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Ich war Nr. 30: Blogparade zur 99-fotografen-Twitterei

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Johannes, Initiator des Twitter-Projekts 99fotografen, hat nach 99 Wochen mit 99 Fotografen nun zur Blogparade aufgerufen. Er hat uns Teilnehmern – ich war Nr. 30 – noch einmal die Fragen gestellt, die wir schon anlässlich der Übernahme des Accounts auf der 99-fotografen-Homepage beantwortet haben. Ich füge sie deshalb hier noch einmal ein und schreibe kursiv dazu, was ich heute anders sehe oder was sich verändert hat. Immerhin ist meine Woche schon eine ganze Weile her. Außerdem hat Johannes dazu aufgerufen, ein Selfie zu zeigen. Ich habe eines aus der Zeit, als noch niemand das Wort kannte.

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Selbstporträt in meinem Jungmädchenzimmer, entstanden Ende der 1970-er Jahre und zum Glück erhalten.

Wie kamst du zur Fotografie?
Mein Vater war begeisterter Hobbyfotograf und hat mir zu meinem neunten Geburtstag meine erste Kamera geschenkt. Seitdem habe ich immer eine gehabt und immer fotografiert, ab 1979, mit Beginn meines Zeitungsvolontariats, dann auch sozusagen professionell. Ich bin zwar gelernte Schreiberin, fotografiere aber seit über 30 Jahren für Zeitungen. Somit nenne ich mit oben professionelle Fotografin, obwohl ich das im allerstrengsten Sinn nicht bin. Professionell jedoch in der Hinsicht, dass ich meinen Lebensunterhalt damit (mit)verdiene.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Was sind deine fotografischen Schwerpunkte?
Beruflich Reportagefotografie und als Polizeireporterin sehr häufig Brände und Unfälle. Meine Lieblingsmotive sind außerdem große Maschinen, etwa in der Landwirtschaft, Pferde und Reiterveranstaltungen sowie ungewöhnliche Orte. Einer meine schönsten Termine war eine Klärwerkssanierung mit Blick in den leeren Faulturm. Privat fotografiere ich gerne Kirchen, Landschaften und, ja, auch das, Blumen.

Gerade hat sich der Schwerpunkt ein bisschen hin zu Tierfotografie verschoben, das ist nun mal so im Tageszeitungsgeschäft und mag auch am Sommer liegen. Mal steht das eine Thema mehr im Vordergrund, mal das andere. Das macht es so interessant. Was ich immer noch gerne mache und gerade erst wieder gemacht habe, sind die Maschinen beziehungsweise die Orte zu fotografieren, wo sonst niemand hinkommt. Gerade habe ich mich in einem nagelneuen Wasserwerk fotografisch ausgetobt.

Bist du Künstler oder Unternehmer?
Weder noch. Lohnfotografin. Oder netter: Fotojournalistin.

Ganz genau.

Was machst du in 10 Jahren?
Mehr denn je in meiner Branche. Zur Fotografie für Print hat sich die für Online gesellt, da werden Videos auf Dauer den Fotos nicht den Rang ablaufen.
Für mich stellt sich allerdings die Frage, wie Fotografie angesichts der digitalen Bilderflut in Zukunft noch bewertet und wertgeschätzt wird. Ich glaube aber, gute Fotografen werden sich auch in Zukunft durchsetzen.

Ich habe noch elf Jahre und drei Monate bis zur Rente, das hat mir die Rentenversicherung gerade mitgeteilt. In zehn Jahren versuche ich also, mich innerlich damit abzufinden, meinen Traumjob bald nicht mehr machen zu dürfen. Andererseits freue ich mich darauf, mehr Zeit für mein Hobby Fotografie zu haben.

Hast du Vorbilder?
Nicht direkt Vorbilder, aber ich bewundere einige sehr unterschiedliche Fotografen: August Sander, Robert Capa, Alexander Rodtschenko, Man Ray, Horst Faas, Heinrich Zille und Susanne Schapowalow.

Ich sehe immer wieder Fotos, die mir sehr gut gefallen. Ich nehme mir die Fotografen nicht als Vorbild, ich freue mich einfach an dem, was sie mir zeigen.

Die Bilanz meiner Woche als eine von 99 Fotografen habe ich bereits hier verbloggt.

