Hoffnung im Rotstift-Milieu

Wir Sprachnörgler können Hoffnung schöpfen. Offenbar stoßen sich immer mehr Menschen an albernem Dummdeutsch, falschen Übersetzungen aus dem Englischen und flapsigen Formulierungen,  genauso wie an falsch gesetzte Apostrophen und Bullshit-Sprache. Ich bin in jüngster Zeit auf zwei Beiträge gestoßen, die diese Hoffnung nähren.

Die schönste Geschichte kommt aus Berlin und hat in der Taz gestanden (von wo ich auch das Wort vom Rotstift-Milieu entlehnt habe). Dort sind der Bullshit Eliminator und der Slaughter of Apostrophes als linguistische Stadtguerilla unterwegs, um die Stadt zu korrigieren. In schweren Fällen schicken sie fingierte Bußgeldbescheide vom Landesamt für Orthografie und Wörterkunde. Herrlich, selten habe ich mich über einen Artikel so gefreut. Offenbar entwickelt sich da eine Bewegung für gutes Deutsch, die nicht aus Redaktionsstuben, literarischen Zirkeln oder von selbsternannten Sprachwächtern kommt, sondern von der Straße, da, wo das falsche und das falsch geschriebene Deutsch am häufigsten zu finden sind.

Meike Winnemuth feiert in ihrer Kolumne auf Stern.de derbe das Dummdeutsch aus Castingshows, von Maklern, Stadtplanern und Key-Account-Managern und schreibt, selbst Key-Account-Manager sollten nicht sprechen wie Key-Account-Manager. Recht hat sie, und ich freue mich, dass sie den Key-Account-Managern an so prominenter Stelle den Spiegel vorhält.

Schön, dass mittlerweile immer mehr Menschen anmahnen, mit unserem Deutsch achtsam umzugehen. Ja, ja, achtsam, auch so ein neues dummdeutsches Wort. Aber das ist ein anderes Thema, dem ich mich hier demnächst annehme.

3 Kommentare

    1. Ich glaube, es ging auch nicht um den Beruf an sich, sondern um die Sprache, die dort gepflegt wird. Es gibt eine ganze Reihe von Branchen, die alles daran setzt, möglichst komische Wörter zu verwenden.

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