ist die Vielfalt der Aufgaben zwischen Pressearbeit, internen Abstimmungen, Social Media und den vielen unterschiedlichen virtuellen Schauplätzen der Arbeit kaum noch von einem alleine zu bewältigen. Schon gar nicht nachts irgendwo vor einem brennenden Haus. Und so ist der S5 folgerichtig der Leiter eines ganzen Pressestabes, erst recht in großen Krisensituationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Müller-Tischer hat sein Buch in zwei Teile gegliedert: die klassische Pressearbeit und von ihm so genannte direkte Kommunikation via Bürgertelefon oder Social Media. Der erste Teil hat mich als Konsumentin von behördlicher Pressearbeit natürlich besonders interessiert. Da steht tatsächlich alles drin, was ich mir immer gewünscht habe. Kleines Beispiel: In einem von mir verfassten Handout für Pressesprecher jeder Art habe ich zum Thema Pressekonferenz geschrieben, dass diese bei Themen mit großem Medieninteresse angesetzt werden sollten. Dabei habe ich den Hinweis aufgenommen, dass ein Vorlauf von eineinhalb bis zwei Stunden einzuhalten sei, um den Pressevertretern die Anreise zu ermöglichen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wer spricht da?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Was mir nicht bewusst war und was mir das das Buch vor Augen geführt hat: Auch diejenigen, die solche Pressekonferenzen organisieren, brauchen diesen Vorlauf. Akribisch listet Jan Müller-Tischer auf, was dazu gehört. Das reicht von der Entscheidung, wer sprechen soll, bis zur Raumwahl, der Technik und dem Termin. Er hat an fast alles gedacht. Nur einen Hinweis habe ich vermisst: Dass vor jedem Sprecher ein Schild mit Name, Vorname und Funktion stehen sollte. Die meisten, vor allem die angeblich oder wirklich wichtigen Menschen, neigen dazu, davon auszugehen, dass jeder wisse, wer sie sind. Sie stellen sich nicht vor, reden einfach los. Wie oft habe ich schon in einer Pressekonferenz oder einem Pressegespräch gesessen und gedacht: Wer zum Teufel ist das da vorne?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der praktische Ansatz, der beim Thema Pressekonferenz deutlich wird, zieht sich durch das ganze Buch. Das alles in erfrischender und gegenüber der Presse auch wohlmeinender Sachlichkeit. So findet sich unter der Überschrift &#8222;Typen von Pressevertretern&#8220; nicht wie von mir zunächst erwartet eine Einteilung in Anfänger, Besserwisser und alte Hasen, sondern eine in freie Blaulichtreporter, Zeitungsjournalisten, Presseagenturen und freie Radio- und TV-Journalisten. So ist es in vielen Kapiteln zum Thema Pressearbeit. Stets ist spürbar, dass Müller-Tischer den Journalisten mit Respekt für ihre Arbeit begegnet und sie als gleichwertige Partner empfindet, die ein Recht auf seriöse Informationen haben. Kein Wunder, hat er doch selbst als Journalist gearbeitet und kennt das Metier aus beiden Blickwinkeln.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1280" height="853" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/jan1.jpg" alt="" class="wp-image-11108" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/jan1.jpg 1280w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/jan1-150x100.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/jan1-768x512.jpg 768w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/jan1-420x280.jpg 420w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /><figcaption>Jan Müller-Tischer widmet sich seit Jahren der Krisenkommunikation und der Stabsarbeit. Foto: Louisa Müller-Tischer</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Beschimpfte Blaulichtreporter</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kleiner Exkurs: Dass der Respekt vor der Arbeit der Pressevertreter und ihrer Rolle nicht selbstverständlich ist, erleben Blaulichtreporter immer wieder. Ich bin schon von Rettungsdienstlern  beim Eintreffen an einem Unfallort mit dem Spruch &#8222;Ach, die Schmeißfliegen sind wieder da&#8220; begrüßt worden. Ich habe schon einmal <a href="https://pyrolim.de/pyrocontra/hausverbot-pressefreiheit-grossfeuer/" target="_blank" aria-label="undefined (opens in a new tab)" rel="noreferrer noopener">Hausverbot an einer Einsatzstelle</a> bekommen. Bei einem Seminar für den Umgang von Notfallseelsorgern mit Journalisten an Unfallstellen hat mich in einem Rollenspiel eine der Teilnehmerinnen dreist belogen. Begründung: &#8222;Die Reporter wollen doch nur eine saftige Schlagzeile, da habe ich sie eben in die falsche Richtung geschickt, um das zu verhindern. Der Presse muss man nicht noch zuarbeiten.