Die Gender-Feuerwehr oder: Warum es Einsatzkräfte gibt

Die Gender-Feuerwehr oder: Warum es Einsatzkräfte gibt

Wer mich kennt weiß, dass ich kein Freund von Genderformen in der Sprache bin. Das ausdrückliche Mitnennen weiblicher Formen ist ersten sprachlich nicht schön, bläht zweitens Texte auf und ist drittens gar nicht so notwendig, wie es deren Verfechter immer behaupten. So jedenfalls meine Meinung. Aber in einer Hinsicht finde ich es wichtiger denn je, Frauen ausdrücklich mitzunennen oder eine geschlechtsneutrale Bezeichnung zu finden: bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Männer oder Frauen? Wer löscht, ist im Dunkeln und in Einsatzkleidung schwer festzustellen.
Männer oder Frauen? Wer löscht, ist im Dunkeln und in Einsatzkleidung schwer festzustellen.

Die Sache ist komplex. Früher war es undenkbar, dass Frauen in die Freiwillige Feuerwehr gingen. Dort wollten die Männer unter sich sein, nach der Übung ungestört den Durst löschen und ein bisschen von Familie und Alltag entfliehen, so ähnlich wie ganz früher beim Männergesangverein. Aber die Welt ist nicht immer so schön, wie Männer sie sich manchmal erträumen. Immer mehr Feuerwehrmänner fahren tagsüber aus dem Dorf heraus zur Arbeit und stehen für Einsätze nur noch nach Feierabend zur Verfügung. Die Bereitschaft, sich in den Wehren zu engagieren, Freizeit zu opfern für die Allgemeinheit, nimmt kontinuierlich ab. Und so mussten sich die Wehren zwangsläufig den Frauen öffnen. Einige weigern sich zwar noch heute, aber im Großen und Ganzen stehen die Frauen den Männern nicht nur in nichts nach, sondern haben schon lange auch Posten als Wehrführerin, Gemeindewehrführerin oder Amtswehrführerin inne.

Damit kommt aber auf uns Berichterstatter von der Presse ein Problem zu. 100 Jahre lang gab es Feuerwehrmänner und sonst nichts. Ein Begriff, der sich eingebürgert hat. Und der mit dem Eintritt der ersten Frauen in die Feuerwehren sozusagen verbrannt ist. Wer aber ist nun am Brandort im Einsatz? Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner oder auch Frauen und Männer der Feuerwehr. Das ist sprachlich machbar und richtig. Wenn dann aber noch die Leute vom Rettungsdienst dazu kommen und womöglich Polizeibeamte, wird es schwierig. Korrekt müsste es etwa heißen: Im Einsatz waren die Feuerwehrleute (guter geschlechtsneutraler Begriff) der Freiwilligen Feuerwehren A-Dorf und B-Dorf, die Rettungsassistenten und Assistentinnen des Roten Kreuzes aus C-Dorf sowie Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte des Reviers aus D-Dorf. Ist das nicht schrecklich lang und kompliziert?

Damit waren die Einsatzkräfte geboren. Ein Begriff, für den sich nicht nur Feuerwehren und Rettungsdienstler, sondern auch Journalisten mehr und mehr erwärmen.  Klar, beim Einsatz bedarf es kröperlicher und mentaler Kraft, insofern trifft der Begriff. Aber schön ist er wirklich nicht.

Was also schreiben? Feuerwehrmenschen? Feuerwehrpersonen? Klingt alles komisch. Zugegeben, Rettungskräfte ist auch nicht besser. Aber irgendein geschlechtsneutralen Begriff muss es sein. Dafür ist es viel zu wichtig, die Frauen in den Feuerwehren wertzuschätzen und – ja, in diesem Fall tatsächlich – mitzunennen. Ohne sie wären die Feuerwehren heute nichts. Ich werden also wo immer es geht von „Feuerwehrleuten“ schreiben.
Die „Männer und Frauen der Feuerwehr“ ist übrigens nicht nur wegen seiner Länge ein ungeeigneter Begriff, sondern auch, weil er unpräzise ist. Im Einsatz ist nämlich nur schwer zu erkennen, ob wirklich Frauen und Männer im Einsatz sind oder doch nur Männer oder vielleicht sogar nur Frauen. Die Einsatzkleidung, vor allem unter Atemschutz, lässt nur vermuten, wer darunter steckt.

Ihr seht, die Sache mit den gegenderten Feuerwehrleuten ist gar nicht so einfach. Aber es lohnt sich, es in diesem Fall zu versuchen. Möglichst präzise und sprachlich gekonnt.

