Fru Öttenpötter vertellt: Hoffnungslose Wildtierrettung

Entkräfteter Bussard im Katzen-Tragekorb

Der Winter ist auf dem Rückzug. Zurück lässt er, wie jedes Mal, wenn er hart mit Frost, Schnee und eisigem Wind daher kommt, Todesopfer in der Tierwelt. Zwei Mal haben wir versucht, entkräftete Wildtiere zu retten. Es hat nicht funktioniert. Die Wildtierrettung ist beide Male hoffnungslos verlaufen.

Wer nah am Wald wohnt, muss damit rechnen, dass er zur Anlaufstelle für hoffnungslose Fälle wird. In diesem Jahr war es ein Bussard, der in unserem Garten notlanden musste. Das Tier lag völlig erschöpft vor der Terrasse. So erschöpft, dass es sich ohne Gegenwehr aufheben und nach drinnen bringen ließ. Ein herbeigerufener Freund, der Falkner ist, riet uns, den Vogel zunächst ins Warme zu bringen, damit er keine Energie mehr aufwenden muss, um seine Körperwärme zu halten. Da lag der Vogel nun in unserem Katzen-Tragekorb auf dem Fensterbrett über der voll aufgedrehten Heizung. Nicht mal den Kopf hob er. Aber er lebte noch.

Abwarten, riet der Falkner, und ihm etwas rotes Fleisch hinlegen, damit er fressen kann. Den Happen rührte der Vogel nicht an, er registrierte ihn nicht mal. Am nächsten Morgen hob er immerhin den Kopf, dann fraß er sogar ein wenig. Doch kurz darauf lag er tot im Katzen-Tragekorb.

Wir wissen nicht, was er hatte. War er nur entkräftet? War er verletzt, vielleicht beim Suchen nach auf der Straße liegendem Aas angefahren worden? Oder einfach nur von der Kälte ausgelaugt? Wir haben den toten Vogel auf den Misthaufen geworfen. Wie hätten wir ihn beerdigen sollen nach wochenlangem strengen Frost? Am nächsten Tag war der Kadaver verschwunden. Vielleicht hat der tote Bussard einem lebendigen Fuchs geholfen, wieder ein paar Tage harte Lebensbedingungen zu überstehen. Sozusagen Wildtierrettung über Bande.

Vor einigen Jahren haben wir uns schon einmal in der Wildtierrettung versucht. Damals war es ein Rehkitz, das mit zitternden Beinen im Garten stand und dort zusammenbrach. Auch das haben wir erst einmal ins Warme geholt, was sein Fehler war. Ein hinzugerufener Tierarzt wusste, dass die Rehe das nicht gut vertragen. Aber auch in der kalten Garage erholte sich das Tier nicht. Selbst dann nicht, als der Tierarzt es mitnahm und versuchte, es mittels Infusionen wieder aufzupäppeln. Am Ende verendete auch das Reh.

Das ist eben die Natur. Ob es uns Menschen passt oder nicht. Wie können offenbar nicht helfen. Wenn die Wildtiere so ermattet sind, dass sie sich von uns anfassen und aufheben lassen, sind sie längst zu schwach, um zu überleben. So einfach scheint das zu sein. Helfen wollen, aber nicht können, ist hart. Es ist aber nicht zu ändern.

Fru Öttenpötter berichtet hier in unregelmäßigen Abständen über das Leben auf dem Lande.

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