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	<title>Journalist Archive - Pyrolirium</title>
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	<title>Journalist Archive - Pyrolirium</title>
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		<title>40 Jahre Journalismus: Mein Rückblick</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Susanne]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Aug 2019 09:11:38 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<img width="800" height="384" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40maschin.jpg" class="webfeedsFeaturedVisual wp-post-image" alt="" style="display: block; margin-bottom: 5px; clear:both;max-width: 100%;" link_thumbnail="" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40maschin.jpg 800w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40maschin-150x72.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40maschin-768x369.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><p>Ich habe gerade Berufsjubiläum gehabt. Vor 40 Jahren, am 1. August 1979, habe ich mein Volontariat bei der Einbecker Morgenpost angetreten. Gerade mal 19 Jahre war ich damals alt. 40 Jahre, das verlangt einen Rückblick, der sowohl persönlich als auch zum Wandel im Journalismus, in der täglichen Arbeit ausfällt. Ich bin etwas blauäugig in den Journalismus gestolpert. Ich wollte Sängerin werden, hatte mit 17 eine klassische Gesangsausbildung begonnen. Aber da ich damals ein sehr zartes Persönchen war, hat mir meine Gesangslehrerin diesen Wunsch schnell ausgeredet. Nicht genug Kreuz, also nicht genug Muskeln im Kreuz, und zu wenig Kraft im Körper, das wird nichts. Was also tun? Das Abi sollte in Kürze folgen, und dann? Ich habe mir überlegt, dass ich, wenn schon nicht Sängerin werden, dann doch über Sänger und Musik schreiben könnte, bei einer Zeitung. Langzeitziel Feuilleton. Da bin ich niemals hingekommen. Aber eine Redaktion habe ich dennoch gefunden, die mir ein Volontariat geboten hat. Es war der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser. Ich kann mich noch gut an meine erste Meldung erinnern: Schildkröte entlaufen. Kein Witz. Geschrieben wurde auf Schreibmaschine, redigiert auf Papier, die Schlagzeilen mussten je nach Spaltigkeit und Schriftgröße ausgezählt werden, damit sie passten. Leerschläge nicht vergessen. Zwar gab es bereits Lichtsatz, aber an den durften nur die Setzer ran. Erst später, nach meinem Wechsel zu den Kieler Nachrichten 1981, habe ich selbst Texte direkt ins System geschrieben. Vermutlich jüngste Autotesterin Deutschlands Thematisch war die Zeit des Volontariats ein bunter Gemischtwarenladen. Kommunalpolitik für Einbeck und Dassel, Polizeiberichte, ja, es gab in den zwei Jahren sogar einen Mord, Straßenbau, Vereinsberichterstattung und sogar &#8211; kaum zu glauben &#8211; Autotests. Die heimischen Autohäuser stellten der Redaktion regelmäßig für zwei oder drei Tage neue Modelle zu Verfügung, damit darüber berichtet werden konnte. Auf diese Weise kam ich an Spritztouren mit einem Renault 5 Turbo. Ein Wunder, dass ich mich damit nicht tot gefahren habe. Von den Texten von damals ist mir leider nichts geblieben. Besonders gehasst habe ich die Sportberichterstattung, die ich an vielen Wochenenden übernehmen musste. Innerhalb von eineinhalb Stunden fünf Spiele der dritten Kuhstallliga abfahren, überall Fotos machen, hinterher die Trainer in den Sportlerheimen anrufen und das Ergebnis und den Spielverlauf protokollieren. Es war der Horror. Vor allem die Fotos, ich wusste nie, wer in welche Richtung spielt und habe geflucht, dass die Spieler keine Namen und keine Vereinsnamen auf dem Rücken trugen. Zum Glück hat sich irgendwann ein sportverrückter Anzeigenvertreter gefunden, der diese Aufgabe freiwillig übernommen hat. Besoffene Marines auf Landgang Nach dem Volontariat bin ich zum Studium nach Kiel gegangen und habe dort sieben Jahre als Freie für die Kieler Nachrichten gearbeitet. Die Themen wie gehabt: Kommunalpolitik, Vereine, Unfälle, Verbrechen. Aber manchmal gab es Höhepunkte. Nur wenige Artikel aus dieser Zeit sind mir im Gedächtnis geblieben. Einer davon: eine Geschichte über den Sicherheitschef eines US-Flugzeugträgers, der zur Kieler Woche in Kiel war. Klasse Typ, klasse Storys, die er erzählen konnte darüber, wie man besoffene Marines nach einem Landgang bändigt. Leider habe ich auch diesen Text nicht mehr. 1990 folgte der Wechsel zu den Lübecker Nachrichten und dort in die gerade aufgebaute Schweriner Redaktion. Was für eine Zeit. Die Redaktion befand sich im fünften Stock eines Gebäudes über dem Bahnhof, unten sangen die Frauen der russischen Soldaten, die auf ihren Zug in die Heimat warteten, traurige Abschiedslieder. Einmal am Tag, um 12 Uhr, kam ein Taxifahrer, um Texte und Filme nach Lübeck zu bringen, wo die Ausgabe produziert wurde. Bis High Noon musste alles fertig sein. Nicht nur deshalb legten die Ost-Kollegen ihre Termine auf morgens 6 Uhr. Das war offenbar in der DDR so üblich. Die Themen diesmal: die Lage nach der Wende, die Arbeitslosigkeit und die Schlangen vor dem Arbeitsamt, die Treuhand, die Stasi-Hinterlassenschaften, aber auch das aus dem Westen geschenkte weiße Tigerbaby für den Schweriner Zoo. Dort erhielt sich übrigens meine Ost-Taufe: Beim Fotografieren eines Eisbären schoss der aus dem Wasser und schleuderte das Nass über mich. Ich sah aus wie ein begossener Pudel. Nach einigen Monaten folgte der Umzug in neue Redaktionsräume. Sie lagen über einem Fischgeschäft. Da es immer noch nicht genug Telefonanschlüsse gab, mussten wir uns die Leitung mit dem Fischladen teilen. Wenn einer von beiden telefonierte, hatte der andere ein Besetzzeichen in der Leitung und konnte nichts machen. Das war für beide eine Katastrophe, vor allem, als in der Vorweihnachtszeit viele Leute ihre Fischbestellung aufgeben wollten. Recherche ist unter diesen Umständen kaum möglich. Aber wo steht geschrieben, dass Journalismus immer einfach sein muss? Recherche zu Fuß statt mit dem Telefon Egal, telefonieren war sowieso eine Katastrophe, zumal mit dem neu konstituierten Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Der war nämlich, wegen der besseren Erreichbarkeit, auf irgendeinem technischen Weg mit einem westdeutschen Ortsnetz verbunden. Jeder Anruf in einem Ministerium ging über die Auslandsvorwahl 0049. Dann kam: tut-tut-tut. Es hat