Schnappatmung im Vorwort

„Mich deucht, da fleucht etwas.“ Das würde heute niemand mehr schreiben. Es ist veraltetes Deutsch, ich weiß nicht, aus welchem Jahrhundert. Wer nun aber glaubt, alles, was im 20. Jahrhundert geschrieben wurde, komme uns nicht so fremd vor wie das aus den Jahrhunderten zuvor, der irrt. Auch jüngere Textpassagen können ein wenig seltsam klingen. Zumal wenn es auch noch um eine Fachsprache geht.

Das Heft stammt aus dem Jahr 1977, enthält Noten für Kirchenchöre und ist vom Herausgeber im Vorwort mit Hilfen für die Aufführungspraxis versehen worden. Dort finden sich die Sätze, die uns heute ungewohnt vorkommen. Andererseits sind sie beinahe so melodiös wie die Musik. Ich mag sie.

„Peinliches Beachten der Dynamik.“

Gut, Dynamik sollte immer beachtet werden, aber wie macht man das peinlich? Müsste es nicht heißen „peinlich genaues Beachten der Dynamik“?

„Strahlendes Forte, bewegtes Tempo.“

Bewegtes Tempo ist eindeutig, strahlendes Forte ein guter Hinweis an weniger kultiviert singende Chöre. Forte muss nicht immer mit Brachialgewalt daherkommen, es darf gerne strahlen.

„Auf keinen Fall darf ein Schnappatem in der Triole stattfinden.“

Alles klar, am besten gar nicht atmen.

„Die Chorkoloraturen sind weich gebunden zu singen, nicht gestoßen.“

Und bitte auf keinen Fall zwischendurch Schnappatem.

„Zurücknahme der zweite Silbe des Wortes , Herren‘ ratsam.“

Das ist etwas, was Chören immer wieder ins Stammbuch geschrieben wird, zu Recht. Erstens kommen Zeilen wie „Danket dem Herren“ oder ähnliches immer wieder vor, zweitens neigen Sänger dazu, vom HerrEN zu singen. Hallelujaaaaa.

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