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	<title>Bundeswehr Archive - Pyrolirium</title>
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		<title>Schnöggersburg &#8211; die Geisterstadt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Susanne]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Sep 2019 14:37:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="799" height="533" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/schno.jpg" class="webfeedsFeaturedVisual wp-post-image" alt="" style="display: block; margin-bottom: 5px; clear:both;max-width: 100%;" link_thumbnail="" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/schno.jpg 799w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/schno-150x100.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/schno-768x512.jpg 768w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/schno-420x280.jpg 420w" sizes="(max-width: 799px) 100vw, 799px" /><p>Ich habe gerade einer Bekannten davon erzählt, und da fiel sie mir wieder ein: Schnöggersburg, die Geisterstadt. Vor einem Jahr bin ich dort gewesen, im Rahmen einer Reportage über eine Bundeswehrübung. Schnöggersburg liegt in der Mitte des Truppenübungsplatzes Colbitz-Letzlinger Heide in Sachsen-Anhalt, nördlich von Magdeburg. 232 Quadratkilometer ist dieser Übungsplatz groß, da ist es kein Wunder, dass niemand von außen die Retortenstadt Schnöggersburg sieht. Für zufällig vorbeikommende Wanderer in der Heide ist sie außer Sichtweite, da der ganze Übungsplatz natürlich für die Öffentlichkeit unzugänglich ist. Deshalb fällt ein Besuch in Schnöggersburg in die Rubrik, was eine Journalistin zu sehen kriegt, wo andere nie hinkommen. Im Dunst der Geschütze Diesmal also Schnöggersburg. Zunächst habe ich die Retortenstadt aus der Ferne gesehen, von einem Hügel mit einem alten Bunker drauf. Von dort lag die Stadt im Dunst vor mir. Wobei nicht ganz klar war, ob der Dunst nicht von Mündungsfeuer herrührt. Die ganze Besonderheit dieses Ortes war noch nicht klar zu erkennen. Die ergab sich erst, als wir näher herankamen. Schnöggersburg hat alles, was eine Stadt braucht: Straßen, Wohngebiete, Kaufhaus, Hotel, eine Botschaft, ein Elendsviertel, Flüsse, Brücken, sogar einen Flughafen mit Tower, der allerdings noch nicht ganz fertig war. Es gibt einen U-Bahn-Schacht und Übungskanalisation. Insgesamt umfasst Schnöggersburg 520 Gebäude. Ganz fertig sind auch die Häuser nicht. Sie haben keine Fenster, keine Dächer, keine Heizungen, bei vielen wurde auf ein Satteldach verzichtet. Im Bundeswehrsprech heißt die Retortenstadt „Urbaner Ballungsraum Schnöggersburg“ und ist Bestandteil des GÜZ, des Gefechtsübungszentrums der Bundeswehr. Dort finden Soldaten all das vor, was sie brauchen, um den Häuserkampf zu üben. Sogar ein Sakralgebäude gibt es, das wahlweise als Moschee oder Kirche hergerichtet werden kann. Auf Außenstehende wirkt der ganze Ort unwirklich. Das mag an der Unfertigkeit der Häuser liegen. Erinnerung an ein verlorenes Dorf Schnöggersburg ist aber mehr als eine Retortenstadt. Es ist auch die Erinnerung an das wahre Schnöggersburg, einen Ort, den es tatsächlich gab. Es existierte bis in die 1930er Jahre. Die Nazis siedelten die Bewohner zwangsweise um und machten den Ort mit fortlaufendem Beschuss dem Erdboden gleich, weil dort ein militärisches Übungsgelände geschaffen worden war. Mit der Retortenstadt ist der Name Schnöggersburg wieder auferstanden &#8211; sicher ganz anders, als es sich die damaligen Bewohner jemals vorgestellt haben.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://pyrolim.de/pyropro/schnoeggersburg-die-geisterstadt/">Schnöggersburg &#8211; die Geisterstadt</a> erschien zuerst auf <a href="https://pyrolim.de">Pyrolirium</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ich habe gerade einer Bekannten davon erzählt, und da fiel sie mir wieder ein: Schnöggersburg, die Geisterstadt. Vor einem Jahr bin ich dort gewesen, im Rahmen einer Reportage über eine Bundeswehrübung. Schnöggersburg liegt in der Mitte des Truppenübungsplatzes  Colbitz-Letzlinger Heide in Sachsen-Anhalt, nördlich von Magdeburg.</p>



<span id="more-10328"></span>



