Chapeau, Frau Schapowalow

Sie ist eine der bemerkenswertesten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts – und beinahe wäre sie vollends vergessen worden. Erst jetzt erleben die Fotos von Susanne Schapowalow eine Renaissance. Am 29. Januar feierte die Lady, die das Auge des Jazz war, ihren 90. Geburtstag.

Susanne Schapowalow feierte ihren 90.Geburtstag


Das schönste Geschenk hat sie bereits im November erhalten: Erstmals wurde jetzt, Jahrzehnte nach ihrer großen Zeit als Jazz-Fotografin, ihr fotografisches Lebenswerk in einem großartigen und großformatigen Bildband gewürdigt. Er trägt den Titel „Sophotocated Lady“ , in Anlehnung an den Duke-Ellington-Titel „Sophisticated Lady“.

Das Buch enthält Jazzfotografien aus den Jahren 1948 bis 1965. Susanne Schapowalow fotografierte sie alle mit ihrer zweiäugigen Rolleiflex mit 135 Millimeter Festbrennweite. Sie arbeitete ohne Blitzlicht – „dann wäre die Stimmung weg gewesen“ – und ohne Belichtungsmesser, verließ sich nur auf ihr Auge. Ihre Fotos entstanden allein mit dem available Light, dem verfügbaren Licht. Und sie arrangierte nichts, hielt sich stets im Hintergrund, als sie die großen Stars des Jazz der 40er-, 50er- und 60er-Jahre traf, damals in Hamburg.

So entstanden eindringliche Schwarzweiß-Porträts. Sie zeigen die Musiker versonnen, entspannt, fröhlich oder albern. Mit bewusstem Einsatz des Schärfepunktes oder eines Lichtscheins arbeitete Susanne Schapowalow Details heraus. Zugleich sind ihre Porträts Zeugnisse von Mode und Lebensart der damaligen Zeit. Typisch etwa: Auf beinahe jedem zweiten Foto wird geraucht. So zeigt eines der Fotos den Querflötisten Les Spann, Mitglied der Quincy-Jones-Bigband, der beim Spielen eine Zigarette zwischen den Fingern hält. Heute undenkbar.

Les Spann Foto: Susanne Schapowalow

Susanne Schapowalow, die ihren ungewöhnlichen Namen ihrem russischen Ehemann verdankt, wurde in Berlin geboren, wuchs ab ihrem 14. Lebensjahr in Hamburg auf und absolvierte mit Anfang 20, noch im Krieg, in Hamburg eine Lehre als Porträtfotografin. Über den damaligen NWDR (heute: NDR) bekam sie Zugang zu den in Deutschland gastierenden Jazz-Stars. Das war damals viel einfacher. Es gab keine Security und kaum Fotografen. Außerdem gelang es der hübschen und eleganten Frau, stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. „Im Großen und Ganzen habe ich Glück gehabt.“

Die Lady hat genossen und schweigt. Sie erzählt nichts über die Stars, ihre Fotos sprechen für sich. Nur über einen sagt sie einen persönlichen Satz: „Quincy war ein schöner Mann. Wir waren sehr gut befreundet.“ Quincy, das ist Quincy Jones, den sie monatelang auf seiner Tournee begleitete und der ihr heute noch verbunden ist. Für ihr Fotobuch hat er eine Widmung verfasst: „You will always have an apartment in my heart. Küsschen, Quincy.“

Die Widmung von Quincy Jones

Mit dem Ende der Jazzfotografie endete die Karriere der Susanne Schapowalow noch lange nicht. Sie fotografierte für alle großen Magazine, für den „Spiegel“, für „Geo“, für den „Stern“. 1980 gründete sie ihre eigene Fotoagentur für Reisefotografie, die sie 2003 verkaufte. Die Agentur trägt noch heute ihren Namen: Bildagentur Schapowalow.

Susanne Schapowalow lebt im ostholsteinischen Malente. Die Kamera nimmt sie nur noch selten zur Hand. An den Wänden ihrer Wohnung hängen ihre Lieblingsbilder. Ihr 11 000 Fotos umfassendes Archiv wird gerade aufgearbeitet und digitalisiert. An die Zeit, als sie das Auge des Jazz war, erinnert sich die feine alte Dame mit den freundlichen großen Augen immer noch gern: „Ich habe das genossen.“

Zu ihrem 90. Geburtstag habe ich ausführlich in den Lübecker Nachrichten über Susanne Schapowalow geschrieben.

 

Selbstproträt im Spiegel Foto: Susanne Schapowalow

 

Miriam Makeba Foto: Susanne Schapowalow

 

Louis Armstrong Foto: Susanne Schapowalow

Achtung: Die Fotos, die Susanne Schapowalow gemacht hat, sind für Pinterest gesperrt.

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