#tourdemuseum: Das Museum Ludwig in Köln

Es sollte der Höhepunkt meiner #tourdemuseum werden und es war der Höhepunkt: ein Besuch im Museum Ludwig in Köln, gleich am Hauptbahnhof gelegen. Dieses Haus beinhaltet eine der beeindruckendsten Sammlungen der Kunst des 20. Jahrhundert. Leider fehlt ein für mich wichtiges Bild, das offenbar seit Jahren im Depot lagert. Dafür sind andere Lieblingsbilder von mir dort nach wie vor zu sehen.

Ich habe das Museum vor 20 Jahren schon einmal besucht. Seitdem hat sich dort vieles verändert. Vor allem die monumentalen Werke der Amerikaner aus der Nachkriegszeit sind fast alle nicht mehr zu sehen. So hängt nur noch ein recht kleiner Jackson Pollock dort. Ich kann mich erinnern, dass früher ein zweiter ausgestellt war. Auch andere Gemälde habe ich vermisst, vor allem mein Lieblingsbild im Musem Ludwig: „Das blaue Phantom“ von Wols.

Bestes Blau aller Zeiten

Dafür ist anderes blau. Ein ganz besonderes und von mir fast ebenso geliebtes Blau wie das vom Phantom. Es sind Bilder vom Meister des Blaus, von Yves Klein (1928-1962). Der hatte das seiner Meinung nach perfekte Blau gefunden und es sich sogar unter dem Namen IKB für International Klein Blue patentierten lassen.

Im Museum Ludwig hängen zwei blaue Gemälde von Yves Klein nebeneinander: „Monochrom blau: IKB 73“ von 1961 und „Blaues Schwammrelief: RE 19“ von 1958. Ich habe davor gestanden und weiß auch nach längerem Überlegen nicht, welches mir besser gefällt. Sie sind beide von einem Blau, so fantastisch wie es fantastischer nicht sein kann.

Museum Ludwig in Köln
Monochrom blau: IKB 73 (links) und Blaues Schwammrelief: RE 19, beide von Yves Klein.

Das Museum Ludwig ist aber weit mehr als seine Bilder. Da ist zum einen die atemberaubende Architektur. Besonders fasziniert haben mich die Treppenhäuser. Die Unterseiten der Treppen sind jeweils mit einem Lichtband versehen. Die Athmosphäre ist hell und luftig. Großflächige Oberlichter lassen Tageslicht in das Gebäude fluten, ohne dass es Spiegelungen auf den Gemälden gibt.

Museum Ludwig in Köln
Lichtbänder markieren die Unterseiten der Treppen in den offenen Treppenhäusern.
Museum Ludwig in Köln
Schräge Oberlichter sorgen für blendfreies Licht.

Von oben nach unten durchs 20. Jahrhundert

Um die ganze Geschichte der Kunst vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute zu durchwandern, muss der Besucher ganz oben beginnen. Dort hängt die Sammlung Haubrich, die die Klassische Moderne und den Expressionismus umfasst. Es sind Bilder, die die Nazis als entartet abgetan haben, die dennoch gerettet und dem Museum nach dem Krieg übergeben wurden. Darunter sind Klassiker von Otto Dix, Marc Chagall, August Macke und vielen anderen, die beinahe jeder kennt.

Eine Art Wintergarten hoch über der Stadt ist einem Künstler gewidmet, der für meinen Geschmack viel zu sehr aus dem Blick geraten ist: Otto Freundlich (1878-1943) . Auch er ist, wie Felix Nussbaum, ein Opfer der Nazis geworden. Freundlich, ein früher Vertreter der abstrakten Kunst, starb vermutlich im März 1943 im KZ Majdanek oder Sobibor. Im Wintergarten sind unter anderem seine große Skulptur „Aufstieg“ und das Mosaik „Geburt des Menschen“ zu sehen.

Museum Ludwig
Der lichtdurchflutete Raum mit den Werken von Otto Freundlich.

Von den Expressionisten und der KIassischen Moderne geht es abwärts zu Picasso, Dali, zu Calder und den Minimalisten wie Rothko. Wieder überzeugen nicht nur die Gemälde und Skulpturen, sondern auch die Räume.

Museum Ludwig in Köln
Der große Saal im ersten Stock, hinten links hängt der Jackson Pollock.

Das Basement widmet das Museum der zeitgenössischen Kunst. Besonders gut gefallen haben mir die Werke der aktuellen Wolfgang-Hahn-Preisträgerin Jac Leirner. Ihre Sammlung von Plastiktüten aus Museen der Welt, alle akkurat nebeneinander gehängt zu einer großen Collage, ist genauso faszinierend wie die Schlange aus Geldscheinen, die sich über den Boden windet, oder das aus Visitenkarten zusammengesetzte Kreuz (Bilder unter dem Link oben).

Fotografieren erlaubt

Ich habe die Werke von Jac Leirner natürlich fotografiert, will die Bilder hier aber aus Gründen des Urheberrechts nicht zeigen. Im Museum darf übrigens nach Herzenslust fotografiert werden. Früher war dies nicht erlaubt, aber angesichts der vielen Menschen, die mit Handys alles aufnehmen, hat das Museum wohl kapituliert. Ich glaube kaum, dass sich irgendjemand von den Handyfotografen Gedanken über das Urheberrecht macht. Für das Museum ist es natürlich auch Werbung, wenn die Bilder auf Instagram oder sonstwo landen. Und ich habe mich gefreut, ungehemmt fotografieren zu dürfen, wie übrigens in allen von mir besuchten Museen.

Der Besuch im Museum Ludwig hat mich nicht enttäuscht, auch wenn das blaue Phantom nicht da war und ich etliche andere Bilder vermisst habe. Dafür habe ich neue Künstler für mich entdeckt. Und ich habe die großen Werke der Kunstgeschichte des 21. Jahrhunderts in ganz echt gesehen. Im Gegensatz zu anderen berühmten Museen ist im Ludwig genug Platz und Freiheit, jedes Bild genau zu betrachten, das den Besucher fasziniert. Keine Menschentrauben wie vor der Mona Lisa, keine Selfie-Horden, kein Gedränge. Es war ein sehr angenehmer Museumsbesuch.

Leider habe ich nicht oft genug die Gelegenheit, nach Köln zu fahren. Würde ich dort leben, ich hätte eine Dauerkarte für das Museum Ludwig.

2 Kommentare

  1. Wir waren im März auch in Köln und ich hatte mich auf den Besuch eines archäologischen Museums gefreut. Leider Fehlanzeige.
    Stattdessen haben wir uns in eine Gewölbeführung unter dem Dom gemogelt. Sehr zu empfehlen.

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