DIE Fotografie – aber brauchen Frauen ein Fotografie-Lifestyle-Magazin?

Ich dachte immer, die Fotografie sei eine Sache, bei der das Geschlecht keine Rolle spielt. Es gibt Spitzenfotografen und Spitzenfotografinnen, es gibt unendliche viele professionelle und semiprofessionelle Fotografen und Fotografinnen und Hobbyfotografen und Hobbyfotografinnen. Sie alle machen Fotos – und man sieht ihnen nicht an, ob sie von einer Frau oder einem Mann fotografiert wurden. Ich sehe es jedenfalls nicht, und ich glaube, so ist es auch. Nun aber gibt es etwas, was der Fotowelt offenbar noch fehlte. Camerawoman, das erste Fotomagazin für Frauen. Und es ärgert mich.

Wer hier regelmäßig liest weiß, dass ich die Frauenfrage eher gelassen sehe. Aber was ein erster Blick ins Magazin Camerawoman zeigt, fordert meinen Widerspruch heraus. Viel gibt es noch nicht zu sehen, aber das bisschen erfüllt alle Klischees. Auf dem Titel eine gut aussehende Frau mit einer Art Rischratsch-Klick in der Hand, die sie auch noch sehr unbeholfen hält. Gönnen die Heftmacher den Damen nicht mal eine ordentliche Spiegelreflexkamera? Der Titel verspricht dann Fotostrecken nur von Frauen, Haustiere in Szene gesetzt und Foodfotografie. Na klar, so etwas fällt doch ins Beuteschema von Frauen. Anschließend folgt eine Geschichte mit dem Titel „Einsam in Pink“.

Genau das war auch mein erster Gedanke. Da hat sich jemand etwas ausgedacht, von dem er glaubt, dass es Frauen anspricht. Und hat sich damit selbst disqualifiziert. Der Mann – oder die Männer – haben keine Ahnung von Frauen und schon gar nicht von fotografierenden Frauen. Sie versprechen, dass das Heft weniger techniklastig sei als andere Fotomagazine – und bedienen damit schon wieder ein Klischee. Gut, wir Frauen mögen nicht den Hang zur „Meiner-ist-länger-als-deiner“-Fraktion haben, aber sonst? Gibt es einen weiblichen Blick in der Fotografie. Also an mir habe ich ihn noch nicht entdeckt. Wo muss ich den suchen?

Auch bei der Motivwahl bin ich nicht auf sogenannte weibliche Themen beschränkt. Ganz im Gegenteil: Was zählt, ist das Motiv. Ist es gut, dann ist mir völlig egal, ob es ein Bagger oder ein pinker Lippenstift ist.

Es gibt keinen weiblichen Blick in der Fotografie, kein weibliches oder männliches Foto. Macht mal den Test: Klickt euch durch die Fotostrecken bei flickr oder 500px und versucht zu erraten, ob ein Mann oder eine Frau das jeweilige Foto fotografiert hat. Ich wette, die Fehlerquote ist hoch. Also: Wer braucht ein Fotografie-Magazin speziell für Frauen? Ich jedenfalls nicht. Zweifel am Sinn dieses Magazins meldet auch das Photoblog Sellnews an.

Das Magazin soll per Crowdfunding finanziert werden. Ich werde genau beobachten, ob das funktioniert.

6 Kommentare

  1. Ich brauche das auch nicht. Und auch ich sehe einem Bild nicht an, ob eine Frau oder ein Mann hinter der Kamera stand.
    Über die Beweggründe, wieso ein Mann oder mehrere Männer so ein Magazin herausbringen wollen, liesse sich spekulieren – aber die Mühe mache ich mir nicht…

  2. Ist es nicht unnötig darüber zu diskutieren, ob wir das brauchen oder nicht? Ich schaue auf den Inhalt und den finde ich für mich interessant.
    Nur weil hier die Zielgruppe offen genannt wird, sehe ich die Zeitschrift nicht schlechter als andere. Jedes Magazin hat eine Zielgruppe. Die meisten Fotomagazine haben eindeutig eine männliche Zielgruppe. Das kann jeder sehen, der sich mit der Gender-Thematik auseinandersetzt. Heult da jemand? Nein.
    Am Ende werden hier nicht Frauen, sondern Männer diskriminiert. Genauso wie beim rosa Ü-Ei. Es ist keine Extra-Wurst für die Frau, sondern für den Mann. Weil wir Männer weniger Zumuten als Frauen.

  3. Darauf hat ja auch die Welt gewartet. Wahrscheinlich alles in einem Layout in zarten Farben mit weichgezeichneten Fotos und Zierschriften, wie man es von seinem Lieblings-Beauty-Blog her kennt.
    LG
    Sabienes

    1. Liebe Sabienes,
      genau so sieht es in meinen Augen aus. Aber wer’s braucht, bitte sehr. Ich sowieso dauern überrascht, wer die ganzen Zeitschriften kauft, die in den Geschäften ausliegen. Aber offenbar habe sie alle ihre Leser.

  4. Lieber Dieter,
    danke für den Link. „Stolziert mit geschwelltem Objektiv durch die Gegend“ ist genial formuliert und passt zum Text von der „Meiner-ist-länger-als-Deiner-Fraktion“. Aber ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen: Auch Frauen liegen Technik und haben ein Faible für Kameras und Objektive, auch wenn viele von ihnen das nicht so raushängen lassen.

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