Wie es kommt, dass die Kinder Ostereier suchen

Ein Märchen, das meine Großmutter Käthe Frege (1901-1968) Palmarum 1963 am Thuner See in der Schweiz für ihre damals sechs Enkelmädchen ersonnen hat. Mit diesem Märchen wünsche ich allen Lesern frohe Ostern.

Das Märchen erzählt auch, warum die Osteier bunt sind und wer sie angemalt hat. Foto: Katharina Ziedek
Das Märchen erzählt auch, warum die Ostereier bunt sind und wer sie angemalt hat. Foto: Katharina Ziedek

Die gute alte Henne Hedwig lebte mit ihrem Hahnenmann Zacharias am Rande eines Waldes. Dort stand ein alter, dicker und hohler Baum, worin sie es sich den Winter über recht gemütlich gemacht hatte. Wenn Zacharias, der Hahn, auf die Äste hinaufflog, überblickte er eine große schöne Wiese, auf der im Sommer die Kühe weideten. Seine Frau Hedwig war schon recht fleißig gewesen und hatte ein ganzes Nest voll Eier gelegt. Jetzt freuten sie sich auf alle die kleinen gelben Kükenkinder, die mit ihrer Mama auf der großen Wiese voller Blumen, Käfer, Mücken, Fliegen, Würmchen spazieren gehen sollten. Aber am Waldesrand, dort, wo die Sonne nicht so schnell hinscheint, weil die großen Bäume zu viel Schatten geben, dort lag immer noch Schnee, und nicht einmal die Schneeglöckchen, Himmelsschlüssel und Anemonen wagten ihre Köpfchen in die Höhe zu heben, um nachzusehen, ob der Frühling noch nicht bald da sei. Da machte sich die Henne Hedwig doch rechte Sorgen, ob es den schon warm genug sei, wenn ihre Kükenkinder aus den Eiern ausgeschlüpft seien. Deshalb sagte sie zu ihrem Manne Zacharias: „Mein lieber Hahnengockel, gehe doch einmal um den dicken Baum herum zu Familie Hase und bitte sie, zu uns zu kommen. Sie sind so gefällige Leute und werden mir meine Bitte nicht abschlagen.“

Zacharias liebte seine Frau sehr, und weil er wusste, dass sie auch sehr klug war, tat er, was sie wünschte. Am Nachmittag kamen Hasens dann alle herüber, und während ihnen die Henne einige zarte Baumwurzeln zum Knabbern freischarrte, schüttete sie ihr sorgenvolles Herz aus. „Wenn ich jetzt zu brüten anfange, dann schlüpfen meine Kinderchen in wenigen Tagen aus dem Ei. Doch dann ist es noch nicht warm, und wir finden nichts Zartes zum Fressen für die Kleinen. Wärmen könnte ich sie schon unter meinen Flügeln, aber sie werden verhungern, wenn sie bei dem kalten Wetter draußen nichts finden; deshalb wäre ich so froh, wenn meine Cousine sie ausbrütete. Sie wohnt schon lange beim Bauern Kornreich in der Scheune. Ei, da ist es auch im Winter mollig warm, und oft lassen Knecht, Magd oder die Kinder die Tür zur Körnerkammer offen oder verlieren unterwegs auf der Treppe oder Tenne viele gute Körnerchen, die meine Kükenkinder aufpicken könnten. Aber wie bringe ich die schönen großen Eier nur dahin? Mein Mann Zacharias und ich können sie nicht forttragen. Ach, meine lieben Hasens, wisst Ihr nicht einen guten Rat?“ Da legten Vater und Sohn ihre langen Ohren ganz nachdenklich nach hinten an den Kopf und mit der rechten Pfote kratzten sie sich an der Nase. „Ich hab’s“, sagte Vater Lampe, „wir müssen die Eier in einen Korb leben, und den nimmst Du, mein Sohn, dann auf Deinen langen Rücken und hoppelst damit recht schnell zur Base Fetthenne.“ „Das ist ein kluger Gedanke, Nachbar Lampe“, sagte Zacharias, „aber vorher möchten wir doch ein Zeichen an unsere Eier machen, damit sie nicht verwechselt werden mit denen der Cousine Fetthenne; denn immerhin, unsere Kinderchen sind immer klüger gewesen als die verwöhnten Küken unserer Cousine.“

„Verstehe, verstehe“, nickten Papa und Mama Hase zustimmend. Unser Sohn versteht auch mehr vom Leben als alle drei Stallhasen zusammen, die der alte Jakob fett füttert.“

