Das gelbe Wasser im Brunnen – ein Motiv, zwei Fotos

Für Fotografen ist es eine Binsenweisheit: Willst du Tropfen sehen, verwende eine kurze Belichtungszeit, friere sie einfach ein. Willst du fließendes Wasser sehen, nimmt eine längere Belichtungszeit, dann verwischen die Tropfen. Das klappt vorzüglich, wie zwei Beispiele, die ich in jüngster Zeit fotografiert habe, zeigen. Die Schwierigkeit war aber in diesem Fall eine andere. Hier erst einmal die Beispielbilder.

Nun zum Problem. Das Foto zeigt den Brunnen auf dem Eutiner Marktplatz, an dem ich jeden Tag vorbeikomme. Vor kurzem war das Wasser im Brunnen gelb und nicht klar wie sonst. Natürlich ist so etwas ein Fall für unsere Lokalredaktion, und die Recherche ergab schnell, dass das Brunnenwasser von Algen durchsetzt ist. Ein Austausch, und schon war das Wasser wieder klar.

Das gelbe Wasser wollte ich im Foto zeigen. Nun sieht das menschliche Auge in diesem Fall mehr Gelb als die Kamera. Also habe ich ein bisschen mit den Verschlusszeiten herumexperimentiert. Denn eines gilt für Zeitungsfotos: Manipulieren ist nicht erlaubt. Natürlich lässt sich mit allerlei Handwerkszeug der Fotonachbearbeitung das Wasser ein bisschen gelber machen. Aber wie gesagt: Das ist für Zeitungsfotos tabu. Schließlich sollen sie so gut es geht die Wirklichkeit abbilden. Und deshalb gilt es, das, was gezeigt werden soll, mit fotografischen Mittel zu verdeutlichen.

An den Fotos vom Brunnen habe ich also nach der Aufnahme nicht weiter herumgedreht. Okay, ein kleines bisschen den Kontrast angehoben, aber sonst sind sie so, wie sie aus der Kamera kamen. Natürlich läuft auf unseren Redaktionsrechnern Photoshop, aber damit ist fast nichts erlaubt. Die einzigen Funktionen, die wir benutzen, sind Helligkeit, Kontrast und die für das Beschriften mit IPTC-Headern. Das ist ganz wichtig, da die Fotos ins riesige Bildarchiv einlaufen und sonst nie wiedergefunden werden können.

Ansonsten erlaube ich mir höchstens, Fotos gerade zu richten. Wer will schon, dass optisch die Ostsee ausläuft? Und noch eine kleine Manipulation ist erlaubt: Wenn ich Porträts fürs Archiv mache und der Abgebildete hat einen Pickel oder eine Herpesstelle, dann beseitige ich die. Wer will schon auf ewig mit einem Foto, auf dem er eine solche Stelle im Gesicht hat, im Fotoarchiv stecken, aus dem immer wieder Porträtfotos veröffentlicht werden?

Abgesehen von diesen wenigen Ausnahmen können Leser sicher sein: Das Foto, das sie in der Zeitung sehen, bildet die Wirklichkeit ab. Und wenn das ausnahmsweise mal nicht so ist, muss es ausdrücklich in der Bildunterschrift vermerkt sein.

Und deshalb ist das Wasser im Brunnen nicht ganz so gelb, wie es für das Auge aussah, aber doch gelb genug, um zu sehen, dass mit dem Wasser etwas nicht stimmt. Ich finde, beide Versionen bilden das gut ab.

Für die, die es genauer wissen wollen, hier noch die Exif-Daten.

Das obere Foto wurde mit 1/25 fotografiert, Blende 22

Das untere Foto ist bei einer Belichtungszeit von 1/1600 aufgenommen, Blende 3.5

2 Kommentare

  1. Moin!

    Nun, das Brunnenwasser auf den Bildern kommt hier in Ostfriesland schon als eindeutig gelb aus dem Monitor gesprudelt. So Uringelb eben.
    Liegt sicher auch an den gelb/weiß Vergleichskärtchen im Hintergrund (die perspektivische Anordnung der Hausfassaden ist doch kein Zufall, oder?).

    Ansonsten hilft es mir auch oft, den Weißabgleich der Kamera mal aus der Automatik heraus zu nehmen. Gerade bei nicht ganz eindeutigen Lichtverhältnissen (nur so ein bisschen sonnig, Kunstlicht, Lichtmischungen, etc.)
    So eine Linse ist eben nur eine Linse und nicht zwei, wie unsere Augen.

    Einen schönen Sonntag noch.

    1. Nein, die Anordnung der Häuser ist natürlich kein Zufall, ich hätte den Brunnen auch von der anderen Seite her aufnehmen können. Aber da ist der Hintergrund lange nicht so geeignet, und das Licht kam so auch von der richtigen Seite. Ich bin zufrieden, dass das Wasser wirklich gelb ist auf den Bildern. Genau das wollte ich ja zeigen.

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