Zappeln im Netz(werk)

Freundeln – als Gegensatz zum Fremdeln -, kreiseln, netlogen, einloggen, ausloggen, feedreadern, maillesen, surfen. Was noch alles? Dieses Web kostet nicht nur Zeit, sondern auch Gehirnschmalz. Welches Passwort wo? Was habe ich heute nicht abgerufen, wo nicht nach neuen Nachrichten geguckt, wem nicht geantwortet und seine Freundschaftsanfrage bestätigt? Will ich das? Nein, ich will das nicht? Jedenfalls nicht so?

Die Nachrichten kam ein Mal, die Erinnerung daran nun schon zum zweiten Mal: „Am Donnerstag, 20. Oktober 2011, wurdest du eingeladen, um bei Netlog, DER Community für Millionen User dabei zu sein.“ Der liebe Kollegen vom anderen Ende der Republik, der mir diese Einladung zukommen ließ, muss leider bis heute auf eine Antwort warten. Ich zögere noch, ob ich wirklich netlogen will. Auch wenn die Mail verspricht: „Vergrößere dein soziales Netzwerk.“

Nichts gegen ein größeres Netzwerk. Aber das will schließlich auch genutzt werden. Klar, das tue ich auch, mal mehr, mal weniger. Ich bin eifriger Twitterer, eher fauler Facebooker, den Google-Kreisen bin ich zwar auch beigetreten, aber so richtig intensiv drehe ich mich darin nicht. Zumal, und das liegt offenbar in der Natur der Sache, fast überall dieselben Leute unterwegs sind. Das soziale Netzwerk ist zwar größer als das im realen Leben, aber ebenfalls begrenzt. Warum also soll ich Leuten bei Google+ dasselbe mitteilen wie auf Facebook oder auf Twitter, wenn es eh immer dieselben sind? Hinzu kommt: Trete ich einem Netzwerk bei, will ich die Leute dort nicht mit Missachtung strafen und deshalb auf ihre Fragen und Mitteilungen reagieren. Alles andere wäre unhöflich und macht mir ein schlechtes Gewissen.

Das plagt mich eh oft. Wann habe ich zum letzten Mal in meinem Fotocommunity-Account vorbeigeschaut? Warum widme ich den Texten im Feedreader nicht mehr Aufmerksamkeit? Das erwarte ich doch auch von den Lesern dieses Blogs? Mindestens die Hälfte der Foren, bei denen ich mich angemeldet habe, habe ich seit einem halben Jahr nicht mehr besucht. Warum bin ich da noch? Um alle diese Angebote ordentlich zu nutzen, müsste der Tag mehr als 24 Stunden haben. Denn es gibt ja noch ein Leben außerhalb des Netzes, das auch gelebt werden will.

Je größer das Netz, umso größer die Gefahr, sich darin zu verheddern.

Besonders eng umgarnt mich gerade Facebook. Völlig überrascht habe ich festgestellt, dass mit der Synchronisation im Adressbuch meines schicken neuen Androidhandys die FB-Profilbilder auftauchen. Eigentlich hatte ich schon mit dem Gedanken gespielt, mich von Facebook zu verabschieden. Aber die netten Bildchen würde ich doch gern behalten. Und überhaupt, da habe ich immerhin die meisten „Freunde“.

Über Textvermüllung, die Quasselbude Facebook und die Zukunft von Twitter hat Petra von Cronenburg gerade ausführlich und sehr lesenswert philosophiert:

http://cronenburg.blogspot.com/2011/11/nebelwaten-medienstraucheln.html

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