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	Kommentare zu: Bachkantate: Darf man den Text verbessern?	</title>
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		<title>
		Von: Raphaël De Vos		</title>
		<link>https://pyrolim.de/pyrocontra/bachkantate-darf-man-den-text-verbessern/#comment-70824</link>

		<dc:creator><![CDATA[Raphaël De Vos]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Feb 2018 14:34:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Dirigent dieser Kantaten-Aufführung habe ich die kleine Textänderung zur Kenntnis genommen, mehr aber auch nicht.
Denn es wurde an der Komposition nicht eine Note geändert, wir wollten keine CD-Aufnahme machen wo die original-Fassung und im CD-Heft einen wissenschaftlichen Beitrag erwartet werden.
Es war auch kein großes, überregionales Konzert, es kam nicht im Fernsehen. Es war lediglich ein Gottesdienst in einer Vorstadtkirche.

Dennoch bin auch ich prinzipiell gegen jegliche Änderungen an Musik oder Text.
Lied 193 im evangelischen Gesangbuch fängt an mit: „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort“. Ursprunglich ging es auch hier weiter mit: „und steur des Papsts und Türcken mord“.

Diese und ähnliche Texte muss man unbedingt in der damaligen Zeit betrachten: Luther war bei der ersten Wiener Türkenbelagerung knapp 46 Jahre alt; diese zwei Belagerungen waren keine Ereignisse für sich, sondern die Höhepunkte einer ständigen türkischen Anwesenheit in der Region. Berichte über Greueltaten gibt es zuhauf, die Angst vor den Türken muss enorm gewesen sein.

Zu Mozarts Zeit hatte die Türkei ein ganz anderes Ansehen (türkische Bäder!) oder man denke an den Schlußteil seiner A-Dur Klaviersonate: „alla turca“ !
Auch bei Haydn, Beethoven und andere Komponisten findet man Beispiele von „Janitscharenmusik“. 
Heute hat die Türkei wieder einen ganz anderen Status in der Welt.

Zurück zum Lied EG 193: die Textstelle hat man geändert in: „und steure deiner Feinde Mord“. Auch nicht gerade zeitgemäß: wer sind heutzutage unsere Feinde die auch noch umgebracht werden sollen?!
Wenn man anfängt, solche Zeilen zu ändern, nähme das gar kein Ende mehr und das Kunstwerk verändert sich mehr und mehr.

Über dieses Thema gibt es einen Beitrag von Eva Grunenberg: „Zensur ist zu einfach“, Lübecker Nachrichten vom 21. Februar 2018]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Dirigent dieser Kantaten-Aufführung habe ich die kleine Textänderung zur Kenntnis genommen, mehr aber auch nicht.<br />
Denn es wurde an der Komposition nicht eine Note geändert, wir wollten keine CD-Aufnahme machen wo die original-Fassung und im CD-Heft einen wissenschaftlichen Beitrag erwartet werden.<br />
Es war auch kein großes, überregionales Konzert, es kam nicht im Fernsehen. Es war lediglich ein Gottesdienst in einer Vorstadtkirche.</p>
<p>Dennoch bin auch ich prinzipiell gegen jegliche Änderungen an Musik oder Text.<br />
Lied 193 im evangelischen Gesangbuch fängt an mit: „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort“. Ursprunglich ging es auch hier weiter mit: „und steur des Papsts und Türcken mord“.</p>
<p>Diese und ähnliche Texte muss man unbedingt in der damaligen Zeit betrachten: Luther war bei der ersten Wiener Türkenbelagerung knapp 46 Jahre alt; diese zwei Belagerungen waren keine Ereignisse für sich, sondern die Höhepunkte einer ständigen türkischen Anwesenheit in der Region. Berichte über Greueltaten gibt es zuhauf, die Angst vor den Türken muss enorm gewesen sein.</p>
<p>Zu Mozarts Zeit hatte die Türkei ein ganz anderes Ansehen (türkische Bäder!) oder man denke an den Schlußteil seiner A-Dur Klaviersonate: „alla turca“ !<br />
Auch bei Haydn, Beethoven und andere Komponisten findet man Beispiele von „Janitscharenmusik“.<br />
Heute hat die Türkei wieder einen ganz anderen Status in der Welt.</p>
<p>Zurück zum Lied EG 193: die Textstelle hat man geändert in: „und steure deiner Feinde Mord“. Auch nicht gerade zeitgemäß: wer sind heutzutage unsere Feinde die auch noch umgebracht werden sollen?!<br />
Wenn man anfängt, solche Zeilen zu ändern, nähme das gar kein Ende mehr und das Kunstwerk verändert sich mehr und mehr.</p>
<p>Über dieses Thema gibt es einen Beitrag von Eva Grunenberg: „Zensur ist zu einfach“, Lübecker Nachrichten vom 21. Februar 2018</p>
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		<title>
		Von: Susanne		</title>
		<link>https://pyrolim.de/pyrocontra/bachkantate-darf-man-den-text-verbessern/#comment-70610</link>

