Weg mit to go: Kaffee marsch

Kaffee gehört in die Kehle. Mein letzter „Coffee to go“ ging jedoch nicht den üblichen Weg in den Schlund, sondern tröpfelte auf die Jacke. Nicht, dass ich des Trinkens nicht mächtig wäre. Es lag am Becher. Der bot überraschenden Lesestoff, und schon war’s passiert. In dem Becher, so stand es draußen drauf, war nicht Coffee-to-go, sondern Kaffee-hurtig, Geh-Kaffee, Kaffee marsch oder Fersenkaffee, so die auf den Behälter gedruckten Vorschläge für lebendiges Deutsch statt „Denglish“. Die Ideen stammen von den Leserinnen und Lesern der Seite www.aktionlebendigesdeutsch.de, und da finden sich auch allerlei skurrile Vorschläge, wie englische Begriffe durch deutsche ersetzt werden können. Daraus lässt sich eine nette Geschichte basteln. Etwa so: Nach dem Netzschwatz* und der Denkrunde* im Büro, die sich mit dem Problem des Meutens* befasste, fuhr ich nach Hause. Unterwegs hatte ich einen kleinen Unfall, bei dem sich das Prallkissen* öffnete. Anschließend holte ich mir Schnellkost* und setzte mich vor den Fernseher, der ausgeschaltet immer auf Standstrom* bleibt. Die Tagesschau berichtete über Hohnlohn*.

Vielleicht sollte ich mal einen Hingeher veranstalten, bei dem lebendiges Deutsch vermittelt wird. Events sind schließlich out.

Wer sich auch mal an einer rein deutschen Geschichte versuchen möchte: Das Wortarchiv der Aktion lebendiges Deutsch bietet eine lange Übersetzungsliste für denglische oder angeblich denglische Begriffe.

(*chatten, *Brainstorming, *Mobbing, *Airbag, *Fastfood, *standby, *Dumpinglohn)

Knackig texten mit dem Textknacker

Kennt Ihr den Textknacker? Das ist eine Anleitung, mit deren Hilfe Kinder schwierige Texte erschließen können. Der Textknacker ist enthalten in der Lesemappe des Projektes „Niemanden zurücklassen – Lesen macht stark“, das in schleswig-holsteinischen Schulen die Lesekompetenz fördern soll. Der Merkzettel ist mir gerade in die Hände gefallen. Er listet in sechs Schritten auf, wie man sich einem schwer verständlichen Text nähern kann, um ihn schnell und richtig zu verstehen. Der Textknacker lässt sich aber auch umgekehrt anwenden. Als Anleitung, wie ein guter Text aufgebaut sein sollte. Ich dekliniere das mal durch.
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Das Deppenzeichen der Intellektuellen

Kürzlich – wie man sieht ein paar Tage vor Ostern – landete eine Mail aus Bregenz in meinem Postfach. „Bregenzer Garten.Kultur.Tage starten zu Ostern“ wurde dort angekündigt. Mal abgesehen davon,  dass ich nicht für die Reiseredaktion arbeite, Bregenz am anderen Ende der Republik liegt und damit auch nicht  im Erscheinungsgebiet der Lübecker Nachrichten, enthält die Mail für mich außer der Auswahl der falschen Adressaten noch ein anderes Ärgernis: ein neues Deppenzeichen.
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Die Piraten im Kopf

„Bundeswehr darf Piraten jetzt auch an Land verfolgen“, lautete eine Meldung von heute. Bundeswehr? Piraten? Verfolgen? Auch wenn die Piraten gerade wahlkämpfen, ist das doch noch lange kein Grund, ihnen Truppen auf den Hals zu schicken. Ach so, es sind gar nicht die Piraten gemeint, über die alle gerade reden. Sondern die Somalia-Piraten. Na dann.

So ist das mit Begriffen, die beinahe über Nacht eine neue Bedeutung erhalten. Nun habe ich mich gerade daran gewöhnt, dass ich bei dem Wort Piraten nicht sofort an Männer mit Enterhaken und Augenklappe denke – na ja, so sehen nicht mal mehr die Somalia-Piraten aus -, sondern an netzaffine Leute, die erfolgreich in die Politik streben. Da renne ich in die nächste Piraten-Falle, denke an Politiker, obwohl diesmal Verbrecher zur See gemeint sind. Wie gut, dass viele Medien inzwischen von Piraten und Somalia-Piraten schreiben. Damit es keine Missverständnisse in meinem Kopf gibt.

