Das Panzermuseum in Munster: Technische Monster in Massen

Das Panzermuseum in Munster: Technische Monster in Massen

In Niedersachsen, gar nicht weit von der A7 entfernt, liegt das Deutsche Panzermuseum Munster. Ein Abstecher dorthin lohnt sich, nicht nur für Freunde des Militärs. Das Museum bietet geballte Kriegstechnik, stählerne Kolosse von 1916 bis in die Gegenwart. Beeindruckend, monströs und ein bisschen beängstigend.

Wotan im Schlamm

Los geht es mit ein bisschen Kavallerie, dem Vorläufer der Panzertruppen und Aufklärer, im Flur zu den eigentlichen Ausstellungshallen. Dort habe ich gelernt, dass der Steigbügel im 8. Jahrhundert aufkam und dem berittenen Soldaten von da an die Möglichkeit gab, seinen ganzen Körper einzusetzen, um der Lanze mehr Stoßkraft zu verleihen. Von der Kavallerie geht es im großen Sprung zum ersten deutschen Panzer, dem „Sturmpanzerwagen A7V“ von 1916. Es ist ein Nachbau, weil von diesem Modell nur noch ein Exemplar existiert. Das mit „Wotan“ beschriftete Ungeheuer ist in eine Kriegsszenerie aus dem 1. Weltkrieg gesetzt worden: Stacheldraht, Schlamm, Stahlhelme, Geschosshülsen. „Wotan“ ist der einzige Panzer, der in eine solche Szenerie eingefügt wurde. Hat man ihn passiert, reiht sich in mehreren Hallen Monster an Monster, meistens in Reih und Glied aufgefahren.

Hilfreiche Erläuterungen

Das Museum lässt seine Besucher nicht mit den Panzern allein. Texttafeln, historische Filmausschnitte und Fotos geben ergänzende Erläuterungen, die sehr hilfreich sind. So erfährt der Besucher, dass die Panzer durchaus ihre Schwachstellen hatten: nicht an der Panzerung, sondern bei Motor und Getriebe, die die Ungeheuer nicht so bewegen konnten, wie es sich die Militärs vorstellten. Oder aber die Fahrzeuge waren zu anfällig und mussten oft repariert werden. Gelernt habe ich auch, dass Panzerketten keinesfalls nur im unteren Teil, anstelle von Rädern, verwendet werden. Ersatzketten-Stücke wurden als zusätzliche Panzerung auch an der Außenhaut angebracht.

Waren die Panzer also doch nur zahnlose dicke Dinger? Keineswegs. Das Museum zeichnet die Entwicklung der einzelnen Modelle über den 2. Weltkrieg, NVA und Bundeswehr bis heute nach, geizt nicht mit Informationen über das Können oder die Schwächen der einzelnen Modelle. Für Laien ist das auch nötig, denn irgendwie sehen die Panzer alle gleich aus – riesige Stahlungetüme mit Ketten drunter, Türmen drauf und einer Farbe zwischen hell- und dunkelolivgrün-tarngefleckt.

Einfach-so-da-Panzer

Bei so vielen olivgrünen Monstern von fast immer gleicher Statur kommt leicht etwas Ermüdung auf, aber das mag nur mir persönlich so gehen. Nach dem WKI-Szenario für Wotan stehen die Panzer in diversen Hallen nur einfach so da, mit wenigen Ausnahmen. So symbolisiert etwa die Pappsilhouette eines Steinewerfers in der Halle mit den Nachkriegspanzern, wie die beim 17.-Juni-Aufstand in der DDR gegen Demonstranten eingesetzt wurden.

Nach Wotan hatten die Panzer Tiernamen. In der Ausstellung vertreten sind alle bekannten: Tiger, Leopard, Brummbär (der sieht auch so aus), Keiler und Fennek, um nur einige zu nennen. Andere Panzer tragen einfach nur den Namen Panzer, gerne auch Panzerkampfwagen, mit irgendwelchen Nummern oder Buchstaben dahinter.

Ergänzt wird die Panzerschau durch eine kleinere Ausstellung mit dem Titel „Elemente des Krieges“. Darin werden Pistolen und Gewehre, Orden und Schulterstücke und Uniformen gezeigt. Außerdem enthält die Schau Fotos von Toten und Verletzten mit den Wunden, die ihnen die ausgestellten Waffen zugefügt haben. Um niemanden zu zwingen, diese Bilder anzusehen, sind sie mehrfach gesichert: Erst wer eine Klappe und danach eine Schublade öffnet, kann sie sehen. Das ist gut gemacht. Diese Fotos sind aber leider der einzige Hinweis, dass die Exponate im Museum eben nicht nur technische Monster sind, sondern dass sie Tod und Verderben bringen. Der Gedanke, wie viel Leid Kriege über Menschen bringen, bleibt weitgehend ausgeblendet.

Fazit

Das Panzermuseum ist ein hervorragender Ort für Menschen, die sich für schwere Technik und für Kriegsgerät interessieren. Auch Menschen mit weniger Interesse dafür kommen auf ihre Kosten. Mit einer Aufenthaltsdauer von etwa zwei bis drei Stunden ist es ein Museum, dass sich leicht als Abstecher in eine Fahrt auf der A7 einbauen lässt.

Alle Informationen zum Besuch im Deutschen Panzermuseum stehen hier.

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Das Panzermuseum in Munster: Technische Monster in Massen

2 Kommentare

  1. Dass es jetzt mehr Infos zu den Panzern und umzu gibt, ist auch Ergebnis der Ausstellungsüberarbeitung. Vorher war es noch mehr nur eine Aneinanderreihung von Panzern (aber gut, deswegen ist es ja auch ein Panzermuseum, anders als das Militärhistorische Museum in Dresden, das einen ganz anderen Zugang hat).
    Etwas lebendiger wird der Laden zur Modellbaumesse an Pfingsten und zu „Stahl auf der Heide“ mit fahrendem Gerät.

    1. Hallo Nessa,
      danke für Deinen Kommentar. Offenbar kennst Du das Museum gut. Ich muss gestehen, dass Panzer nicht unbedingt das sind, was mich am meisten reizt, aber es war schon ein interessanter Besuch. Am Ende war ich etwas erschlagen von soviel olivgemusterten Monstern.

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