<p class="wp-block-paragraph"> 232 Quadratkilometer ist dieser Übungsplatz groß, da ist es kein Wunder, dass niemand von außen die Retortenstadt Schnöggersburg sieht. Für zufällig vorbeikommende Wanderer in der Heide ist sie außer Sichtweite, da der ganze Übungsplatz natürlich für die Öffentlichkeit unzugänglich ist. Deshalb fällt ein Besuch in Schnöggersburg in die Rubrik, was <a href="https://pyrolim.de/pyropro/ich-war-noch-nie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="eine Journalistin zu sehen kriegt, wo andere nie hinkommen (opens in a new tab)">eine Journalistin zu sehen kriegt, wo andere nie hinkommen</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"> Im Dunst der Geschütze </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diesmal also Schnöggersburg. Zunächst habe ich die Retortenstadt aus der Ferne gesehen, von einem <a aria-label="Hügel mit einem alten Bunker drauf (opens in a new tab)" href="https://pyrolim.de/pyrocontra/hakenkreuz-fotos-und-social-media/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hügel mit einem alten Bunker drauf</a>. Von dort lag die Stadt im Dunst vor mir. Wobei nicht ganz klar war, ob der Dunst nicht von Mündungsfeuer herrührt. Die ganze Besonderheit dieses Ortes war noch nicht klar zu erkennen.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-photo is-provider-flickr wp-block-embed-flickr"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<a href="https://flic.kr/p/2hhywhe"><img decoding="async" src="https://live.staticflickr.com/65535/48757810213_37d3d5b58a_c.jpg" alt="Schnöggersburg, die Geisterstadt" width="800" height="533" /></a>
</div><figcaption>Die Einfahrt in die Retortenstadt: Sogar ein Ortsschild gibt es.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die ergab sich erst, als wir näher herankamen. Schnöggersburg hat alles, was eine Stadt braucht: Straßen, Wohngebiete, Kaufhaus, Hotel, eine Botschaft, ein Elendsviertel, Flüsse, Brücken, sogar einen Flughafen mit Tower, der allerdings noch nicht ganz fertig war. Es gibt einen U-Bahn-Schacht und Übungskanalisation. Insgesamt umfasst Schnöggersburg 520 Gebäude. Ganz fertig sind auch die Häuser nicht. Sie haben keine Fenster, keine Dächer, keine Heizungen, bei vielen wurde auf ein Satteldach verzichtet.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-photo is-provider-flickr wp-block-embed-flickr"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<a href="https://flic.kr/p/2hhAbfQ"><img decoding="async" src="https://live.staticflickr.com/65535/48758133076_ef7aca2253_c.jpg" alt="Schnöggersburg, die Geisterstadt" width="800" height="533" /></a>
</div><figcaption>Ein typischer Wohnblock in Schnöggersburg. Alles, was ihn wohnlich macht, fehlt völlig.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im <a aria-label="Bundeswehrsprech (opens in a new tab)" href="https://pyrolim.de/pyrocontra/bundeswehrsprache-beraeumt-und-mehrrollenfaehig/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bundeswehrsprech</a> heißt die Retortenstadt „Urbaner Ballungsraum Schnöggersburg“ und ist Bestandteil des GÜZ, des Gefechtsübungszentrums der Bundeswehr. Dort finden Soldaten all das vor, was sie brauchen, um den Häuserkampf zu üben. Sogar ein Sakralgebäude gibt es, das wahlweise als Moschee oder Kirche hergerichtet werden kann. Auf Außenstehende wirkt der ganze Ort unwirklich. Das mag an der Unfertigkeit der Häuser liegen.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-photo is-provider-flickr wp-block-embed-flickr"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<a href="https://flic.kr/p/2hhAbct"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://live.staticflickr.com/65535/48758132881_d4281dedd5_c.jpg" alt="Schnöggersburg, die Geisterstadt" width="800" height="533" /></a>
</div><figcaption>Kirche/Moschee mit Kämpfern, von sehr weit weg fotografiert.</figcaption></figure>



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<a href="https://flic.kr/p/2hhBaac"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://live.staticflickr.com/65535/48758324497_1749b2ae19_c.jpg" alt="Schnöggersburg, die Geisterstadt" width="800" height="533" /></a>
</div><figcaption>Eine typische Reihenhaussiedlung in Schnöggersburg.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Erinnerung an ein verlorenes Dorf</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schnöggersburg ist aber mehr als eine Retortenstadt. Es ist auch die Erinnerung an das wahre Schnöggersburg, einen Ort, den es tatsächlich gab. Es existierte bis in die 1930er Jahre. Die Nazis siedelten die Bewohner zwangsweise um und machten den Ort mit fortlaufendem Beschuss dem Erdboden gleich, weil dort ein militärisches Übungsgelände geschaffen worden war. Mit der Retortenstadt ist der Name Schnöggersburg wieder auferstanden &#8211; sicher ganz anders, als es sich die damaligen Bewohner jemals vorgestellt haben.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Schnöggersburg? Üben im urbanen Gelände -  Bundeswehr" width="960" height="540" src="https://www.youtube.com/embed/UajU2aUTK1g?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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		<title>Ein Foto und seine Geschichte: Schüsse als Entschädigung</title>