manchmal Stunden gedauert, überhaupt ins westdeutsche Netz reinzukommen. Da war es doch wesentlich leichter, die paar Schritte bis zum Schloss zu laufen und die Fragen dort persönlich zu stellen. Trotz aller Widrigkeiten war es eine schöne, eine spannende Zeit, die viel zu schnell zu Ende ging. Das Kalkül der Westzeitungen, alle ehemaligen DDR-Bürger würden zu ihnen überlaufen, ging nicht auf. Nach einem halben Jahr folgte der Wechsel nach Lübeck, als Polizeireporterin. Damit begann die spannendste Zeit meiner journalistischen Laufbahn. Spannende Zeit als Polizeireporterin Es war eine Dekade in Lübeck, die geprägt war von Straftaten, die Schlagzeilen machten, manche davon weltweit: zwei Mal brannte die Synagoge, es brannte das Flüchtlingsheim an der Hafenstraße, dabei fanden zehn Menschen den Tod. Ein überschuldete Wirt ließ nachts sein Lokal explodieren, obwohl in den Etagen darüber Menschen schliefen. Auch dort gab es Tote. Zwei Mal wurden Kirchen angezündet, weil sich die Pastoren für Flüchtlinge einsetzten. Eine junge Frau wurde mit zahlreichen Messerstichen auf einer Pferdekoppel getötet, ein bis heute ungelöster Fall. Das alles hat meinen journalistischen Alltag bestimmt. Ach was, meinen gesamten Alltag. Es gab kaum noch ein Leben außerhalb der Redaktion. Vor allem nicht nach dem Brand an der Hafenstraße, der über Wochen mein ganzes journalistisches Können erforderte. Hier schildere ich Jahre später, wie es an diesem Morgen war. Der Karton auf dem Kopf Aber es gab auch andere Geschichten, die mir in Erinnerung geblieben sind, denn Journalismus ist bunt. Die Story mit Lola zum Beispiel. Beruf: Hure in der Clemensstraße. Sie berichtete mir von ihrer Tätigkeit und ließ sich sogar fotografieren. Das Bild sollte aber nur so veröffentlicht werden, dass weder ihr Gesicht noch ihre Haare zu erkennen waren. Sie trug eine unverwechselbare rote Mähne. Photoshop war damals, in den 90er Jahren, noch unbekannt. Die Repro bemühte sich über Tage, irgendwie einigermaßen vernünftig den Kopf von Lola abzudecken. Rund ging gar nicht, das sah aus wie ein Astronautenhelm. Also eine rechteckige Fläche drüber legen. Die sollte zart grau sein. Im Druck war sie ziemlich dunkel, fast schwarz. Ein unvergessenes Foto. Unvergessen auch die Reaktion auf den Artikel. Eine Organisation gesetzter lübscher Damen meldete sich, entrüstet darüber, dass so einer Frau so viel Platz in der Zeitung eingeräumt worden war. Nicht ohne den Nachsatz, die eigene Kunsthandwerk-Ausstellung sei so viel kleiner behandelt worden. Wir waren uns aber sicher, dass Lola mehr Interesse hervorgerufen hat als das Kunsthandwerk. Heute würde es heißen: Das klickt besser. Womit wir bei den technischen Veränderungen wären. 1999 gab es die ersten Digitalkameras für unsere Redaktion. Zur gleichen Zeit trat das Internet in unser Leben. Erst zögerlich. Am Anfang gab es nur einen Kollegen, der damit umgehen konnte. Wer etwas suchte, musste bei ihm anfragen und warten, bis er Zeit hatte. Später gab es pro Redaktion einen Internetzugang, an einem gesonderten Rechner. Nur Ressortleiter hatten einen eigenen Internetzugang. In diese Liga war ich inzwischen aufgestiegen und habe etliche Jahre Redaktionen geleitet. Auch dabei habe ich jede Gelegenheit genutzt, nicht nur zu verwalten und Seiten zu gestalten, sondern den einen oder anderen Text zu schreiben. Etwa die Geschichte von den bösen Spitzen. Ein Frau, die an Feng Shui glaubt, sorgte sich um eine Mercedes-Niederlassung. Ihre Begründung: Ein gegenüber liegendes neu errichtetes Gebäude weise mit einem spitzen Winkel pfeilartig auf das schräg gegenüber liegende Gelände der&#160;Mercedes-Benz-Niederlassung. Dieser Pfeil werde noch verstärkt durch schmale, waagerecht liegende Metallbänder. Sie wiesen noch scharfkantiger auf das Gegenüber. Wie die Pfeile wirken, habe die Frau an sich selbst festgestellt. &#8222;Wenn ich mit dem Auto daran vorbeifahre, fühle ich mich unangenehm bedroht, aufgespießt und angegriffen.&#8220; Langfristig werde das Autohaus deshalb eingehen. Bei Mercedes sah man das etwas entspannter. Die Niederlassung gibt es übrigens heute noch. Neue Medien, dasselbe Handwerk Irgendwann wollte ich aber wieder die Straße unter den Füßen haben und wechselte zurück in einen Reporterjob. Das macht immer noch die größte Freude. Menschen treffen, Geschichten entdecken, recherchieren und schreiben. Dafür habe ich diesen Beruf ergriffen, und er macht mir bis heute Spaß. Auch, weil die Möglichkeiten so vielfältig geworden sind. Neben Text und Foto sind Video, interaktive Karten, Storytelling getreten. Für mich ebenso ein Gewinn für die Leser und für die Wege, ihnen etwas zu vermitteln, genauso wie der Wechsel zur Farbfotografie. Das Handwerk von Recherche und Text verfassen ist gleich geblieben, die Ausspielwege im Journalismus sind vielfältiger geworden. Schweinebucht und Auslandseinsatz Und wieder gab es wunderbare Geschichten. Etwa die vom Sex-Strand bei Eckernförde. Angeblich trafen sich dort die Swinger, weshalb der Strandabschnitt den Beinamen &#8222;Schweinebucht&#8220; trug. Mein Ausstieg aus der Geschichte: &#8222;Und auf der Wiese nebenan bemüht sich ein Bulle, eine Kuh zu beglücken. Aber daran stört sich niemand.&#8220; Dann waren da noch die Auslandseinsätze der Bundeswehr, über die ich schreiben durfte. Afghanistan im Jahr 2006, was für ein Erlebnis. Wenig später dann die Unifil-Mission von Zypern aus. Wer bekommt so etwas in seinem Beruf schon zu sehen? Solche Themen sind die Sahnetorte. Natürlich gibt und gab es, wie in jedem Beruf, auch viel Schwarzbrot. Mein Fazit nach 40 Jahren im Journalismus lautet aber dennoch: Es war die richtige Berufswahl. Es hat fast immer Spaß gemacht, war nie langweilig. Journalismus ist und bleibt für mich der schönste Beruf der Welt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://pyrolim.de/pyropro/40-jahre-journalismus-mein-rueckblick/">40 Jahre Journalismus: Mein Rückblick</a> erschien zuerst auf <a href="https://pyrolim.de">Pyrolirium</a>.</p>
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<p>Ich habe gerade Berufsjubiläum gehabt. Vor 40 Jahren, am 1. August 1979, habe ich mein Volontariat bei der Einbecker Morgenpost angetreten. Gerade mal 19 Jahre war ich damals alt. 40 Jahre, das verlangt einen Rückblick, der sowohl persönlich als auch zum Wandel im Journalismus, in der täglichen Arbeit ausfällt. </p>



