Die Sache mit dem Leihezwang

Bücher kann man nie genug haben.

Bei uns haben die Bibliotheken wieder geöffnet. Nicht so richtig, der Leser muss seine gewünschten Bücher telefonisch durchgeben und bekommt sie dann zu einer festen Zeit an der Tür ausgehändigt. Aber immerhin. Das führt mich wieder zum Leihezwang.

Schon mal vom Leihezwang gehört? Das ist kein Tippfehler, gemeint ist nicht der  Leine(n)zwang,  sondern tatsächlich der Leihezwang. Gefunden habe ich ihn, weil ich mich mit Leihbüchereien beschäftigt habe. Nicht nur, weil ich gerne wieder in einer Bibliothek nach Lesestoff störbern möchte, sondern auch, weil ich diese Institution so sehr mag. Ja, ich weiß, das ist so etwas von  80er, 1880-er, aber ich bin halt ein bisschen altmodisch. Ich mag Papier, was nicht heißt, das ich Text auf Touchscreens verachten würde.

Es gibt keine Leihbibliotheken mehr

Zurück zum Leihezwang. Ein bisschen recherchieren – im Internet, nicht in der Bibliothek – hilft sehr, um die Sache mit den Büchern, dem Leihen und den Einrichtungen, in denen dies geschieht, aufzudröseln. Also: Die Leihbibliothek ist längst ausgestorben. Das waren private Buchläden, die Bücher nicht verkauften, sondern gegen Geld verliehen. Das war, womit wir wieder im ersten Absatz wären, im 19. Jahrhundert und diente zunächst der Wissensvermittlung, dann der Erbauung, ich sage nur „Gartenlaube“.

Heutige Buch-Behälter (wörtliche Übersetzung von Bibliothek) sind mitnichten privatwirtschaftlich organisiert und stehen jedermann offen. Für mich haben sie einen unschätzbaren Vorteil: Alles, was ich dort ausleihe und wieder zurückgebe, belastet die ohnehin vollen häuslichen Bücherregale nicht zusätzlich. Und ganz ehrlich: Nicht jedes gerne verschlungene Werk verdient es, für die Kinder und Kindeskinder aufgehoben zu werden.

Karteileichen vorbeugen

Eine Kritik an Büchereibüchern, die ich einmal gehört habe, kann ich gar nicht nachvollziehe. Die seien, bemerkte eine Leserin ausschließlich fabrikneuer Bücher, doch schon angegrabbelt, eventuell gar mit Kaffeeflecken besudelt. Macht nichts, die  die Buchstaben sind trotzdem noch in der richtigen Reihenfolge in den Büchern drin. Zwingen kann man natürlich niemanden, sich Bücher auszuleihen. Womit wir wieder beim Leihezwang wären. Manche Bibliotheken verpflichten ihre Leser zur regelmäßigen Ausleihe, damit sie nicht zur Karteileiche werden. Was wiederum nicht in der Abteilung „Krimis“ verbucht wird. Da gibt’s echte Leichen, natürlich nur auf Papier.

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