		<link>https://pyrolim.de/pyropro/ein-foto-und-seine-geschichte-schuesse-als-entschaedigung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Susanne]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Apr 2012 18:01:21 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Pyropro]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografie]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografieren]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Fotografieblog Kwerfeldein hat eine neue Serie begonnen: Bilder und Geschichten. Reserviert ist sie für Autoren, die dort über ihre Fotos und die Geschichten dahinter schreiben. Da ich dort keine Autorin bin und auch nicht sein werde, die Idee aber toll finde, will ich hier die Geschichte eines Fotos erzählen. Sofort als ich von der neuen Serie las, fielen mir dieses Bild und seine Geschichte ein. Es war im Dezember 2006, die Unifil-Mission der Bundesmarine vor dem Libanon hatte gerade begonnen. Als Truppenreporterin &#8211; das war ich mal eine Zeit lang &#8211; bin ich dienstlich auf Zypern gewesen, um die Marine dort zu besuchen. Ein Fernsehteam und ich waren auf das Leitschiff des Verbandes eingeladen, eine Fregatte, die vor der libanesischen Küste lag, um Waffenschmuggler zu stoppen. Am Morgen sollte es mit dem Schnellboot &#8222;Ozelot&#8220; hinaus gehen zu der Fregatte, auf die wir dann übersetzen wollten. Wobei übersetzen harmlos klingt. Gedacht war, mit einem Schlauchboot an die Fregatte heranzufahren und dann über eine Strickleiter an Bord zu gehen. Nun muss man wissen, dass eine Fregatte so hoch ist wie ein mehrstöckiges Haus und ich nicht schwindelfrei bin. Ich habe in der Nacht zuvor sehr unruhig geschlafen. Die Aussicht, an einer schwankenden Schiffswand hochzuklettern, war schrecklich. Dennoch bin ich todesmutig an Bord der &#8222;Ozelot&#8220; gegangen. Zugegeben, mit schlotternden Knien. Ich hätte mir nicht so viele Gedanken machen müssen. Es sollte nie zum Besuch auf der Fregatte kommen. Schon kurz nach dem Auslaufen der &#8222;Ozelot&#8220; aus dem Hafen von Limassol begann sie fürchterlich zu schlingern und zu stampfen. Der Himmel war blau, es regte sich kaum ein Lüftchen, doch das Boot kämpfte stundenlang gegen Wellen und Gischt an. Schuld sind Fallwinde, die von der Südküste der Türkei aufs Mittelmeer aufschlagen und lange Wellen erzeugen. Tapfer versuchte die nicht sturmerprobte Journaille, der Seekrankheit zu trotzen. Vor allem der Kameramann musste sich aber irgendwann geschlagen geben, nachdem er eine ganze Zeitlang im heißen und stickigen Maschinenraum gedreht hatte. Zeit für den Kommandanten zu einer Durchsage: &#8222;Der Zustand des Presseteams lässt eine Weiterfahrt nicht zu.&#8220; Übersetzen auf die Fregatte wäre übrigens auch nicht möglich gewesen. Die Wellen schlugen zwei Meter hoch, zu hoch, um ein solches Risiko einzugehen. Viel zu gefährlich. Der Presseoffizier und die Besatzung mühten sich dennoch redlich, den Pressevertretern etwas zu bieten. Also schickten sich die Marineschutzkräfte aus Eckernförde vom Team Dogge an, eine Übung vorzuführen. Als Entschädigung für den entgangenen Besuch auf der Fregatte zeigten sie, wie sie einen Angriff abwehren &#8211; mit gezieltem und dauerndem Feuer hinaus auf die blaue See. Ich habe ebenfalls geschossen &#8211; mit der Kamera und immer hintereinander weg. Und so ist das Foto oben entstanden. Für mich ein Volltreffer. Seekrank bin ich nicht geworden, weil ich jede Welle auf dem Deck stehend mit den Knien ausbalanciert habe. Stundenlang. Die Rückfahrt verlief dann etwas ruhiger.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://pyrolim.de/pyropro/ein-foto-und-seine-geschichte-schuesse-als-entschaedigung/">Ein Foto und seine Geschichte: Schüsse als Entschädigung</a> erschien zuerst auf <a href="https://pyrolim.de">Pyrolirium</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><figure id="attachment_1759" aria-describedby="caption-attachment-1759" style="width: 1000px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Blauhelmi.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1759" title="Blauhelmi" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Blauhelmi.jpg" alt="Kein Schuss ins Blaue: Blauhelmsoldaten der Marine bei einer Übung" width="1000" height="713" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Blauhelmi.jpg 1000w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/Blauhelmi-300x213.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1759" class="wp-caption-text">Kein Schuss ins Blaue: Blauhelmsoldaten der Marine bei einer Übung</figcaption></figure></p>
