Gullydeckel und fotografierte Nummernschilder

Ich staune oft, welche Themen die Menschen bewegen. Ein gewisser Gradmesser ist Twitter. Nun ja, der Dienst ist nicht der Nabel der Welt. Aber dort tummeln sich doch viele Leute, die sich um allerhand Dinge Gedanken machen. Besonders rege ging es für mich zuletzt bei den Themen Gullydeckel und dem Fotografieren und vor allem Veröffentlichen von Autokennzeichen zu.
Gullydeckel

Verena Birchler sucht auf Twitter für ein bestimmtes Projekt Dolendeckel. Dolendeckel? Nie gehört. Zum Glück hat sie ein Foto hinzugefügt, so dass ich den Dolendeckel sofort als Gullydeckel identifizieren konnte. Eine Nachfrage, ob das eine regionale Bezeichnung sei, ergab, dass das Wort offenbar dem Schweizerdeutschen zuzurechnen ist. Ein anderer Twitterer teilte mit, auch im Schwäbischen hießen die Gullys Dolen und die Ratten folgerichtig Dolenflitzer. Schön. Übrigens ist Gullydeckel offenbar nicht ganz korrekt, es müsste Kanalschachtdeckel oder Kanaldeckel heißen.

Geliebte Gullydeckel

Wie sehr die Deckel die Menschen bewegen, beweist schon die Tatsache, dass Verena auf ihren Aufruf, ihr Fotos davon zu schicken, 157 Antworten bekommen hat. Auch außerhalb dieser direkten Kommunikation wurde das Thema eifrig diskutiert. Zu Recht. Die gusseisernen Deckel haben sich inzwischen zu Visitenkarten vieler Städte gemausert. Es gibt dort wahre Schönheiten, die einfach so im Boden versenkt liegen und achtlos betreten werden. Zumindest von der Mehrheit der Fußgänger. Viele andere scheinen ihre Freude daran zu haben und sie sogar oft zu fotografieren, wie die Resonanz auf Verenas Aufruf zeigt. Dass auch andere die Deckel wertschätzen zeigt die Tatsache, dass regelmäßig der „Goldene Gullydeckel“ verliehen wird.

Auto ganz privat?

Ein anderes heiß diskutiertes Thema hat Donnerradel aufgeworfen, nach eigenen Worten Kampfradler aus Notwehr. Er hat ein Auto fotografiert, das auf einem Radweg parkte, und zwar mit lesbarem Kennzeichen. Im Tweet heißt es, der Fahrer habe ihn beschimpft. Er dürfe das Auto nicht fotografieren, das sei privat. Antwort eines anderen Twitterers: „Wenn du willst, dass deine Karre privat bleibt, sperr sie in eine Garage.“

Ist das Veröffentlichen von Autokennzeichen tatsächlich nicht erlaubt, weil es ein Eingriff in die Privatsphäre ist? Ich erinnerte per Tweet daran, dass das mal durchgeklagt wurde. Offenbar gibt es ein Urteil des OLG Kassel dazu. Das allerdings ist in Zeiten vor der neuen Datenschutzverordnung gefällt worden. Sicherheitshalber halte ich es stets so, dass ich Kennzeichen verpixele.

Diskutiert wurde auch die Frage, ob eine direkte Verbindung von Kennzeichen und Fahrzeughalter gegeben ist. Für Otto Normalbürger ohne Zugriff auf die Zulassungsdaten wohl nicht. Was es aber gar nicht gibt, und auch darauf wurde hingewiesen, ist eine direkte Verbindung von Kennzeichen und Fahrer. Wir wissen also nicht, wer sich verkehrstechnisch wie die Axt im Wald benommen hat, als er das fotografierte Auto auf dem Radweg abstellte. Es muss jedenfalls nicht der Halter gewesen sein.

Und wo liegt jetzt die Verbindung zum Gully? Ganz einfach: Genauso wenig wie auf dem Radweg dürfen Autos auf Gully- oder Schachtdeckeln abgestellt werden, jedenfalls nicht länger als drei Minuten. So steht’s im § 12, Absatz 3 der Straßenverkehrsordnung.

4 Kommentare

  1. Warum verpflichtet uns der Gesetzgeber nicht, unseren Namen und andere persönliche Daten, verschlüsselt aber offen sichtbar, zu tragen? Wer meine Daten unverschlüsselt haben möchte, muss ein berechtigtes Interesse daran nachweisen. Das würde die Täter- und Partnersuche erheblich erleichtern!
    Anders ist es ja heute bei den Kfz-Kennzeichen auch nicht. Warum gibt das Kfz-Kennzeichen Anderen Hinweise auf meinen möglichen Wohnort? Auf das Bundesland, in welchem ich wohne? Andere Länder, wie Schweden, sind da weiter. 3 Buchstaben, 3 Zahlen. Das wars. Sogar Wunschkennzeichen sind in Schweden frei gestaltbar. Boss, Knast, Ole oder King hab ich schon gesehen.

    1. Dafür kann allerdings in Schweden jedermann die Halterdaten offen abrufen. Bitte mehr Vorsicht bei Vergleichen zwischen Ländern.
      Was ich mich frage ist, warum wir für unsere Kennzeichen „Blechplatten“ brauchen, die fast doppelt so groß sind wie in den USA?

    2. So einfach ist das mit dem Hinweis auf Wohnort und Bundesland nicht mehr, seitdem man sein Kennzeichen bundesweit mitnehmen darf. Ein Kollege fährt schon seit Jahren mit einem Berliner B durch Ostholstein, bei uns im Dorf sind Leute mit Kennzeichen von Konstanz und dem Frankfurter Umland unterwegs. Andererseits haben wir heute alle ein lebenslanges Kennzeichen, mit dem wir deutlich leichter zu identifizieren sein dürften als zu Zeiten, als es noch regelmäßig gewechselt wurde.

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