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<p>Ich bin etwas blauäugig in den Journalismus gestolpert. Ich wollte Sängerin werden, hatte mit 17 eine klassische Gesangsausbildung begonnen. Aber da ich damals ein sehr zartes Persönchen war, hat mir meine Gesangslehrerin diesen Wunsch schnell ausgeredet. Nicht genug Kreuz, also nicht genug Muskeln im Kreuz, und zu wenig Kraft im Körper, das wird nichts.</p>



<p>Was also tun? Das Abi sollte in Kürze folgen, und dann? Ich habe mir überlegt, dass ich, wenn schon nicht Sängerin werden, dann doch über Sänger und Musik schreiben könnte, bei einer Zeitung. Langzeitziel Feuilleton. Da bin ich niemals hingekommen. Aber eine Redaktion habe ich dennoch gefunden, die mir ein Volontariat geboten hat.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" width="800" height="620" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40Liga.jpg" alt="" class="wp-image-10182" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40Liga.jpg 800w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40Liga-150x116.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40Liga-768x595.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Als Volontärin in meiner ersten Redaktion. Der Schlafzimmerblick ist Zufall, weil ich gerade hochgeguckt habe.</figcaption></figure>



<p>Es war der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser. Ich kann mich noch gut an meine erste Meldung erinnern: Schildkröte entlaufen. Kein Witz. Geschrieben wurde auf Schreibmaschine, redigiert auf Papier, die Schlagzeilen mussten je nach Spaltigkeit und Schriftgröße ausgezählt werden, damit sie passten. Leerschläge nicht vergessen. Zwar gab es bereits Lichtsatz, aber an den durften nur die Setzer ran. Erst später, nach meinem Wechsel zu den Kieler Nachrichten 1981, habe ich selbst Texte direkt ins System geschrieben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vermutlich jüngste Autotesterin Deutschlands</h2>



<p>Thematisch war die Zeit des Volontariats ein bunter Gemischtwarenladen. Kommunalpolitik für Einbeck und Dassel, Polizeiberichte, ja, es gab in den zwei Jahren sogar einen Mord, Straßenbau, Vereinsberichterstattung und sogar &#8211; kaum zu glauben &#8211; Autotests. Die heimischen Autohäuser stellten der Redaktion regelmäßig für zwei oder drei Tage neue Modelle zu Verfügung, damit darüber berichtet werden konnte. Auf diese Weise kam ich an Spritztouren mit einem Renault 5 Turbo. Ein Wunder, dass ich mich damit nicht tot gefahren habe. Von den Texten von damals ist mir leider nichts geblieben.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" width="585" height="549" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40renault.jpg" alt="Eine junge Frau steht neben einem Sportwagen." class="wp-image-10187" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40renault.jpg 585w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40renault-150x141.jpg 150w" sizes="(max-width: 585px) 100vw, 585px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Volontärin und der Testwagen: ein Renault 5 Turbo.</figcaption></figure>



<p>Besonders gehasst habe ich die Sportberichterstattung, die ich an vielen Wochenenden übernehmen musste. Innerhalb von eineinhalb Stunden fünf Spiele der dritten Kuhstallliga abfahren,<a href="https://pyrolim.de/pyrocontra/in-der-steinzeit-der-zeitungsfotografie/"> überall Fotos</a> machen, hinterher die Trainer in den Sportlerheimen anrufen und das Ergebnis und den Spielverlauf protokollieren. Es war der Horror. Vor allem die Fotos, ich wusste nie, wer in welche Richtung spielt und habe geflucht, dass die Spieler keine Namen und keine Vereinsnamen auf dem Rücken trugen. Zum Glück hat sich irgendwann ein sportverrückter Anzeigenvertreter gefunden, der diese Aufgabe freiwillig übernommen hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Besoffene Marines auf Landgang</h2>



<p>Nach dem Volontariat bin ich zum Studium nach Kiel gegangen und habe dort sieben Jahre als Freie für die Kieler Nachrichten gearbeitet. Die Themen wie gehabt: Kommunalpolitik, Vereine, Unfälle, Verbrechen. Aber manchmal gab es Höhepunkte. Nur wenige Artikel aus dieser Zeit sind mir im Gedächtnis geblieben. Einer davon: eine Geschichte über den Sicherheitschef eines US-Flugzeugträgers, der zur Kieler Woche in Kiel war. Klasse Typ, klasse Storys, die er erzählen konnte darüber, wie man besoffene Marines nach einem Landgang bändigt. Leider habe ich auch diesen Text nicht mehr.</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="780" height="1212" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40Schwimmbad.jpg" alt="" class="wp-image-10184" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40Schwimmbad.jpg 780w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40Schwimmbad-97x150.jpg 97w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40Schwimmbad-768x1193.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 780px) 100vw, 780px" /><figcaption class="wp-element-caption">Irgendein Termin in irgendeinem Schwimmbad, ich weiß nicht mehr wann, wo und warum.</figcaption></figure>



<p>1990 folgte der Wechsel zu den Lübecker Nachrichten und dort in die gerade aufgebaute Schweriner Redaktion. Was für eine Zeit. Die Redaktion befand sich im fünften Stock eines Gebäudes über dem Bahnhof, unten sangen die Frauen der russischen Soldaten, die auf ihren Zug in die Heimat warteten, traurige Abschiedslieder. Einmal am Tag, um 12 Uhr, kam ein Taxifahrer, um <a href="https://pyrolim.de/pyropro/erlebt/kurze-kulturgeschichte-der-textubertragung/">Texte</a> und Filme nach Lübeck zu bringen, wo die Ausgabe produziert wurde. Bis High Noon musste alles fertig sein. Nicht nur deshalb legten die Ost-Kollegen ihre Termine auf morgens 6 Uhr. Das war offenbar in der DDR so üblich.</p>



<p>Die Themen diesmal: die Lage nach der Wende, die Arbeitslosigkeit und die Schlangen vor dem Arbeitsamt, die Treuhand, die Stasi-Hinterlassenschaften, aber auch das aus dem Westen geschenkte weiße Tigerbaby für den Schweriner Zoo. Dort erhielt sich übrigens meine Ost-Taufe: Beim Fotografieren eines Eisbären schoss der aus dem Wasser und schleuderte das Nass über mich. Ich sah aus wie ein begossener Pudel.</p>



