Der Islandpullover – ein nationales Heiligtum

Ich hatte als Jugendliche einen Islandpullover. Ich friere immer, und ich kann mich gut daran erinnern, dass er schön warm hielt. Als ich jetzt in Island war, musste natürlich unbedingt ein Islandpullover her. Am Ende ist es eine Strickjacke geworden, weil sich die einfach besser überziehen lässt. Bei meiner Suche und meiner Reise habe ich nicht nur eine Islandjacke erstanden, sondern auch viel über diese Kleidungsstücke und ihr Geheimnis gelernt.

Ragnheiður Eiríksdóttir, genannt Ragga
Ragnheiður Eiríksdóttir, genannt Ragga

Ragnheiður Eiríksdóttir, genannt Ragga, hat ihre Liebe zu den Pullovern und zum Stricken zum Beruf gemacht und die Firma Knitting Iceland gegründet. Ragga gilt als Islands Strickliesel Nr. 1 und bietet Stricktouren an. Bei ihr lernt man das Stricken der Islandpullis mit ihrem runden Halskragen-Muster. Bei den Touren kombiniert sie das Stricken lernen mit Besuchen bei Farmern und ihren Schafen und Ziegen, aber auch mit dem Besuch von Musikfestivals und mit Yoga. Die Touren sind immer etwas anders zusammengesetzt. Dazu gibt es viel Natur zu sehen. Die Teilnehmer der Knittingtouren kommen aus den USA – dort gibt Ragga Strickkurse -, aus Kanada und Neuseeland. Und manchmal sind auch mal Männer dabei, bisher waren drei die höchste Zahl bei den Kursen, die zwischen zehn und 20 Teilnehmer haben, in erster Linie Teilnehmerinnen.

„Es gibt nicht viele Orte, wo die Leute die lokale Kleidung oft und gerne tragen“, sagt Ragga. „Hier ist es so“, berichtet sie in ihrem Atelier in Reykjavik, und wer durch die Straßen geht, sieht diese Behauptung bestätigt. Isländer tragen Islandpullover und Islandjacken. Oft und fast überall.

Das besondere an Kleidung aus Islandwolle ist ihre Zusammensetzung. „Lopi“ heißt die Kombination aus der warmen und weichen Unterwolle der Schafe und der langen und wasserabweisenden Überwolle, die Ragga liebevoll als Regenjacke der Schafe bezeichnet. Aus beiden Wollarten werden die Fäden gesponnen, so dass die Wolle wärmt und trocken hält.

Seit Jahrhunderten werden aus dieser Wolle die typischen Pullover gestrickt. Einfarbig mit einer breiten gemusterten Kragenpasse. Dazu kommen bei einigen Modellen noch Schmuckborten an den Ärmelabschlüssen und am Saum. Dieses Design ist ziemlich einheitlich, den Unterschied machen die Farben, das Muster und die Breite der Passe aus.

Dass es auch anders geht, kann man im Markaður, dem Wollmarkt von Seyðisfjörður im Osten Islands sehen. Der Laden verkauft Strickwaren, die in einer angeschlossenen Behindertenwerkstatt hergestellt werden. Natürlich gibt es auch dort die traditionellen Islandpullover. Dazu Mützen, Pulswärmer, Schals, Umschlagtücher, eben alles, was sich aus Wolle stricken lässt.

Aber der Laden bietet auch kreative Mode an, hergestellt aus Islandwolle. Was sich mit etwas Phantasie alles aus diesem Werkstoff machen lässt, davon zeigen die Auslagen des Geschäftes. Sehr flott, diese Kleidung.

Leider hat der Markaður-Wollmarkt keinen Onlineverkauf.

Alles rund um den Island-Pullover gibt es außerdem bei der Handknitting Association of Iceland.

Alafoss ist die größte Wollfabrik Islands.

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