<p>Das Fotografieblog Kwerfeldein hat eine neue Serie begonnen: <a href="http://kwerfeldein.de/index.php/2012/04/23/neue-serie-bilder-und-geschichten/?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+Kwerfeldein-MartinGommel+%28KWERFELDEIN%29&amp;utm_content=Google+Reader" target="_blank">Bilder und Geschichten</a>. Reserviert ist sie für Autoren, die dort über ihre Fotos und die Geschichten dahinter schreiben. Da ich dort keine Autorin bin und auch nicht sein werde, die Idee aber toll finde, will ich hier die Geschichte eines Fotos erzählen. Sofort als ich von der neuen Serie las, fielen mir dieses Bild und seine Geschichte ein.<br />
<span id="more-1757"></span><br />
Es war im Dezember 2006, die Unifil-Mission der Bundesmarine vor dem Libanon hatte gerade begonnen. Als Truppenreporterin &#8211; das war ich mal eine Zeit lang &#8211; bin ich dienstlich auf Zypern gewesen, um die Marine dort zu besuchen. Ein Fernsehteam und ich waren auf das Leitschiff des Verbandes eingeladen, eine Fregatte, die vor der libanesischen Küste lag, um Waffenschmuggler zu stoppen. Am Morgen sollte es mit dem Schnellboot &#8222;Ozelot&#8220; hinaus gehen zu der Fregatte, auf die wir dann übersetzen wollten. Wobei übersetzen harmlos klingt. Gedacht war, mit einem Schlauchboot an die Fregatte heranzufahren und dann über eine Strickleiter an Bord zu gehen.</p>
<p>Nun muss man wissen, dass eine Fregatte so hoch ist wie ein mehrstöckiges Haus und ich nicht schwindelfrei bin. Ich habe in der Nacht zuvor sehr unruhig geschlafen. Die Aussicht, an einer schwankenden Schiffswand hochzuklettern, war schrecklich. Dennoch bin ich todesmutig an Bord der &#8222;Ozelot&#8220; gegangen. Zugegeben, mit schlotternden Knien.</p>
<p>Ich hätte mir nicht so viele Gedanken machen müssen. Es sollte nie zum Besuch auf der Fregatte kommen.</p>
<p>Schon kurz nach dem Auslaufen der &#8222;Ozelot&#8220; aus dem Hafen von Limassol begann sie fürchterlich zu schlingern und zu stampfen. Der Himmel war blau, es regte sich kaum ein Lüftchen, doch das Boot kämpfte stundenlang gegen Wellen und Gischt an. Schuld sind Fallwinde, die von der Südküste der Türkei aufs Mittelmeer aufschlagen und lange Wellen erzeugen. Tapfer versuchte die nicht sturmerprobte Journaille, der Seekrankheit zu trotzen. Vor allem der Kameramann musste sich aber irgendwann geschlagen geben, nachdem er eine ganze Zeitlang im heißen und stickigen Maschinenraum gedreht hatte.</p>
<p>Zeit für den Kommandanten zu einer Durchsage: &#8222;Der Zustand des Presseteams lässt eine Weiterfahrt nicht zu.&#8220; Übersetzen auf die Fregatte wäre übrigens auch nicht möglich gewesen. Die Wellen schlugen zwei Meter hoch, zu hoch, um ein solches Risiko einzugehen. Viel zu gefährlich.</p>
<p>Der Presseoffizier und die Besatzung mühten sich dennoch redlich, den Pressevertretern etwas zu bieten. Also schickten sich die Marineschutzkräfte aus Eckernförde vom Team Dogge an, eine Übung vorzuführen. Als Entschädigung für den entgangenen Besuch auf der Fregatte zeigten sie, wie sie einen Angriff abwehren &#8211; mit gezieltem und dauerndem Feuer hinaus auf die blaue See. Ich habe ebenfalls geschossen &#8211; mit der Kamera und immer hintereinander weg. Und so ist das Foto oben entstanden. Für mich ein Volltreffer.</p>
<p>Seekrank bin ich nicht geworden, weil ich jede Welle auf dem Deck stehend mit den Knien ausbalanciert habe. Stundenlang. Die Rückfahrt verlief dann etwas ruhiger.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg09.met.vgwort.de/na/79d54cc02938494aabcd2696da3bca20" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://pyrolim.de/pyropro/ein-foto-und-seine-geschichte-schuesse-als-entschaedigung/">Ein Foto und seine Geschichte: Schüsse als Entschädigung</a> erschien zuerst auf <a href="https://pyrolim.de">Pyrolirium</a>.</p>
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