Reiten - das ist wie Fahrrad fahren

Reiten – das ist wie Fahrrad fahren

Sie hatten es mir vorher gesagt: Es ist wie Fahrrad fahren. Das verlernt man nicht. Wer einmal geritten ist, kann es für den Rest seines Lebens. So ganz mochte ich es nicht glauben, als ich mich nach 28 Jahren zum ersten Mal wieder auf ein Pferd gesetzt habe.

Wir hatten Pferde zu Hause. Erst Shetland-Ponys, dann Isländer, und ich habe reiten und laufen gleichzeitig gelernt. Ich habe als Kind auf Pferden gelebt. Mich hat nichts erschreckt und mir hat nichts Angst gemacht, was mit Pferden zu tun hatte. Ich bin oft runter gefallen, ohne dass es mir etwas ausgemacht hätte. Ich bin Reitjagden geritten, ich bin stundenlang auf dem Pferd unterwegs gewesen, entlang großer Straßen und Bahnlinien. Ich habe es genossen, auf einem durchgehenden Pferd zu sitzen, habe es einfach laufen lassen und entspannt die Geschwindigkeit genossen.

Dann kam der Beruf, und ich kam nie wieder auch nur in die Nähe eines Pferdes.

28 Jahre später. Meine Tochter lernt reiten. Ich gucke mir das an, nehme meinen ganzen Mut zusammen, fragte die Reitlehrerin, ob ich es wohl auch noch einmal wagen soll. Sie sagt, ich soll. Holt mir ein halbhohes Pferd, das ganz ruhig sei. Ich sitze auf. Und fühle mich halb gut, halb ängstlich. Ein paar Runden Schritt, dann Trab. Leichttraben. Geht prima. Ich krieg’s ohne Probleme hin. Und steige nach einer Stunde steifbeinig vom Pferd.

Muskelkater! Ich spüre Körperpartien, von denen mir nie bewusst war, dass es sie noch gibt. Das geht ein, zwei Wochen so, dann ist es vorbei. Ich reite und reite. Schritt, Trab, dann der erste Galopp. Wie habe ich das früher bloß hingekriegt, und das auch noch problemlos. Ohne Festhalten geht gar nichts. Doch, es geht. Ein paar Wochen später der erste freihändige Galopp. Kurz. Na also, geht doch.

Die Pferde sind weiter halbhoch. Ich fühle mich sicher so auf halber Höhe. Dann der Schock. Ein neues Pferd für mich. Eine Trakehner-Stute, groß, schwarz, stark. Da soll ich drauf? Ich wage es mit schlotternden Knien (was beim Reiten gar nicht geht, die Knie gehören an die Pauschen, die Unterschenkel an den Pferdebauch). Heute ist die Stute mein Lieblingspferd, ich fühle mich sicher auf ihr, sie geht perfekt an den Hilfen, reagierte auf jeden noch so kleinen Schenkeldruck und nervt mich höchstens durch ihr Phlegma. Sie an ihren faulen Tagen anzutreiben, ist richtiger, echter Sport.

Heruntergefallen bin ich noch nicht. Will ich auch nicht. Und was mich tröstet: Ein Berufsreiter in meinem Alter sagt mir kürzlich, nein, vom Pferd fallen müsse er nicht mehr. Deshalb überlasse er das Einreiten junger Pferde den jungen Pferdewirtinnen in seinem Stall. „In meinem Alter muss ich das nicht mehr haben.“ Recht hat der Mann. Den alten Reiterspruch „Wer noch nicht heruntergefallen ist, hat auch noch nicht drauf gesessen“ habe ich schließlich schon in jungen Jahren übererfüllt.

Zwischen diesen Bildern liegen über 30 Jahre

 

Reitjagd 1974 auf meiner Isländerstute Silka
Reitjagd 1974 auf meiner Isländerstute Silka
Auf dem Reitplatz 2010 auf Trakehnerstute Malaika
Auf dem Reitplatz 2010 auf Trakehnerstute Malaika

 

 

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