Die Gender-Feuerwehr oder: Warum es Einsatzkräfte gibt

8 Kommentare

  1. Tja, die Welt verändert sich. Frauen in der Feuerwehr. Dann muss sich auch die Sprache verändern, mit der wir die Welt beschreiben. Das ist für die Alten ungewohnt und für die Jungen normal. Kein neues Phänomen.

  2. Und dann ist da noch (in CH) der/die AdF, also Angehörige/r der Feuerwehr. Wie AdA = Angehörige/r der Armee. Wobei ich den Ausdruck nicht gerne brauche. Feuerwehrleute finde ich einen guten Kompromiss, wenn man nicht vom Einsatzzug, Pikett et. schreiben kann.

  3. Daß die Frauen da mehr als im allgemeinen mitgenannt gehören, leuchtet mir ein.

    Mit „-kräften“ hab ich schon lang Schwierigkeiten. Du machst eine Arbeit, hast Dich verausgabt, bist stolz und müde; dann steht da im Lehrbuch: „Für diese Arbeit werden 7 Arbeitskräfte à 3 h benötigt.“ Das ist ein Wort, das aus den Buchhaltereien und den Personal(abbau)-Büros ins allgemeine Leben entkommen konnte. Gibt ja inzwischen sogar „Fach- und Führungs-“ und also wohl nicht mehr nur ausführende Kräfte, aber trotzdem. Gerade einen Brand löschen, Verletzte aus einem Autowrack retten, auch Kranke pflegen, geht nicht nach Schema F. Da fehlt der an Nuancen so reichen deutschen Sprache ein Wort. „Menschen“ sagen wir nicht so gern im professionellen Bereich, aber so etwas müßte es sein, bei „Leute“ kriege ich jedenfalls nicht diesen Widerwillen wie bei „Kräfte“.

    1. Hallo Steffen, ich gucke mir ja gerne Videos an, aber dank Dorf-DSL habe ich immer nur Standbilder. deshalb kann ich leider nichts dazu sagen. Pech.

      @Bernhard
      Ich kann Dein Problem mit den Kräften gut verstehen. Die Suche nach guten Formulierungen ist halt manchmal mühsam, aber die Texte und die Leser danken es einem. Vielleicht finde ich in Sachen Feuerwehrmenschen irgendwann noch den Stein der Weisen.

      @Margrit
      Grusel: Angehörige der Feuerwehr ist ja nochmal länger und verdrehter. Wie soll das in einen vernünftigen Satz gegossen werden, in dem noch ein paar Angaben mehr vorkommen müssen?

      1. Tja, da steht dann beim erstem Mal die holprige Bezeichnung, gefolgt vom Kürzel AdF oder AdA. Und das Kürzel wir danach (immer) verwendet. Zum Glück nicht in meinen Zeitungen

  4. Mädchen und Frauen sind übrigens seit ‚zig jahren bei der Feuerwehr, und zwar als Einsatzkräfte. Schlimmer sind Artirkulationskatastrophen wie: „Die Wehrmänner kamen mit Leiterwagen und Pumpen, sie trugen Sauerstof(f)flaschen, die sie an ihre Gasmasken anschlossen, das Treppenhaus hinauf gingen und dann in den Qualm spritzten.“ Gemeint sind wohl: Drehleiter, Löschfahrzeug, Atemschutzgerät (PressLUFTatmer), Atemschutzmaske, Treppenraum, Rauch.

  5. „Korrekt müsste es etwa heißen: Im Einsatz waren die Feuerwehrleute (guter geschlechtsneutraler Begriff) der Freiwilligen Feuerwehren A-Dorf und B-Dorf, die Rettungsassistenten und Assistentinnen des Roten Kreuzes aus C-Dorf sowie Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte des Reviers aus D-Dorf. Ist das nicht schrecklich lang und kompliziert?“
    Ja
    Besser könnte es so geschrieben sein:
    Im Einsatz waren die Freiwillige Feuerwehren A-Dorf und B-Dorf, der Rettungsdienst vom Roten Kreuz aus C-Dorf sowie Polizeikräfte aus D-Dorf.
    Ist das nicht viel einfacher ?

    Und warum werden nur die Kräfte vom Rettungsdienst mit ihrer Qualifikation (hier Rettungsassistent/in) benannt, *diskriminieren sie die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr absichtlich ?

    *nein
    das war keine wirkliche Frage, eher ein Hinweis darauf das Fettnäpfchen überall stehen ….wenn man denn nur will ;)

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