Mendelssohn: Musik und Text im Einklang

Heute ist Konzert-Tag. Um 17 Uhr singt der St-Johannes-Chor in der Dreifaltigkeitskirche in Lübeck-Kücknitz drei Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy und ich darf dabei sein. Mendelssohn ist wunderbar, und die drei Stücke gehören zum Schönsten, was seine Chorliteratur zu bieten hat.

Los geht es mit „Verleih uns Frieden“, ein Stück, das bei Kirchenchören zum Standardrepertoire gehört. Dann kommt mein Lieblingsstück: „Hör mein Bitten“, von mir gern ins Plattdeutsche persifliert: „Hör mal’n beten to.“

Felix Mendelssohn: Hör mein Bitten – live – Stuttgarter Kantaten-Ensemble

So viel Flappsigkeit hat dieses schöne Stück allerdings nicht verdient. Es ist eine wunderbare Symbiose zwischen Text und Musik. Beim Singen habe ich an beidem Freude. Vorlage ist der Psalm 55, daraus hat ein unbekannter Librettist einen wunderbaren Text gemacht:

Hör mein Bitten, Herr, neige dich zu mir,

Die Feinde sie drohn, und heben ihr Haupt:
„Wo ist nun der Retter, an den ihr geglaubt?»
Sie lästern dich täglich, sie stellen uns nach,
und halten die Frommen in Knechtschaft und Schmach.

O könnt ich fliegen wie die Tauben dahin,
weit hinweg vor dem Feinde zu fliehn!
In die Wüste eilt ich dann fort,
fände Ruhe am schattigen Ort.

Vor allem die letzte Strophe mit den Tauben und dem schattigen Ort ist wunderbar in Musik umgesetzt und macht richtig Freude.

Höhepunkt und letztes Chorstück des Konzerts ist der berühmte Hirsch. „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“ ist ein Kirchenmusik-Hit, der immer wieder gut ankommt. Was für eine kraftvolle musikalische Interpretation des 42. Psalms. Und was für eine Herausforderung für Chorsänger, vor allem der letzte Satz „Was betrübst du dich meine Seele.“ Gut, dass er am Schluss des Werkes und des Konzertes steht. Vor allem Sopranistinnen wie ich sind am Ende völlig aus- und abgesungen. Es ist anstrengend, aber wunderschön.

Wie der Hirsch schreit – Psalm 42 Teil 7 (Schlusschor) ,Mendelssohn (Kunstkopfaufnahme)

Ich freue mich schon sehr auf das Konzert. Es ist immer ein besonderes Erlebnis, mit Solisten und Orchester so ein großes Werk aufzuführen.

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