 

Autor: Susanne

Susanne Peyronnet *1960 Wurzeln in Niedersachsen Leben in Schleswig-Holstein Redakteurin seit 1981 Hobbys: Reisen, Lesen, Reiten Musik: Klassik, Klassik, Klassik (Ausnahme Kammermusik) Länder: Deutschland, Frankreich

6 Kommentare

  1. Wie, das Bild hat noch keiner kommentiert?

    Das ist Fotografie. Ihr lieben Photoshopper, schaut es euch an. So geht das.

    Als ich Text und Bild gelesen und gesehen hatte, hatte ich Verlust der deutschen Muttersprache. Ich weiß, zweimal „hatte“. Aber ich hab halt Verlust.

    Hut ab vor dieser Aufnahme.

    Liebe Grüße

    Dieter

  2. Lieber Dieter,
    danke für Deinen Kommentar. Wenn ich mir das Bild so anschaue – also, ich hätte es in PS noch ein bisschen gerade rücken können.
    Leider ist der Abzug schon ein bisschen zerkratzt und das Negativ irgendwo im Nirwana meines Lebens und etlicher Umzüge verschwunden. Umso froher bin ich, dass das Foto erhalten geblieben ist. Jetzt, wo es eingescannt und digital verfügbar ist, kann es auch nicht mehr verloren gehen.

    Liebe Grüße,
    Susanne

  3. Was soll an dem Foto denn so besonders oder professionell sein? Das verstehe ich nicht so ganz…

    • Meine Frau und ich kaufen gerne Bilder die uns mitnehmen. Damit wir sie kaufen, müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein.

      – das Bild darf nicht reproduzierbar sein
      – das Bild muss einer eindeutigen Zeitepoche zugeordnet werden können
      – es muss zwingend ein Negativ (oder Positiv) vorhanden und vorzeigbar sein
      – nachweislich keine digitale Aufnahme oder entsprechend bearbeitet
      – harmonische Grauwerte
      – bei Personenaufnahmen sollte man eine Handlung sehen oder erahnen können
      – idealerweise findet man auf dem Print Entwicklungsspuren aus dem Labor
      – Papierart sollte Baryt sein (mind. 30×40 cm)
      – Unterschrift des Fotografen dezent in der rechten Ecke oder ein Vermerk auf der Rückseite

      Für das oben eingestellte Bild würden wir (meine Frau oder ich) zwischen 200,– u. 500,– Euro bezahlen, unabhängig von der Bekanntheit des Fotografen. Warum?

      Jede Fotografie hat einen inneren und einen äußeren Wert. Den inneren Wert legt der Fotograf für sich selbst fest, und dokumentiert dies evtl. anhand vorgenommener Veröffentlichungen. Für mich sind z. B. Fotos wie bei Fotolia per se nichts wert, weil sie dem Fotografen nichts wert sind. Daher kämen wir nie auf die Idee, dort Bilder zu kaufen.

      Der äußere Wert wird von Interessenten festgelegt. Hier fließt für uns die handwerkliche Anerkennung hinein, Lichtstimmung, Objektdarstellung, Bildsprache und Bildausdruck. Ich zum Beispiel muss erkennen können, mit welcher Auslösezeit und Blende fotografiert wurde, und wie sich, in diesem Falle, das Model der Kamera präsentiert. Und schau mal genau hin. Das ist Ausdruck pur. Gerade Rückenlinie, kein Verbiegen des Körpers, Das Hintergrundlicht konturiert die gesamte Szene. Für einen kurzen Augenblick dürfen wir einen Blick in ein Zimmer werfen, das uns ansonsten immer versperrt sein wird. Einziges Manko ist die sehr mittige Position des Objekts.

      Aber ich stelle die durchaus berechtigte Frage einmal anders. Was ist an einem Foto von Annie Leibovitz so wertvoll und professionell? Richtig, eigentlich nix. Aber genau das ist das Geheimnis der Fotografie.

      In der Hoffnung jetzt keinen gelangweilt zu haben, herzliche Grüße, wohin auch immer.

      Dieter

      • Ihre Kriterien finde ich sehr interessant.
        Verstehe allerdings nicht, warum ein Foto nicht digital gemacht oder bearbeitet werden sein soll.
        Ein Foto bildet ohnehin nie die Realität ab, warum sollte ein künstlerisches Foto also nicht auf einen gewissen Ausdruck optimiert werden?
        Bei Fotojournalismus verstehe ich das, weil es hier ein Problem mit der Authentizität geht und diese Bilder immer politisch sind.
        Bei der künstlerischen Fotografie sehe ich hier jedoch keine Relevanz.

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