Gedanken zum Tag der Musik

Ab heute ist Tag der Musik. Genauer: Es sind die Tage der Musik. Der Deutsche Musikrat hat den Tag der Musik in diesem Jahr für die Zeit zwischen dem 13. und 15. Juni ausgerufen. Er steht nicht ohne Grund unter dem Motto „Anpfiff für die Musik“. Natürlich hat auch der Musikrat die Fußball-WM im Blick.

Querflöte und Noten: Ausdruck für Musik, wie sie der Deutche Musikrat versteht.
Querflöte und Noten: Ausdruck für Musik, wie sie der Deutsche Musikrat versteht.

„Musik ist wie Sport – nur nicht so primitiv“, pflegte meine Gesangslehrerin zu sagen. Nun, das ist sicherlich etwas überspitzt, hat aber einen wahren Kern. Musik zu machen, also zu singen oder ein Instrument zu spielen, erfordert ein ebenso ausdauerndes Training und ständiges Üben wie der Sport. Bei beidem sind körperliche Fitness, eine gute Geist-Körper-Koordination und viel Wissen vonnöten. Und bei beiden bedarf es für Spitzenleistungen eines Quäntchens Begabung. Warum aber hat Sport dann in unserer Gesellschaft einen so viel höheren Stellenwert als Musik und warum ist Musik hören viel weiter verbreitet als Musik machen?

Sportförderung ist immer und überall ein Thema. Das zeigt schon die öffentliche Aufmerksamkeit, die der Sport, und nicht nur der Spitzensport, erfährt. Sportunterricht wird zum Beispiel in jeder Klasse erteilt, Kunst und Musik aber oft nur abwechselnd Halbjahr für Halbjahr. Sportvereine haben eine starke Lobby bei der Politik, auch auf kommunaler Ebene.  Und die Kultur? Führt eher ein Nischendasein und lebt mehr vom Engagement von Vereinen oder Einzelnen. Eltern, die ihre Kinder in Musikschule schicken, zahlen viel Geld dafür, obwohl es öffentliche Einrichtungen sind. Mitgliedschaften in Sportvereinen sind deutlich billiger – und werden oft als erstrebenswert für jedes Kind dargestellt. Musikunterricht? Eher etwas für die Bildungsbürger.

Dann kommt noch hinzu, dass es Musik in zwei Formen gibt. Ich nenne sie mal etwas provokant Schmalspurmusik und richtige Musik. Fragt man Jugendliche nach ihren Hobbys, kommt in vielen Fällen die Antwort „Musik“. Was aber ist gemeint? Musik hören. Per MP3-Player und überall. Popmusik. Hören ohne Wissen.

Wie weit die Vorstellung Jugendlicher von richtiger Musik entfernt liegt, ist mir gerade erst wieder bei einer Reality-Soap klar geworden, die ich an meinem freien Tag nebenbei beim Bügeln geguckt habe. Ein junges Mädchen soll bei einem Musikproduzenten vorsingen und geht deshalb vorher zu einem Gesangslehrer, um sich stimmlich fit machen zu lassen. Gesangslehrer heißen heute Vocal Coaches, und die Vorstellung der Schülerin war, in zehn Minuten ein paar Tricks gezeigt zu bekommen, um ohne große Mühe mit einer ordentlichen Singstimme den Produzenten von sich überzeugen zu können. Welch ein Missverständnis. Singen lernen ist genauso, als lerne man ein Instrument. Es braucht Jahre, um es einigermaßen zu können. Und es setzt fortwährendes Üben, also Anstrengung voraus. Wie beim Sport eben.

„Der Tag der Musik wurde 2009 mit dem Ziel initiiert, den Wert der Musik in Deutschland in kultur-, bildungs-, sozial- und gesellschaftspolitischer Hinsicht deutlich zu machen“, heißt es in einer Mitteilung des Deutschen Musikrates zum Tag der Musik 2014. Ich wünsche mir, dass er dieses Ziel erreichen möge. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Freude das kundige Hören von Musik und das Musizieren machen. Und wünsche mir, dass viele Menschen ebenfalls in diesen Genuss kommen. Aber dafür bedarf es der Übung – im Hören und im Tun. Wer’s nicht glaubt, der denke an den Sport. Auch der macht erst richtig Spaß, wenn man’s kann. Und wenn ich noch einen Wunsch frei habe, dann wünsche ich mir, dass Kultur, nicht nur Musik, einen ebenso großen Stellenwert bekommt wie der Sport.

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