Gezieret, schimpfieret und gehenket

Heute ist Karfreitag, der höchste Feiertag der Christen. Das Wort leitet sich von „Kara“ ab, dem mittelhochdeutschen Wort für Klage oder Kummer. Der Kreuzestod Christi hat die Menschen über Jahrhunderte tief berührt und die Komponisten, allen voran Johann Sebastian Bach, zu innigen Chorälen motiviert. Musik, die ins Herz trifft. Aber es lohnt sich auch, die Texte näher zu betrachten. Auch wenn sie nicht mehr dem heutigen Sprachgebrauch entsprechen und teilweise gar grammatikalisch falsch klingen, sind sie von seltener Wucht und Ausdruckskraft.
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Kleiner Crash-Kursus für Zeitungspraktikanten

Seit 30 Jahren habe ich in wechselnden Redaktionen mit Praktikanten zu tun. Einer von zehn ist richtig gut, das Arbeiten mit ihm oder ihr macht Spaß. Doch die meisten sind Schülerpraktikanten und zu jung und zu unerfahren oder – auch das gibt es – uninteressiert. Aber egal wer da kommt, alle brauchen eine kurze Einführung ins Zeitungsdeutsch und unsere hausinternen Regeln. Und deshalb kommt hier der kleine Leitfaden für Redaktionspraktikanten und für alle, die als Vereinsschriftwart oder Pressesprecher Mitteilungen schicken.
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Brutale und unbrutale Morde

Es gibt Wörter, die sind offenbar auf ewig miteinander verbunden, so unvermeidlich kommen sie im Doppelpack daher. Man denke nur an den so oft zitierten wohlverdienten Ruhestand. Ich warte seit Jahren vergeblich darauf, dass irgendjemand einmal ganz ehrlich von einem unverdienten Ruhestand spricht. Da werde ich wohl noch lange warten müssen. Ein anderes Wortpaar ist der brutale Mord oder auch, als Verb formuliert, die Aussage, dass jemand brutal ermordet wurde. Aber gibt es auch unbrutale Morde?
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Deutsch mit Profi’l

Mir sind letztens alte Zeitschriften-Seiten in die Hände gefallen. Ich hatte sie Ende der 70er-, Anfang der 80-er Jahre aufgehoben, weil mir die Fotostrecken und die Texte darauf so gut gefielen (demnächst hier mehr davon). Was mir beim Lesen angenehm aufgefallen ist: Seitenweise wiesen diese Artikel nicht ein einziges Sprachmätzchen auf – keine Binnen-Majuskeln, keine Deppen-Leerzeichen und keine seltsamen Apostroph-Varianten. Wann nur hat die Unsitte, ganz normale Wörter so zu verhunzen, begonnen?
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Jemand Bedarfe für Verkehre?

Es gibt eine Reihe von Begriffen, die seit längerem oder auch seit Kurzem oft im Plural verwendet werden, obwohl sie an sich schon eine gewisse Menge an etwas bezeichnen. Bei einem Begriff bin ich mir selbst nicht im Klaren, ob der Plural wirklich falsch ist, bei anderen bin ich mir sicher. Es geht um Gelder, Bedarfe und Verkehre.
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Der Knast ist kein Zoo

Sie sind in den Sprachgebrauch auf ewig eingeschliffen: falsche Bezeichnungen für  Menschen einer bestimmten Berufs- oder Herkunftsgruppe. Viele fühlen sich davon verletzt oder herabgewürdigt. Meistens ist es Unwissenheit, die dazu führt, dass diese verpönten Begriffe verwendet werden. Hat man erst einmal gehört, warum eine Bezeichnung unerwünscht ist, verwendet man sie auch nicht mehr. Hier kommen die drei unbeliebtesten Bezeichnungen samt Alternativen und Merksätzen. Weiterlesen