Draußen mit Blitzlicht? Na klar, aber wann und warum?

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Ich habe hier schon einmal über die Aktion @99Fotografen bei Twitter berichtet. In dieser Woche ist der von mir geschätzte Blogger und Twitterer @Blendstufe vom gleichnamigen Blog an der Reihe, seine Fotografenerfahrungen zu twittern. Dabei hat er eine interessante Frage zur Diskussion gestellt. Im Freien bei Tageslicht blitzen? Verschenken die, die es nicht tun, gute Bilder? Wann ist es angebracht und wie?

Auf die These von Benno (die gar nicht von ihm ist, aber von ihm in die Diskussion geworfen wurde) entspann sich eine spannende Debatte.

Die Äußerungen zeigen sehr schön, dass es auf jede fotografische Frage keine für alle richtige Antwort gibt. Denn unter dem Titel Fotograf firmieren so viele verschiedene Stile und Arbeitsweisen, dass sich Antworten gar nicht verallgemeinern lassen. Ein Fashionfotograf wird immer anders arbeiten als ein Hochzeitsfotograf oder ein Pressefotograf  oder gar ein Fotokünstler. Und deshalb stimmt alles, was die Diskutanten geschrieben haben, für sie selbst, aber vielleicht nicht für andere.

Ich jedenfalls bin eine Verfechterin von (Aufhell)blitzen im Freien. Denn als Zeitungsfotografin muss ich scharfe, klare Fotos mit gut erkennbaren Details liefern. Gegenlicht, in anderen Fällen ein künstlerisches Mittel, ist bei der Pressefotografie eher unerwünscht. Nun lassen sich bei Menschenfotos solche Situationen sicher vermeiden, bei anderen Motiven geht das nicht. Frau nach dem Motto: Jetzt bitte das Holstentor einmal umdrehen.

Gerade als Benno über @99fotografen die Diskussion über das Blitzen im Freien angeschoben hat, habe ich einen Termin gehabt, bei dem es ohne Blitz gar nicht gegangen wäre. Es ging um Hortensienklau und darum, dass eine Garteninhaberin mir den gerupften Hortensienbusch für ein Foto so zeigt, dass die abgerissenen Triebe erkennbar sind. Die Geschichte samt Foto dazu steht hier. Ich komme also in den Garten. Den ganzen Tag schon hat es geregnet, die Wolken sind nie aufgerissen, es ist 15 Uhr, aber so trübe, dass die Straßenlaternen bereits angegangen sind. Und dann steht da diese Frau, über den Hortensienbusch gebeugt, ich knie vor ihr, und das bisschen Licht, das noch vom Himmel kommt, verschattet ihr Gesicht komplett. Da hilft nur Blitzen, um ein vernünftiges Bild mit in die Redaktion zu bringen. In solchen Fällen habe ich auch keine Angst, das Motiv tot zu blitzen. Es wird damit nicht getötet, sondern erkennbar gemacht.

Ein zweites Einsatzgebiet des Blitzes im Freien sind für mich harte Schatten bei starkem Sonnenlicht, vor allem bei Porträtaufnahmen. Da ich immer allein arbeite, kann ich keinen Reflektor nutzen, mal ganz abgesehen davon, dass ich den nicht noch zusätzlich zu allem anderen mitschleppen kann und will (ja, ich weiß, ein Stück Alufolie tut es auch). Also bleibt nur Blitzen, wenn ich keine Möglichkeit habe, das Motiv oder die Menschen in den Schatten zu bitten.

Und es gibt noch eine Situation, in der ich immer zumindest den kleinen Aufklapp-Aufhellblitz oben an der Kamera aktivere. Immer dann, wenn ich Schwarze oder Farbige fotografiere. Gerade eben auf den Seychellen hat sich dies wieder bewährt. Ohne zusätzliche Licht versinken die Gesichter sonst zu sehr im Schatten, selbst wenn gar kein Schatten da ist.

Szene im Hafen von La Digue ohne (links) und mit Aufhellblitz.
Szene im Hafen von La Digue ohne (links) und mit Aufhellblitz.
Achille Kwame Luc, Guide für Kultur und Natur.
Achille Kwame Luc, Guide für Kultur und Natur.

Übrigens noch ein schöner Satz, den ich gerade gelesen habe: Die Kunst beim Blitzen ist, es so zu machen, dass niemand sieht, dass geblitzt wurde. Da ist viel Wahres dran.

Eine ausführliche Zusammenfassung zu allen Fragen zum Blitzen liefert die Kleine Fotoschule.

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