„Das werden wir schon fertig bringen“, sagte da der kluge Hasensohn, als alle fünf angestrengt nachdachten. „die Eier Eurer Cousine sind doch weiß, da malen wir eben Eure bunt an – grün wie das Gras, braun wie die Rinde, gelb wie die Himmelsschlüssel.“ Also machten sich alle fünf zusammen an die Arbeit. Und als die Farbe knapp wurde, da machten sie auch nur bunte Tupfen, Kringel, Streifen darauf. Frau Hase war ganz besonders geschickt und malte manchmal sogar ein richtiges Bildchen drauf. Dagegen war der Hahnengockel Zacharias ganz besonders ungeschickt, und damit er nicht auch noch die Farbnäpfchen mit seinen stolzierenden Beinen umwarf, schickten ihn die anderen hinaus, damit er Weidenruten für den Korb zusammenscharre. Das brachte er viel besser. Als alle Eier angemalt und gezeichnet waren, flochten Hasens den Korb, der gerade auf den Rücken ihre Sohnes passen musste. Dann legte die Henne Hedwig ihre Eier hinein und alle wünschten, dem jungen Herrn Hase einen guten Weg und sagten, er solle sich beeilen, nichts rechts und nicht links gucken und ganz schnell in die Scheune zum Bauern Kornreich hoppeln. Folgsam und brav, wie er erzogen war, tat er es auch.

Aber, oh weh! Als er bei Cousine Fetthenne ankam und die Eier auspacken wollte, war der Korb fast leer. Beim Hoppeln aus seinen vier Beinchen waren sie aus dem Korb gerollt. Oh, das ärgerte ihn aber sehr; denn er wollte doch seinen Auftrag so gut und so klug ausführen und alles richtig ausrichten, was ihm die Henne Hedwig und der Hanengockel Zacharias aufgetragen hatten. Sofort dreht er um und wollte die Eier suchen. Aber immer wieder, wenn er weiterhoppelte, rollten sie aus seinem Korb auf dem Rücken heraus. Nur wenn er auf zwei Beinen Männchen machte, blieben sie darin. Aber auf zwei Beinen kann der Hase doch nicht hoppeln. Als er so da saß und nicht wusste, was er anfangen sollte, kamen die Kinder gerade aus der Schule. Sie waren so froh, denn sie hatten jetzt Osterferien. „Ach, ihr lieben Kinder, könnt Ihr mir wohl helfen? Ich habe alle meine schönen bunten Eier beim Hoppeln verloren, die ich zum Bauern Kornreich in die Scheune tragen sollte. Liebe Kinder, helft mir suchen und legt sie mir ins Körbchen, dann will ich ganz vorsichtig sein.“ Das machte den Kindern Spaß. Überall unter den Sträuchern, neben den Steinen, hinter den Grasbüscheln und sogar in einem Mauseloch fanden sie die schönen bunten Eier. Zum Schluss schenkte ihnen der junge Herr Hase für ihre Hilfe jedem ein Ei, denn es waren so viele, dass die Henne Hedwig gar nicht alle Küken unter ihre Flügel hätte nehmen können. Als er heimkam, erzählte er alles seinen Eltern und den Nachbarn Hedwig und Zacharias.

Inzwischen saß aber die Cousine Fetthenne schon längst auf den anderen Eiern und brütete und brütete. Bald schien auch die Sonne schon recht schön warm, und die Blümchen auf der Wiese, die Kätzchen am Baum blühten; da flogen auch alle Käferchen, Mücken und Fliegen herum, und die Würmchen krochen aus ihren Löchern am Boden. Nun machten sich die Henne Hedwig und der Hahnengockel Zacharias auf den Weg zum Bauern Kornreich in die Scheune. Hocherfreut begrüßten sie ihre elf Kükenkinder. Alle waren so kräftig und klug. Ganz stolz spazierte Zacharias, ihr Vater, vorneweg und kratzte mit seinen starken Beinen alles Leckere für die Kleinen aus dem Boden hervor, und Mama Hedwig plusterte sich und machte ganz glücklich „Gluck, gluck, gluck!“

Die Kinder spielten auf der Wiese gerade ein paar schöne Kreisspiele, „Häschen in der Grube“ und andere, als die Familie vorbei kam. Alle klatschen in die Hände, freuten sich und riefen: „Nächstes Jahr gehen wir wieder Ostereier suchen.“

Ja, ja, so kam es, dass das alle Kinder gern tun.

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