<p>Nach einigen Monaten folgte der Umzug in neue Redaktionsräume. Sie lagen über einem Fischgeschäft. Da es immer noch nicht genug Telefonanschlüsse gab, mussten wir uns die Leitung mit dem Fischladen teilen. Wenn einer von beiden telefonierte, hatte der andere ein Besetzzeichen in der Leitung und konnte nichts machen. Das war für beide eine Katastrophe, vor allem, als in der Vorweihnachtszeit viele Leute ihre Fischbestellung aufgeben wollten. Recherche ist unter diesen Umständen kaum möglich. Aber wo steht geschrieben, dass Journalismus immer einfach sein muss?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Recherche zu Fuß statt mit dem Telefon</h2>



<p>Egal, telefonieren war sowieso eine Katastrophe, zumal mit dem neu konstituierten Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Der war nämlich, wegen der besseren Erreichbarkeit, auf irgendeinem technischen Weg mit einem westdeutschen Ortsnetz verbunden. Jeder Anruf in einem Ministerium ging über die Auslandsvorwahl 0049. Dann kam: tut-tut-tut. Es hat manchmal Stunden gedauert, überhaupt ins westdeutsche Netz reinzukommen. Da war es doch wesentlich leichter, die paar Schritte bis zum Schloss zu laufen und die Fragen dort persönlich zu stellen.</p>



<p>Trotz aller Widrigkeiten war es eine schöne, eine spannende Zeit, die viel zu schnell zu Ende ging. Das Kalkül der Westzeitungen, alle ehemaligen DDR-Bürger würden zu ihnen überlaufen, ging nicht auf. Nach einem halben Jahr folgte der Wechsel nach Lübeck, als Polizeireporterin. Damit begann die spannendste Zeit meiner journalistischen Laufbahn.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Spannende Zeit als Polizeireporterin</h2>



<p>Es war eine Dekade in Lübeck, die geprägt war von Straftaten, die Schlagzeilen machten, manche davon weltweit: zwei Mal brannte die Synagoge, es <a aria-label="brannte das Flüchtlingsheim an der Hafenstraße (opens in a new tab)" href="https://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Feuertod-in-der-Hafenstrasse" target="_blank" rel="noreferrer noopener">brannte das Flüchtlingsheim an der Hafenstraße</a>, dabei fanden zehn Menschen den Tod. Ein überschuldete Wirt ließ nachts sein Lokal explodieren, obwohl in den Etagen darüber Menschen schliefen. Auch dort gab es Tote. Zwei Mal wurden Kirchen angezündet, weil sich die Pastoren für Flüchtlinge einsetzten. Eine junge Frau wurde <a href="https://www.ln-online.de/lokales/luebeck/ln-podcast-true-crime-luebeck-folge-4-wer-hat-annette-s-ermordet-5PS652VYNYYFHPDFZWEDRNBS3Y.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">mit zahlreichen Messerstichen auf einer Pferdekoppel getötet</a>, ein bis heute ungelöster Fall.</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="600" height="400" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40hafenstr2a.jpg" alt="" class="wp-image-10183" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40hafenstr2a.jpg 600w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40hafenstr2a-150x100.jpg 150w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40hafenstr2a-420x280.jpg 420w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">Beim Brand an der Hafenstraße im Gespräch mit einem Hausbewohner. Foto: LN-Archiv</figcaption></figure>



<p>Das alles hat meinen journalistischen Alltag bestimmt. Ach was, meinen gesamten Alltag. Es gab kaum noch ein Leben außerhalb der Redaktion.  Vor allem nicht nach dem Brand an der Hafenstraße, der über Wochen mein ganzes journalistisches Können erforderte. Hier schildere ich Jahre später, <a rel="noreferrer noopener" aria-label="wie es an diesem Morgen war (opens in a new tab)" href="https://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Ein-Tag-der-nie-aus-meiner-Erinnerung-geloescht-werden-wird" target="_blank">wie es an diesem Morgen war</a>. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Karton auf dem Kopf</h2>



<p>Aber es gab auch andere Geschichten, die mir in Erinnerung geblieben sind, denn Journalismus ist bunt. Die Story mit Lola zum Beispiel. Beruf: Hure in der Clemensstraße. Sie berichtete mir von ihrer Tätigkeit und ließ sich sogar fotografieren. Das Bild sollte aber nur so veröffentlicht werden, dass weder ihr Gesicht noch ihre Haare zu erkennen waren. Sie trug eine unverwechselbare rote Mähne. Photoshop war damals, in den 90er Jahren, noch unbekannt. Die Repro bemühte sich über Tage, irgendwie einigermaßen vernünftig den Kopf von Lola abzudecken. Rund ging gar nicht, das sah aus wie ein Astronautenhelm. Also eine rechteckige Fläche drüber legen. Die sollte zart grau sein. Im Druck war sie ziemlich dunkel, fast schwarz. Ein unvergessenes Foto.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" width="310" height="800" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40hure.jpg" alt="" class="wp-image-10185" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40hure.jpg 310w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/40hure-58x150.jpg 58w" sizes="auto, (max-width: 310px) 100vw, 310px" /><figcaption class="wp-element-caption">Lola mit dem Karton auf dem Kopf.</figcaption></figure>
</div>


<p>Unvergessen auch die Reaktion auf den Artikel. Eine Organisation gesetzter lübscher Damen meldete sich, entrüstet darüber, dass so einer Frau so viel Platz in der Zeitung eingeräumt worden war. Nicht ohne den Nachsatz, die eigene Kunsthandwerk-Ausstellung sei so viel kleiner behandelt worden. Wir waren uns aber sicher, dass Lola mehr Interesse hervorgerufen hat als das Kunsthandwerk. Heute würde es heißen: Das klickt besser.</p>



<p>Womit wir bei den technischen Veränderungen wären. 1999 gab es die <a href="https://pyrolim.de/pyropro/meine-erste-digitalkamera/">ersten Digitalkameras</a> für unsere Redaktion. Zur gleichen Zeit trat das Internet in unser Leben. Erst zögerlich. Am Anfang gab es nur einen Kollegen, der damit umgehen konnte. Wer etwas suchte, musste bei ihm anfragen und warten, bis er Zeit hatte. Später gab es pro Redaktion einen Internetzugang, an einem gesonderten Rechner. Nur Ressortleiter hatten einen eigenen Internetzugang. In diese Liga war ich inzwischen aufgestiegen und habe etliche Jahre Redaktionen geleitet.</p>



<p>Auch dabei habe ich jede Gelegenheit genutzt, nicht nur zu verwalten und Seiten zu gestalten, sondern den einen oder anderen Text zu schreiben. Etwa die Geschichte von den bösen Spitzen. Ein Frau, die an Feng Shui glaubt, sorgte sich um eine Mercedes-Niederlassung. Ihre Begründung:  Ein gegenüber liegendes neu errichtetes Gebäude weise mit einem spitzen Winkel  pfeilartig auf das schräg gegenüber liegende Gelände der&nbsp;Mercedes-Benz-Niederlassung. Dieser Pfeil werde noch verstärkt durch schmale, waagerecht  liegende Metallbänder. Sie wiesen noch scharfkantiger auf  das Gegenüber. Wie die Pfeile wirken, habe die Frau an  sich selbst festgestellt. &#8222;Wenn ich mit dem Auto daran vorbeifahre, fühle ich mich unangenehm bedroht,  aufgespießt und angegriffen.&#8220; Langfristig werde das Autohaus deshalb eingehen. Bei Mercedes sah man das etwas entspannter. Die Niederlassung gibt es übrigens heute noch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neue Medien, dasselbe Handwerk</h2>