		<dc:creator><![CDATA[Susanne]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Feb 2018 08:35:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://pyrolim.de/pyrocontra/bachkantate-darf-man-den-text-verbessern/#comment-70605&quot;&gt;Jörg-Peter&lt;/a&gt;.

Lieber Jörg-Peter, ganz meine Meinung. Schlimm ist diese kleine Änderung nicht, aber auch ich hätte mir einen Hinweis im Gottesdienstzettel gewünscht. Vielleicht hätte die Diskussion dazu dann nicht ausschließlich hier, sondern auch beim Kirchenkaffee geführt werden können.
Liebe Grüße, Susanne]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://pyrolim.de/pyrocontra/bachkantate-darf-man-den-text-verbessern/#comment-70605">Jörg-Peter</a>.</p>
<p>Lieber Jörg-Peter, ganz meine Meinung. Schlimm ist diese kleine Änderung nicht, aber auch ich hätte mir einen Hinweis im Gottesdienstzettel gewünscht. Vielleicht hätte die Diskussion dazu dann nicht ausschließlich hier, sondern auch beim Kirchenkaffee geführt werden können.<br />
Liebe Grüße, Susanne</p>
]]></content:encoded>
		
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		<title>
		Von: Jörg-Peter		</title>
		<link>https://pyrolim.de/pyrocontra/bachkantate-darf-man-den-text-verbessern/#comment-70605</link>

		<dc:creator><![CDATA[Jörg-Peter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Feb 2018 21:53:52 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Mitsänger im Chor hat mich die Textänderung im &quot;Probelauf&quot; vor dem Gottesdienst auch zunächst etwas verwirrt, und ich machte meinem Nachbarn gegenüber die Bemerkung, sie sei offenbar durch Intervention der türkischen Botschaft erfolgt. Ich hätte auch eine Beibehaltung des Originaltextes mit entsprechender Kommentierung im Begleitblatt bevorzugt - ein bißchen Verständnis des historischen Zusammenhangs kann ja nicht schaden. Trotzdem - längst nicht so schlimm wie die zensorische Streichung des &quot;Negerkönigs&quot; bei Pippi Langstrumpf, der ja keineswegs rassistisch, sondern durchaus als Sympathiefigur gemeint war. Wir machen uns unnütz das Leben schwer.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Mitsänger im Chor hat mich die Textänderung im &#8222;Probelauf&#8220; vor dem Gottesdienst auch zunächst etwas verwirrt, und ich machte meinem Nachbarn gegenüber die Bemerkung, sie sei offenbar durch Intervention der türkischen Botschaft erfolgt. Ich hätte auch eine Beibehaltung des Originaltextes mit entsprechender Kommentierung im Begleitblatt bevorzugt &#8211; ein bißchen Verständnis des historischen Zusammenhangs kann ja nicht schaden. Trotzdem &#8211; längst nicht so schlimm wie die zensorische Streichung des &#8222;Negerkönigs&#8220; bei Pippi Langstrumpf, der ja keineswegs rassistisch, sondern durchaus als Sympathiefigur gemeint war. Wir machen uns unnütz das Leben schwer.</p>
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