Übergriffig – ein Wort macht Karriere

Nein, ich will hier nicht den gefühlt 1000. Beitrag zu „#Aufschrei“ schreiben und meine Meinung zu Brüderle und seinem Hotelbar-Verhalten sagen. Ich habe die Berichte von Frauen verfolgt, die davon berichten, dass und wie sie alltäglichen Sexismus erlebt haben. Ich habe mir eine Meinung gebildet, und hier findet Ihr meinen Kommentar in den Lübecker Nachrichten dazu. Der ist wegen des geringen Platzes im Blatt sehr knapp ausgefallen, und es ließe sich noch viel mehr zu dem Thema sagen. Hier beschränkte ich mich aber auf ein Wort, was in diesen Tagen die Runde macht: übergriffig.

Wir kennen das alle: Verben oder Adjektive werden zu Substantiven umgewandelt, so entsteht sperrige Kanzlei- oder Verwaltungssprache. Da wird kein Gebäude mehr geplant, sondern es wird eine Planung betrieben. Es heißt nicht mehr, wer Hunde hält, muss Hundesteuer zahlen, sondern dass bei Hundehaltung eine Steuerzahlung fällig wird. Im Zusammenhang mit der Sexismusdebatte erleben wir gerade das Gegenteil. Hier wird ein Substantiv zum Adjektiv gemacht. Es heißt nicht mehr, jemand mache sich eines Übergriffs schuldig, sondern er sei übergriffig geworden. Ein Wort, das Karriere macht. Wer es bei Google eingibt, bekommt 40 200 Einträge angezeigt. Das ist für Google-Verhältnisse nicht allzu viel, aber für ein Wort, das es gar nicht gibt, eine ganze Menge.

Der Duden kennt „übergriffig“ nicht. Er kennt nur übergreifen, Übergriff und übergegriffen und führt als Beispiel den Satz „Die Seuche hat übergegriffen“ an. Übergegriffen hat das Wort übergriffig in diesen Tagen in den deutschen Sprachschatz. Was Sprache angeht, bin ich zwar Puristin, aber ich finde den Begriff ziemlich griffig. Etwas übertrieben finde ich allerdings den Therapeutenausdruck von der Übergriffigkeit. Also, gebt übergriffig eine Chance, aber nicht den übergriffigen Männern.

 

 

 

Ein Kommentar

  1. Ja, ich finde das Wort auch gut – es stünde auf MEINER Liste der neu in den Duden aufzunehmenden Begriffe weit (sehr weit!) vor der „Vorständin“, die im Online-Duden schon verzeichnet ist und wohl auch in der nächsten Print-Auflage ihren Platz finden wird :-/

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