<p>Irgendwann wollte ich aber wieder die Straße unter den Füßen haben und wechselte zurück in einen Reporterjob. Das macht immer noch die größte Freude. Menschen treffen, Geschichten entdecken, recherchieren und schreiben. Dafür habe ich diesen Beruf ergriffen, und er macht mir bis heute Spaß. Auch, weil die Möglichkeiten so vielfältig geworden sind. Neben Text und Foto sind Video, interaktive Karten, Storytelling getreten. Für mich ebenso ein Gewinn für die Leser und für die Wege, ihnen etwas zu vermitteln, genauso wie der <a href="https://pyrolim.de/pyropro/allgemein/die-renaissance-der-schwarzweiss-fotografie/">Wechsel zur Farbfotografie</a>. Das Handwerk von Recherche und Text verfassen ist gleich geblieben, die Ausspielwege im Journalismus sind vielfältiger geworden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schweinebucht und Auslandseinsatz</h2>



<p>Und wieder gab es wunderbare Geschichten. Etwa die vom Sex-Strand bei Eckernförde. Angeblich trafen sich dort die Swinger, weshalb der Strandabschnitt den Beinamen &#8222;Schweinebucht&#8220; trug. Mein Ausstieg aus der Geschichte: &#8222;Und auf der Wiese nebenan bemüht sich ein Bulle, eine Kuh zu beglücken. Aber daran stört sich niemand.&#8220;</p>



<p>Dann waren da noch die Auslandseinsätze der Bundeswehr, über <a href="https://pyrolim.de/pyropro/pressearbeit-der-bundeswehr/">die ich schreiben durfte</a>. Afghanistan im Jahr 2006, was für ein Erlebnis. Wenig später dann die Unifil-Mission von Zypern aus. Wer bekommt so etwas in seinem Beruf schon zu sehen?</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="600" height="800" src="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/weinsatz.jpg" alt="Afghanistan im Juni 2006: Bei 38 Grad mit Stahlhelm und Splitterschutzweste." class="wp-image-9670" srcset="https://pyrolim.de/wp-content/uploads/weinsatz.jpg 600w, https://pyrolim.de/wp-content/uploads/weinsatz-113x150.jpg 113w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">Afghanistan im Juni 2006: Bei 38 Grad mit Stahlhelm und Splitterschutzweste.</figcaption></figure>