&#8220; Wohl jeder, der jemals als Journalist an Unglücksstellen war, kann solche oder ähnliche Geschichten erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass das die falsche Einstellung ist, macht Müller-Tischer im Fazit seines Buches klar. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Nur wenn die Menschen ihre Informationen aus gut recherchierten journalistischen Quellen und gleichzeitig gut aufbereitet von den Behörden direkt beziehen, können sie sich ein vollständiges Bild der Situation machen. Das erhöht die Glaubwürdigkeit, bremst die Verbreitung von Falschinformationen, verhindert Panik und wirkt am Ende auch Verschwörungsmythen entgegen.</p></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Vorbereitung zahlt sich aus</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wage jetzt noch einen Blick auf die behördenintern wichtigen Hinweise in dem Buch. Wer es gelesen hat weiß, wie viel interner Abstimmungsbedarf und auch wie viel Vorbereitung eine gute Pressearbeit und eine gute Social-Media-Arbeit machen. Das Feld ist mit dem Internet immens viel größer geworden. Um das alles in der sogenannten Chaosphase, dem Beginn einer großen Lage, bewältigen zu können, ist gute Vorbereitung erforderlich. Wie wichtig die ist, macht Müller-Tischer immer wieder klar. Wenn die Krise erst losgebrochen ist, ist es zu spät, einen Facebook-Account anzulegen, Twitter-Follower zu sammeln oder Rechner zu installieren, auf denen das möglich ist, was auf Behördenrechnern oft verboten oder blockiert ist. Bleibt zu hoffen, dass sein Wissen und seine Ratschläge zu denen durchdringen, die in Kreisverwaltungen und Feuerwehrverbänden etwas zu sagen haben. Ohne Mittel und Personal wird es nicht gehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kompaktes Handbuch für den Alltag</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Handbuch Presse- und Medienarbeit im Krisenstab von Jan Müller-Tischer ist ein kompaktes Nachschlagewerk für alle, die in Krisensituationen mit der Öffentlichkeit Kontakt haben. Dabei ist es egal, welche Art von Öffentlichkeit, ob Presse, Social-Media-Akteure oder Bürger, die sich in solchen Situationen an die Sicherheitsbehörden wenden. Deshalb sollte es jeder Wehrführer, jeder Pressesprecher &#8211; nicht nur die von BOS &#8211; und jeder Mitarbeiter von Katastrophenschutzbehörden lesen und beherzigen. Das ist mein bescheidener Wunsch als Pressevertreterin mit Blauchlichterfahrung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass das in Müller-Tischers Selbstverlag und lediglich <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://amzn.to/2ZVXMqn" target="_blank" rel="noreferrer noopener">bei Amazon erhältliche Buch</a> ein paar typografische Mängel hat, kann getrost vernachlässigt werden. Schließlich geht es hier nicht um die bibliophile Ausgabe eines Klassikers, sondern um ein Handbuch für jeden Tag oder zumindest jede größere Lage. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich beruflich viel mit der Feuerwehr zu tun habe, gibt es hier noch <a href="https://pyrolim.de/tag/feuerwehr/" target="_blank" aria-label="undefined (opens in a new tab)" rel="noreferrer noopener">etliche weitere Texte </a>dazu.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://pyrolim.de/pyropro/rezension-handbuch-presse-und-medienarbeit-im-krisenstab/">Rezension: Handbuch Presse- und Medienarbeit im Krisenstab</a> erschien zuerst auf <a href="https://pyrolim.de">Pyrolirium</a>.</p>
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