Mein Altersruhesitz ist zu verkaufen

Französisches Bauernhaus am Nordzipfel des Perigord

Es sollte mein Ruhesitz fürs Alter oder zumindest mein Zweithaus für später werden. Doch jetzt ist das alte Bauernhaus meiner französischen Famille zu verkaufen. Weg aus dem Familienbesitz ist es bereits seit zwei Jahren.

Das Bauernhaus liegt am nördlichsten Zipfel des Perigord, in Bussière-Galant Gare (Gemeinde
St. Pierre de Frugie, Departement Haute-Vienne). Es gibt noch Bussière-Galant Bourg. Das ist der Hauptort, Gare der Nebenort, in dem der Bahnhof liegt, weil die Eisenbahnstrecke den Hauptort nicht quert. Rund um den Bahnhof hat sich ein eigenes kleines Dorf gebildet, und mittendrin liegt das Bauernhaus meiner Schwiegerfamilie. Dort lebten Mémé (Oma) und Pépé (Opa), den ich nicht mehr kennengelernt habe. Nach dem Tod der Großmutter blieb das Haus im Besitz der Kinder, die dort nicht lebten, es aber genauso pflegten wie die dazu gehörenden 4,6 Hektar Land samt Gemüsegarten und großem Teich.

Bei jedem Frankreich-Besuch war ich in Bussière. Das war ein festes Ritual. Und immer hat mich das Haus, in dem sich seit Jahrzehnten nichts mehr verändert hat, fasziniert. Da stand noch ein Telefon mit Wählscheibe, ein Radio mit magischem Auge, stoffbezogenem Lautsprecher und weltweiter Sender-Skala, Betten und Schränke aus dunklem Holz und auf dem Dachboden eine verstaubte Mobylette, eine Art E-Bike der 1950er-Jahre von der Firma Motobécane.

Die Mobylette auf dem Dachboden.
Die Mobylette auf dem Dachboden.

Die Räume wirkten allesamt wie Teile eines Museums. Mein besonderer Liebling war die Küche mit ihrem altväterlichen Charme, dem großen Tisch, dem Vitrinenschrank und dem Spülbecken aus Stein.

Die Bauernhaus-Küche. Hinter dem Ofen verbirgt sich der alte Kochkamin.
Die Bauernhaus-Küche. Hinter dem Ofen verbirgt sich der alte Kochkamin.

Nicht weniger Charme strahlten die Schlafzimmer aus, vor allem das von Mémé und Pépé, das nahezu im Originalzustand erhalten geblieben ist.

Blümchentapete und dunkle Holzmöbel: Das Schlafzimmer der Großeltern.
Blümchentapete und dunkle Holzmöbel: Das Schlafzimmer der Großeltern.

Ein Zimmer, das mir weniger gefallen hat und das nie benutzt wurde, war der Salon. Früher lebten die Menschen in der Wohnküche, schliefen in den Chambres, aber der Salon war nie Mittelpunkt des Lebens. Hierhin wurden nur Gäste geführt, mit denen man dann steif beieinander saß. So sah der Salon auch aus.

Der Salon, ganz und gar uncharmant und mit giftgrüner Gummipalme.
Der Salon, ganz und gar uncharmant und mit giftgrüner Gummipalme.

Das alles ist längst Vergangenheit. Vor zwei Jahren entschlossen sich die drei Kinder der Großeltern, mittlerweile alle selbst 80 Jahre und älter, sehr zu meinem Leidwesen, das Haus zu verkaufen. Ein Makler wurde beauftragt, und bald darauf kaufte eine Engländerin das Haus, um dort zu leben und Pferde zu halten. Vielleicht hatte sie aber auch von Anfang an ganz andere Pläne.

Denn jetzt plötzlich ist das Haus in einem Immobilien-Portal aufgetaucht. Dort ist auch zu sehen, wie es heute von innen aussieht. Die Küche ist modernisiert, die Mobylette vom Dachboden verschwunden. Stattdessen ist dort ein weiteres Schlafzimmer eingerichtet worden. Und der Salon sieht jetzt tatsächlich wie einer aus.

Bussière ist für uns für immer verloren. Nichts ist es nun mit dem Altersruhesitz in einer Gegend, die nicht so kalt ist und wo die Winter nicht so lang sind wie hier in Norddeutschland. Schade. Immerhin: Das alte Radio aus der Küche steht jetzt bei uns im Wohnzimmer. Ich habe es vor dem ersten Verkauf noch gerettet.

alte Radio in modernem Ambiente
Das alte Radio ist aus der französischen Bauernküche ins norddeutsche Wohnzimmer umgezogen.

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