<p>Solche Themen sind die Sahnetorte. Natürlich gibt und gab es, wie in jedem Beruf, auch viel Schwarzbrot. Mein Fazit nach 40 Jahren im Journalismus lautet aber dennoch: Es war die richtige Berufswahl. Es hat fast immer Spaß gemacht, war nie langweilig. Journalismus ist und bleibt für mich der schönste Beruf der Welt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://pyrolim.de/pyropro/40-jahre-journalismus-mein-rueckblick/">40 Jahre Journalismus: Mein Rückblick</a> erschien zuerst auf <a href="https://pyrolim.de">Pyrolirium</a>.</p>
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		<title>Die Leiden einer Lokalreporterin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Susanne]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 22:10:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[erlebt]]></category>
		<category><![CDATA[Pyrocontra]]></category>
		<category><![CDATA[Journalist]]></category>
		<category><![CDATA[Lokalreporter]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#8222;Dem Redakteur ist nichts zu schwör&#8220; lautet ein geflügeltes Wort in Journalistenkreisen. Das nehme ich auch für mich in Anspruch. Ich bin hart im Nehmen, und wenn es sein muss, akzeptiere ich klaglos alle Arbeitsbedingungen, die das Journalistenleben so bietet. Aber es gibt Tage, da summiert sich alles, was die Berichterstattung erschwert. Eine Klage. Ja, kampferprobte Schreiberlinge &#8211; so werden wir Journalisten gern mal tituliert &#8211; können in fast jeder Lebenslage mitschreiben, was gerade passiert oder gesagt wird. Bei Regen und Schnee &#8211; man greife in diesen Fällen zum Beistift -, im Stehen, bei Eiseskälte, zur Not sogar im Dunkeln. Alles kein Problem, wenn es sein muss. Wir stapfen mitunter durch knöcheltiefen Matsch, haben uns schon so manche soeben teuer erstandene Jacke entweder durch Stacheldraht-Risse (beim Durchklettern desselben) oder Brandlöcher (bei Größbränden mit Funkenflug) verderben und so manches Paar Schuhe völlig verdrecken lassen. Alles kein Problem, siehe oben: Dem Redakteur ist nichts . . . Die Knie als Schreibtisch Aber es gibt Dinge, über die ich zunehmend ungehaltener bin. Es sind Äußerlichkeiten. Gerade diese Woche habe ich über zwei Stunden in einer Ratssitzung gesessen. Im Gepäck Block und Stift, die Tagesordnung und vier Pfund Kommunalhaushalt. Die Herren und Damen Kommunalpolitiker saßen an einem U-förmig aufgestellten Tisch, vorne Bürgermeister und Verwaltung, rechts und links SPD und CDU und die Vertreter der kleinen Parteien. Für die Zuhörer waren zwei Reihen Stühle aufgestellt. Und für die Presse gab es keinen Tisch. Super. Zwei Stunden lang Block und Stift und Tagesordnung und Haushalt auf den Knien balancieren, dabei alles protokollieren. Ich bin zu alt für so etwas. Warum gönnt mir niemand einen Tisch, um zu schreiben? Zur Ehrenrettung so mancher Verwaltung muss ich allerdings sagen, dass Pressetische mittlerweile in vielen Gremien Einzug gehalten haben. Aber eben längst nicht in allen. Im Tal der Ahnungslosen Es gibt sogar noch viel Schlimmeres. Kommunalverwaltungen, die es bis heute nicht für nötig halten, den Journalisten die Sitzungsunterlagen zur Verfügung zu stellen. Zugegeben, diese Verwaltungen muss man wirklich mit der Lupe suchen, aber es gibt sie noch. Sollen die Schreiberlinge doch die Zahlen, die vorne runtergerattert werden, gefälligst mitschreiben. Das ist schließlich deren Job. Auf die Bitte, doch für Sitzungen ein Paket mit den nötigen Unterlagen zusammen zu stellen, bekommt man dann sogar zur Antwort: &#8222;Sie wollen wohl nicht so viel schreiben, was?&#8220; Aber wehe, wehe, es steht am nächsten Tag etwas falsch in der Zeitung. Es lebe Allris Und dann, das muss hier zur Ehrenrettung gesagt werden, gibt es noch die überwiegende Mehrzahl der anderen Verwaltungen. Der guten. Die stellen nicht nur der Presse, sondern sogar den Bürgern Unterlagen zur Verfügung, gerne auch im Netz, wo in Bürgerinformationssystemen wie Allris alle Unterlagen nicht nur einsehbar, sondern sogar als selbst zusammengestellte PDF-Paket herunterzuladen und auszudrucken sind. Ihr seht also: Die Bandbreite zwischen Bürgernähe, Journalistenservice und Obrigkeitsgebaren ist riesig. Tuscheln im Gericht Ein ganz schweres Terrain für Journalisten sind Gerichtssäle. Ich weiß, wovon ich rede, ich habe jahrelang am Landgericht Prozessberichterstattung gemacht. Und ich rede hier nicht von Inhalten, sondern von den äußeren Bedingungen. Ein Tisch zum Schreiben? Fehlanzeige. Die Journaille reiht sich auf den Zuhörerstühlen ein. Was die Sache aber überaus schwierig macht ist die Tatsache, dass die Zeugen allesamt mit dem Rücken zu den Zuhörern sitzen. Nun liegt es in der Natur der Sache, dass viele nichtprofessionelle Zeugen &#8211; professionelle sind zum Beispiel Polizeibeamte &#8211; eine Scheu haben, vor Gericht auszusagen. Also reden sie leise, nuscheln gerne auch mal in sich hinein. Verstehen? Glückssache. Zur Ehrenrettung der Justiz muss gesagt werden, dass es verständige Richter gibt, die auf Zeichen von den Pressebänken hin die Zeugen schon mal zu lauterem Reden auffordern. Vollends schwierig wird es im Gericht, wenn hinter einem eine Schulklasse sitzt. Nicht nur, dass die gerne ausdauernd mit ihren Rascheljacken rascheln. Da wird auch gern mal getuschelt oder ungeduldig auf dem Sitz herumgerutscht. Ich habe auch schon Schulklassen im Gericht erlebt, die ein inneres Pausenklingeln hatten. Wenn es in der Schule zur großen Pause klingelte, erhoben sich im Kilometer entfernten Gerichtssaal Lehrer und Schüler, um schwatzend und scharrend nach draußen zu drängen. Hungern beim Pressegespräch Zu den Geißeln eines Reporters gehört außerdem die Zeitgestaltung bei Pressekonferenzen. Na ja, besser Pressegesprächen, denn meistens ist es nur ein kleiner Kreis, der sich da einfindet. Zwei bis drei Kollegen, die zwei bis fünf Menschen gegenüber sitzen, die etwas zu sagen haben. Leute aus Verwaltungen tun das bevorzugt freitags um 12 Uhr &#8211; übrigens auch ein beliebter Termin für Feierstunden -, um sich anschließend ins Wochenende zu begeben. Noch mehr liebe ich Pressegespräche um 13 Uhr, gerne mit einer Tasse Kaffee und sechs Keksen für drei Journalisten. Rechnet man An- und Abfahrt mit, fällt das Mittagessen mal wieder komplett aus. Aber das soll ja gut für die Figur sein. Folter im Sternerestaurant Gern erzähle ich die Geschichte von dem Sternekoch, der mich vor Jahren einmal bat, um 12.30 Uhr zwecks Verkündigung seines neu verliehenen Sterns in sein Restaurant zu kommen. Als ich eintraf und gefragt wurde, ob ich etwas zu trinken wünsche, orderte ich das in solchen Fällen übliche Mineralwasser (wahlweise eine Tasse Kaffee). Bevor sie es brachte, räumte die Kellnerin den fein eingedeckten Tisch ab. Teller, Platzteller, allerlei Besteck, Gläser, Servietten, Kerzenhalter, alles schleppte sie weg. Dann erzählte mir Monsieur Spitzenkoch eineinhalb Stunden lang, was er so alles Leckeres kreiert, dass Austern, Kobe-Rind und französische