Die alten Säcke, die Jungen und der Platztausch

Ja, ich bin ein alter Sack. Ich sitze seit mittlerweile 26 Jahren auf einer Planstelle  in einer deutschen Zeitungsredaktion. Nicht immer auf derselben, aber nach sieben Jahren als Freie in meinen jungen Jahren seitdem fest und angestellt. Ich bin die, die ihren Platz nicht frei macht, den Medienwandel blockiert und den deutschen Journalismus zu Tode aussitzt. Jedenfalls wenn ich dem glaube, was ich manchmal über Journalismus im Netz lese.
Weiterlesen

Wie viel Fachsprache darf’s denn sein?

Im Anschluss an meinem letzten Text hier zum Baumkataster hat sich eine kleine Diskussion zum Thema Fachsprache entsponnen. Wie viel Fachausdrücke dürfen in Texten vorkommen, darf man sich darüber lustig machen und haben Fachleute einen Anspruch auf ihre Fachsprache?
Weiterlesen

Schwurbeldeutsch entschwurbeln: Aus lang mach kürzer

Verwaltungen sind nicht nur für ihre überbordende Bürokratie bekannt – das liegt in der Natur der Sache -, sondern auch für verschwurbeltes Deutsch, sperrige Texte und Bandwurmwörter und -sätze. Aufgabe von uns Journalisten ist es, solche sperrigen Texte in leicht zu lesende umzuwandeln. Nicht immer ganz leicht, man muss sich weit vom Text lösen und darf sich nicht in diese Art des Schreibens hineinziehen lassen. Zum Vergleich gibt es hier nun zwei Varianten eines Textes. Die erste Variante ist die Pressemitteilung einer Gemeinde. Ich habe sie anonymisiert, schließlich will ich hier niemanden vorführen. Alle Namen sind fiktiv und kommen, Überprüfung durch Google sei dank, im echten Leben nicht vor. Es ist nicht die Aufgabe von Verwaltungsleuten, gute Pressetexte zu schreiben. Aber das Beispiel unten ist so gespickt von Schwurbeldeutsch, dass ich es hier zeigen möchte. Vor allem Wörter wie Bereich, Anlegung, bauliche Realisierung und politischer Raum zeichnen Schwurbeldeutsch aus. Hinzu kommt, dass der Aufbau nach journalistischen Standards falsch ist. Erst kommt die Vorgeschichte, dann die Nachricht. Umgekehrt wäre es richtig.
Weiterlesen

Praktikum in der Zeitungsredaktion – Herausforderung für beide Seiten

Die @99fotografen-Twitterin dieser Woche, @SaskiaSpreitzer, hat eine interessante Frage aufgeworfen. Wie gehen wir mit Praktikanten um und was erwarten Praktikanten von uns? Das bezog sich auf Fotografen, da kann ich nicht mitreden. Ich habe aber seit 30 Jahren mit Praktikanten in Zeitungsredaktionen zu tun und könnte mit Geschichten über sie ganze Abende füllen. Und wie es so ist: Wenn man lange Zeit mit einem Thema zu tun hat, gibt es Gutes und Schlechtes zu berichten.
Weiterlesen

Sieben auf einen Streich: Leute sortieren ohne Namensschilder

Journalisten sind Meister der Merkfähigkeit. Sie schaffen es spielend, Zitate Menschen zuzuordnen, deren Namen sie nicht kennen und die ihn auch nicht sagen. Sie schaffen es, sieben Leute auf einmal auseinander zu halten und mitzuschreiben, was diese sagen. Fehlerfrei und ohne irgendetwas durcheinander zu bringen. Das glaubt ihr nicht? Ich auch nicht. Und deshalb habe ich mich gerade ziemlich geärgert, denn genau das ist von mir erwartet worden. Wieder einmal ein Tag des Leidens für eine geplagte Lokalredakteuse.
Weiterlesen

Bescherung unterm Nachrichtenbaum

baum
24 Türchen sind offen. Über 24 Tage haben Udo Stiehl und ich die Basics der Nachrichtensprache unseren Lesern untern Nachrichtenbaum gelegt. Für uns beide eine interessante Zeit, der Beginn einer offenbar längeren Zusammenarbeit über hunderte von Kilometern hinweg – das Internet sei dank – und ein Projekt, mit dem wir hoffen, etwas zu bewegen.
Weiterlesen

FuE in KMU: Das Kauderwelsch der Förder-Bürokratie

Was ist Journalismus heute? Jedenfalls nicht nur das Recherchieren, Sortieren und Aufbereiten von Fakten, die fundierte Information und das Aufdecken von Skandalen und Fehlverhalten. Journalismus ist heute mehr denn je ein Übersetzungsjob. Journalisten übersetzen das Kauderwelsch von Behörden auf allen Ebenen in verständliches und lesbares Deutsch. Das ist fast schon wie das Übersetzen von Fremdsprachen.
Weiterlesen

Pressestelle. Bitte nicht stören!

Recherche läuft heutzutage in vielen Fällen über Pressestellen. Behörden haben sie, Firmen auch. Die meisten sind telefonisch erreichbar. Nur die ganz großen schotten sich zunehmend ab. Bitte nicht stören! Ärgerlich für uns Journalisten. Eine Zumutung, um genau zu sein.
Weiterlesen

Hier kommt die Presse

Ich bin nicht ich. Ich bin die von der Zeitung. Ich bin die Presse. Das höre ich jeden Tag. Seit über 30 Jahren. Noch ist meine Widerstandskraft groß genug, um mir selber sicher zu sein. Nein, ich bin nicht die Presse. Ich arbeite nur für die Presse. Ansonsten bin ich doch ich.
Weiterlesen

Fotografieren – die Freiheit des Bürgersteigs

Es gibt wieder etwas von der Reporterfront zu berichten. Ich habe hier lange nicht mehr aus meinem beruflichen Alltag geplaudert, jetzt ist mal wieder ein Bericht fällig. Darüber, wie wichtig Panoramafreiheit für Reporter ist und dass dieses große Recht auch im kleinen Lokalreporter-Alltag seine Berechtigung hat. Es gibt die Freiheit des Bürgersteigs, die Freiheit, auch dann zu fotografieren, wenn es einem verboten wird.
Weiterlesen