Schloss Bothmer – das wiederauferstandene Denkmal

Schloss Bothmer – das wiederauferstandene Denkmal

Er wollte sich damit ein Denkmal setzen: Reichsgrafen Hans Caspar von Bothmer (1656-1732) legte sein Geld im Klützer Winkel in Mecklenburg-Vorpommern an, ließ sich dort ein prächtiges Schloss bauen und legte testamentarisch fest, dass nur Männer dieses Erbe antreten dürfen, damit es auf immer mit seinem Namen verbunden bleibt. Entstanden ist eines der prächtigsten barocken Backsteinschlösser Norddeutschlands, das gerade eine Art Auferstehung erlebt hat.

Die beeindruckende Fassade von Schloss Bothmer.
Die beeindruckende Fassade von Schloss Bothmer.


Ein Sonntagsausflug hat mich heute wieder einmal nach Bothmer geführt. Ich war zuletzt 2008 dort, kurz vor Beginn der Restaurierungsarbeiten. Jetzt war wieder die Gelegenheit, das prachtvolle Schloss zu besuchen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat es in den vergangenen Jahren restaurieren lassen und dort ein Museum eingerichtet, das das Leben Hans Caspar von Bothmers aufblättert und die Geschichte des Schlosses dokumentiert.

Wer glaubt, nun ein Schloss wie aus dem Märchen vorzufinden, der wird sich wundern. Jahrzehntelang war das Gebäude zu DDR-Zeiten als Altersheim genutzt worden, und schon vorher hatten etliche Bothmers Möbel herausgenommen oder hineingetragen. Nichts ist darüber überliefert, wie das Gebäude einst möbliert war. Auch von Wandverkleidungen, Tapeten oder sonstiger Ausstattung ist nach dem Einmarsch der Russen 1945 und der Nutzung zu DDR-Zeiten nicht viel übrig geblieben.

Die Ausstellung ist weitgehend auf rotem Untergrund angeordnet. Auch ohne Plüschmöbel von anno dazumal und schlosstypische Exponate ist es eine sehenswerte Schau, perfekt aufbereitet und mit großformatigen Reproduktionen zeitgenössischer Bilder, Wandzeitungen, einem gläsernen Modell, kleinen Filmchen und grafischen Elementen überaus informativ. Dem Erbauer ist mit einer kleinen, goldenen Statuette, die dem Betrachter den Rücken zukehrt, noch ein zweites, kleines Denkmal gesetzt worden. Die Geschichte des Hauses und der Zustand zu Beginn der Restaurierung werden mit Fotos und mit kleinen Beispielen erhaltener Rudimente belegt.

Lohnenswert ist zudem die Umgebung des Schlosses. Der große Garten, durchzogen von Lindenalleen, und vor allem die Feston-Lindenallee, die zum Schloss hinab führt. Es soll die einzige Deutschlands sein. Die Gartenarchitekten haben die Linden über Jahrhunderte in eine Girlandenform gezwungen. 270 Meter lang und 250 Jahre alt ist die Allee ein einmaliges Denkmal der Gartenarchitektur.

Der Wunsch von Bothmers, sich mit dem Schloss ein Denkmal zu setzen, das auf immer mit seinem Namen verbunden ist, ist in Erfüllung gegangen. Wenn es nach 1945 auch zunächst so aussah, als sollte es damit vorbei sein, hat das Schloss doch nie seinen Zauber verloren. Jetzt, in neuer innerer und unveränderter äußerer Gestalt, dürfte es ein weiterer Anziehungspunkt in Mecklenburg-Vorpommern sein.

Die Homepage von Schloss Bothmer wird gerade umgestaltet. Informationen gibt es auf Wikipedia, ebenso über den Bauherrn. Hier steht mehr über die Festonallee. Christine Mark und Frank Burmeister haben eine informative private Seite über Schloss Bothmer ins Netz gestellt.

Übrigens ist Hans Caspar von Bothmer selbst nie auf Schloss Bothmer gewesen.

Schloss Bothmer – das wiederauferstandene Denkmal

Ein Kommentar

  1. Ich möchte noch ergänzen:
    „Als „Erster Minister für die Deutschen Angelegenheiten“ residiert Hans Caspar von Bothmer seit 1720 in einem alten Haus im politischen Zentrum Londons. Später wird es unter der Adresse Downing Street 10 bekannt.“
    Quelle:
    Die Zeit hatte gerade vor nicht langer Zeit einen ganzseitigen Artikel über von Bothmer und dem Schloss. Der Artikel ist online nachzulesen:
    http://www.zeit.de/2015/25/schloss-bothmer-mecklenburg-restaurierung

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