Käsespezialitäten bei ihm am besten gehen, dass er gerne aus dieser und jener frischen Zutat dieses und jenes Gericht kreiere. Ein verschämter Blick auf die Armbanduhr verriet mir, dass die Verlagskantine bei meiner Rückkehr längst geschlossen sein würde. Schließlich entließ mich der Spitzenkoch mit den Worten, falls ich mal seine Küche probiere wolle, müsse ich nur anrufen. Das habe ich dann auch getan. Ich lege hier Wert auf die Feststellung, dass ich mich nicht einladen lassen wollte. Das habe ich auch deutlich gemacht. Dennoch kam die Antwort von Monsieur Spitzenkoch prompt. Leider, leider, leider seien alle Tische auf Monate hin ausgebucht. Danke, da gehe ich doch lieber zur Currywurstbude. Kaffeekränzchen Heiß von mir geliebt &#8211; Vorsicht: Ironie &#8211; sind auch Pressegespräche am Freitagnachmittag, möglichst weit weg von der Redaktion. Das machen Vereine und Verbände, weil dann alle Beteiligten  Feierabend haben und gern ein wenig bei einer Tasse Kaffee mit der Lokaljournaille plaudern und auf ihre wunderbaren Projekte verweisen. Nur der Reporter hat längst noch keinen Feierabend, denn der muss freitags zwei Ausgaben machen, die aktuelle und die Wochenendausgabe oder Montagsausgabe. Und jede Stunde, die man dann bei einem Pressegespräch hockt, muss man abends länger in der Redaktion sitzen und schreiben oder produzieren. Dann lümmeln sich die Gesprächspartner vom Nachmittag längst auf dem heimischen Sofa und gucken &#8222;Wer wird Millionär&#8220;. Klasse. Vor allem, wenn bei dem Termin nicht mehr rüber kommt, als eine Mitteilung, die genauso gut hätte gemailt werden können. Dem Redakteur ist vieles doch zu schwör Also, jetzt wisst Ihr es. Das Journalistenleben ist eines der schwersten. Und obendrein wird dann noch Häme über einem ausgegossen. In meinen jungen Jahren als freie Lokalredakteurin habe ich Anfang des Jahres jeden Freitagabend diverse Feuerwehr-Versammlungen abgeklappert (macht heute in Zeiten reduzierten Personals keine Redaktion mehr). Wenn ich bei Feuerwehr Nr. 4 oder 5 eintraf, wurde dort oft gerade das Essen aufgetragen. Dann war es besonders nett, wenn der Wehrführer ans Pult trat und über Mikrophon diese freundliche Begrüßung aussprach: &#8222;Wir begrüßen nun auch die Presse, die soeben pünktlich zum Essen eingetroffen ist.&#8220; War aber gar nicht böse gemeint. Der Witz Da passt doch gut dieser Witz, den ich mal gehört habe &#8211; und bitte, bitte nicht böse sein, ich kann darüber lachen, weil ich weiß, dass er nicht stimmt. Das mag ganz früher mal so gewesen sein, aber auch der Journalismus ist inzwischen brav geworden. Wenn die Presse kommt. Die Tür geht auf, ein Mann kommt rein mit einer Kameratasche über der Schulter: Der Lokalredakteur ist da. Die Tür geht auf, keiner kommt rein: DPA ist da. Die Tür geht auf, zwei Leute kommen rein und fragen: Wo gibt es hier etwas zu essen und zu trinken? Das Radio ist da. Die Tür geht auf, drei Leute kommen herein und fragen: Wo gibt&#8217;s hier zu fressen, wo etwas zu saufen, wo tanzen die Weiber auf dem Tisch? Das Fernsehen ist da. Liebe Leute, dieser Ausbruch musste mal sein, denn wie gesagt, dem Redakteur wird manches doch zu schwör. Ganz ausgelassen habe ich diesmal die inhaltliche Diskussion, die in Fachkreisen über den Lokaljournalismus geführt wird. Linktipps Ausgelassen habe ich auch, wie Menschen auf das reagieren, was dann hinterher in der Zeitung steht. Da sind die Ansprüche sehr unterschiedlich. Einer, der sich darüber mal den Frust von der Seele geschrieben hat, ist der Reisswolf. Den ganz normalen Wahnsinn eines Fotoreporters hat Franz Roth aufgeschrieben.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Dem Redakteur ist nichts zu schwör&#8220; lautet ein geflügeltes Wort in Journalistenkreisen. Das nehme ich auch für mich in Anspruch. Ich bin hart im Nehmen, und wenn es sein muss, akzeptiere ich klaglos alle Arbeitsbedingungen, die das  Journalistenleben so bietet. Aber es gibt Tage, da summiert sich alles, was die Berichterstattung erschwert. Eine Klage.<span id="more-1238"></span></p>
<p>Ja, kampferprobte Schreiberlinge &#8211; so werden wir Journalisten gern mal tituliert &#8211; können in fast jeder Lebenslage mitschreiben, was gerade passiert oder gesagt wird. Bei Regen und Schnee &#8211; man greife in diesen Fällen zum Beistift -, im Stehen, bei Eiseskälte, zur Not sogar im Dunkeln. Alles kein Problem, wenn es sein muss. Wir stapfen mitunter durch knöcheltiefen Matsch, haben uns schon so manche soeben teuer erstandene Jacke entweder durch Stacheldraht-Risse (beim Durchklettern desselben) oder Brandlöcher (bei Größbränden mit Funkenflug) verderben und so manches Paar Schuhe völlig verdrecken lassen. Alles kein Problem, siehe oben: Dem Redakteur ist nichts . . .</p>
<h3>Die Knie als Schreibtisch</h3>
<p>Aber es gibt Dinge, über die ich zunehmend ungehaltener bin. Es sind Äußerlichkeiten. Gerade diese Woche habe ich über zwei Stunden in einer Ratssitzung gesessen. Im Gepäck Block und Stift, die Tagesordnung und vier Pfund Kommunalhaushalt. Die Herren und Damen Kommunalpolitiker saßen an einem U-förmig aufgestellten Tisch, vorne Bürgermeister und Verwaltung, rechts und links SPD und CDU und die Vertreter der kleinen Parteien. Für die Zuhörer waren zwei Reihen Stühle aufgestellt. Und für die Presse gab es keinen Tisch. Super. Zwei Stunden lang Block und Stift und Tagesordnung und Haushalt auf den Knien balancieren, dabei alles protokollieren. Ich bin zu alt für so etwas. Warum gönnt mir niemand einen Tisch, um zu schreiben? Zur Ehrenrettung so mancher Verwaltung muss ich allerdings sagen, dass Pressetische mittlerweile in vielen Gremien Einzug gehalten haben. Aber eben längst nicht in allen.</p>
<h3>Im Tal der Ahnungslosen</h3>
<p>Es gibt sogar noch viel Schlimmeres. Kommunalverwaltungen, die es bis heute nicht für nötig halten, den Journalisten die Sitzungsunterlagen zur Verfügung zu stellen. Zugegeben, diese Verwaltungen muss man wirklich mit der Lupe suchen, aber es gibt sie noch. Sollen die Schreiberlinge doch die Zahlen, die vorne runtergerattert werden, gefälligst mitschreiben. Das ist schließlich deren Job. Auf die Bitte, doch für Sitzungen ein Paket mit den nötigen Unterlagen zusammen zu stellen, bekommt man dann sogar zur Antwort: &#8222;Sie wollen wohl nicht so viel schreiben, was?&#8220; Aber wehe, wehe, es steht am nächsten Tag etwas falsch in der Zeitung.</p>
<h3>Es lebe Allris</h3>
<p>Und dann, das muss hier zur Ehrenrettung gesagt werden, gibt es noch die überwiegende Mehrzahl der anderen Verwaltungen. Der guten. Die stellen nicht nur der Presse, sondern sogar den Bürgern Unterlagen zur Verfügung, gerne auch im Netz, wo in Bürgerinformationssystemen wie <a href="http://www.cc-egov.de/allris.htm" target="_blank">Allris</a> alle Unterlagen nicht nur einsehbar, sondern sogar als selbst zusammengestellte PDF-Paket herunterzuladen und auszudrucken sind. Ihr seht also: Die Bandbreite zwischen Bürgernähe, Journalistenservice und Obrigkeitsgebaren ist riesig.</p>
