Foto-Geschäftsidee seit 50 Jahren: Luftbild vom Bauernhof

Das Luftbild aus Bussière, aufgehängt in unserem Flur.

Ein Haus ist mehr als ein Zuhause, ein seit Generationen der Familie gehörender Bauernhof schon sowieso. Außerdem liegen Bauernhöfe nicht inmitten eines Häusermeers wie Stadthäuser. Von all diesen Komponenten lebt seit Jahrzehnten ein besonderer Zweig der Profi-Fotografie: Luftbild-Fotografen.

Das Phänomen der Bauernhof-Luftbilder ist offenbar länderübergreifend. Die Bilder hängen in so vielen Bauernhäusern, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich.

Aus Bussière gerettet habe ich nicht nur das alte Radio, sondern auch das Luftbild vom Hof. Gerahmt hing es dort, bis wir es vor zwei Jahren mit nach Deutschland nahmen, wo es jetzt in unserem Flur einen Platz gefunden hat. Ein ähnliches Luftbild hängt auch im Bauernhaus von Tatie (Tante) Nicole. Offenbar ist vor einigen Jahrzehnten ein Vertreter mit diesen Bildern von Hof zu Hof gefahren und hat sie an den Mann gebracht.

Eine Idee, die offenbar funktioniert hat, denn ich habe in vielen Bauernhäusern diese Fotos gesehen. Und sogar hier bei uns im Dorf hier in Deutschland sind sie zu finden.

In einem Landwirtschaftsforum erzählen Bauern, dass schon in den 1950er-Jahren (sogar aus einem Doppeldecker) und in den 1960er-Jahren solche Bilder entstanden und verkauft worden sind. Damals waren Luftbilder noch etwas besonders, weshalb viele Bauern zugriffen. Offenbar über Jahrzehnte hinweg wurden ihnen immer mal wieder ein Foto angeboten. Das geht bis heute, nur dass jetzt natürlich kein Doppeldecker mehr über Scheune und Misthaufen fliegt, sondern eine Drohne, ein Helikopter oder ein „Luftmoped“, ein Ultraleichtflieger.

Ein solches Foto kann aber offenbar auch eine große Investition sein. So berichten in besagtem Forum Landwirte von einem Bild, 50 mal 70 Zentimeter und gerahmt, für 700 Euro. Ganz schön happig. Es geht aber auch billiger, wie andere schreiben.

Dass die Geschäftsidee auch in Zeiten von Google-Earth. Google-Maps und Satellitenaufnahmen im Netz weiter funktioniert, ergibt ein bisschen Internetrecherche. Luftbilder-Discounter zum Beispiel fliegt auf Bestellung und macht auf seiner Homepage genaue Angaben, auch hinsichtlich der Aufstiegsgenehmigung und der Information der örtlichen Polizeidienststellen. Allerlei Luftfotos, sogar bereits im Archiv zum Aussuchen, bietet Luftfotos.de an. Skyfoto.net bietet nicht nur Hausfotografie von oben an, sondern erinnert auch an die Zeiten der Bauernhof-Luftfotografen. „Fast alle meiner Kunden erinnern sich an die Zeiten, als ein Luftbildfotograf durch den Ort ging und spektakuläre Luftbilder des eigenen Hauses anbot“, heißt es auf der Homepage.

Vorher gefragt haben die Luftbild-Fotografen vor den Aufnahmen nicht. Ob das so zulässig ist, darüber gibt es beim DSLR-Forum eine Diskussion. Am besten gefällt mir der Hinweis, bei fehlendem Einverständnis den Satz „“urheberrechtlich geschütztes Haus und Grundstück, fotografieren verboten“ aufs Dach zu pinseln.

Meine französischen Schwiegergroßeltern haben das nicht gemacht, sie haben sich über das Luftbild ihres Hofes gefreut und es gekauft. Wann das war, weiß ich nicht, ich schätze in den frühen 1970er-Jahren. Jetzt freue ich mich jeden Tag, wenn ich daran vorbeigehe. Das Haus ist weg aus dem Familienbesitz, das Foto aber bleibt.

Offenlegung: Ich habe von keiner der genannten Luftbildfirmen einen Auftrag für diesen Blogpost bekommen und bin nicht dafür bezahlt worden. Mich hat einfach nur das Thema interessiert.

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