<h3>Tuscheln im Gericht</h3>
<p>Ein ganz schweres Terrain für Journalisten sind Gerichtssäle. Ich weiß, wovon ich rede, ich habe jahrelang am Landgericht Prozessberichterstattung gemacht. Und ich rede hier nicht von Inhalten, sondern von den äußeren Bedingungen. Ein Tisch zum Schreiben? Fehlanzeige. Die Journaille reiht sich auf den Zuhörerstühlen ein. Was die Sache aber überaus schwierig macht ist die Tatsache, dass die Zeugen allesamt mit dem Rücken zu den Zuhörern sitzen. Nun liegt es in der Natur der Sache, dass viele nichtprofessionelle Zeugen &#8211; professionelle sind zum Beispiel Polizeibeamte &#8211; eine Scheu haben, vor Gericht auszusagen. Also reden sie leise, nuscheln gerne auch mal in sich hinein. Verstehen? Glückssache. Zur Ehrenrettung der Justiz muss gesagt werden, dass es verständige Richter gibt, die auf Zeichen von den Pressebänken hin die Zeugen schon mal zu lauterem Reden auffordern. Vollends schwierig wird es im Gericht, wenn hinter einem eine Schulklasse sitzt. Nicht nur, dass die gerne ausdauernd mit ihren Rascheljacken rascheln. Da wird auch gern mal getuschelt oder ungeduldig auf dem Sitz herumgerutscht. Ich habe auch schon Schulklassen im Gericht erlebt, die ein inneres Pausenklingeln hatten. Wenn es in der Schule zur großen Pause klingelte, erhoben sich im Kilometer entfernten Gerichtssaal Lehrer und Schüler, um schwatzend und scharrend nach draußen zu drängen.</p>
<h3>Hungern beim Pressegespräch</h3>
<p>Zu den Geißeln eines Reporters gehört außerdem die Zeitgestaltung bei Pressekonferenzen. Na ja, besser Pressegesprächen, denn meistens ist es nur ein kleiner Kreis, der sich da einfindet. Zwei bis drei Kollegen, die zwei bis fünf Menschen gegenüber sitzen, die etwas zu sagen haben. Leute aus Verwaltungen tun das bevorzugt freitags um 12 Uhr &#8211; übrigens auch ein beliebter Termin für Feierstunden -, um sich anschließend ins Wochenende zu begeben. Noch mehr liebe ich Pressegespräche um 13 Uhr, gerne mit einer Tasse Kaffee und sechs Keksen für drei Journalisten. Rechnet man An- und Abfahrt mit, fällt das Mittagessen mal wieder komplett aus. Aber das soll ja gut für die Figur sein.</p>
<h3>Folter im Sternerestaurant</h3>
<p>Gern erzähle ich die Geschichte von dem Sternekoch, der mich vor Jahren einmal bat, um 12.30 Uhr zwecks Verkündigung seines neu verliehenen Sterns in sein Restaurant zu kommen. Als ich eintraf und gefragt wurde, ob ich etwas zu trinken wünsche, orderte ich das in solchen Fällen übliche Mineralwasser (wahlweise eine Tasse Kaffee). Bevor sie es brachte, räumte die Kellnerin den fein eingedeckten Tisch ab. Teller, Platzteller, allerlei Besteck, Gläser, Servietten, Kerzenhalter, alles schleppte sie weg. Dann erzählte mir Monsieur Spitzenkoch eineinhalb Stunden lang, was er so alles Leckeres kreiert, dass Austern, Kobe-Rind und französische Käsespezialitäten bei ihm am besten gehen, dass er gerne aus dieser und jener frischen Zutat dieses und jenes Gericht kreiere. Ein verschämter Blick auf die Armbanduhr verriet mir, dass die Verlagskantine bei meiner Rückkehr längst geschlossen sein würde. Schließlich entließ mich der Spitzenkoch mit den Worten, falls ich mal seine Küche probiere wolle, müsse ich nur anrufen. Das habe ich dann auch getan. Ich lege hier Wert auf die Feststellung, dass ich mich nicht einladen lassen wollte. Das habe ich auch deutlich gemacht. Dennoch kam die Antwort von Monsieur Spitzenkoch prompt. Leider, leider, leider seien alle Tische auf Monate hin ausgebucht. Danke, da gehe ich doch lieber zur Currywurstbude.</p>
<h3>Kaffeekränzchen</h3>
<p>Heiß von mir geliebt &#8211; Vorsicht: Ironie &#8211; sind auch Pressegespräche am Freitagnachmittag, möglichst weit weg von der Redaktion. Das machen Vereine und Verbände, weil dann alle Beteiligten  Feierabend haben und gern ein wenig bei einer Tasse Kaffee mit der Lokaljournaille plaudern und auf ihre wunderbaren Projekte verweisen. Nur der Reporter hat längst noch keinen Feierabend, denn der muss freitags zwei Ausgaben machen, die aktuelle und die Wochenendausgabe oder Montagsausgabe. Und jede Stunde, die man dann bei einem Pressegespräch hockt, muss man abends länger in der Redaktion sitzen und schreiben oder produzieren. Dann lümmeln sich die Gesprächspartner vom Nachmittag längst auf dem heimischen Sofa und gucken &#8222;Wer wird Millionär&#8220;. Klasse. Vor allem, wenn bei dem Termin nicht mehr rüber kommt, als eine Mitteilung, die genauso gut hätte gemailt werden können.</p>
<h3>Dem Redakteur ist vieles doch zu schwör</h3>
<p>Also, jetzt wisst Ihr es. Das Journalistenleben ist eines der schwersten. Und obendrein wird dann noch Häme über einem ausgegossen. In meinen jungen Jahren als freie Lokalredakteurin habe ich Anfang des Jahres jeden Freitagabend diverse Feuerwehr-Versammlungen abgeklappert (macht heute in Zeiten reduzierten Personals keine Redaktion mehr). Wenn ich bei Feuerwehr Nr. 4 oder 5 eintraf, wurde dort oft gerade das Essen aufgetragen. Dann war es besonders nett, wenn der Wehrführer ans Pult trat und über Mikrophon diese freundliche Begrüßung aussprach: &#8222;Wir begrüßen nun auch die Presse, die soeben pünktlich zum Essen eingetroffen ist.&#8220; War aber gar nicht böse gemeint.</p>
<h3>Der Witz</h3>
<p>Da passt doch gut dieser Witz, den ich mal gehört habe &#8211; und bitte, bitte nicht böse sein, ich kann darüber lachen, weil ich weiß, dass er nicht stimmt. Das mag ganz früher mal so gewesen sein, aber auch der Journalismus ist inzwischen brav geworden.</p>
<p>Wenn die Presse kommt.</p>
<p>Die Tür geht auf, ein Mann kommt rein mit einer Kameratasche über der Schulter: Der Lokalredakteur ist da.</p>
<p>Die Tür geht auf, keiner kommt rein: DPA ist da.</p>
<p>Die Tür geht auf, zwei Leute kommen rein und fragen: Wo gibt es hier etwas zu essen und zu trinken? Das Radio ist da.</p>
<p>Die Tür geht auf, drei Leute kommen herein und fragen: Wo gibt&#8217;s hier zu fressen, wo etwas zu saufen, wo tanzen die Weiber auf dem Tisch? Das Fernsehen ist da.</p>
<p>Liebe Leute, dieser Ausbruch musste mal sein, denn wie gesagt, dem Redakteur wird manches doch zu schwör. Ganz ausgelassen habe ich diesmal die inhaltliche Diskussion, die in Fachkreisen über den Lokaljournalismus geführt wird.</p>
<h3>Linktipps</h3>
<p>Ausgelassen habe ich auch, wie Menschen auf das reagieren, was dann hinterher in der Zeitung steht. Da sind die Ansprüche sehr unterschiedlich. Einer, der sich darüber mal den Frust von der Seele geschrieben hat, ist der <a href="http://amhaff.blog.de/2010/05/14/wen-schreib-lokaljournalist-8590833/" target="_blank">Reisswolf</a>.</p>
<p>Den ganz normalen <a href="http://rothfranz.wordpress.com/2009/06/15/fotografen-alltag-der-ganz-normale-wahnsinn/" target="_blank">Wahnsinn eines Fotoreporters </a> hat Franz Roth aufgeschrieben.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg09.met.vgwort.de/na/1b1c6df9c8cc431a8523265e0506e71d" alt="" width="1" height="1" /></p>
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