Die Freude am schönen Schreibgerät

Der Ingenuity Black Rubber & Metal von Parker

Ich habe von jeher eine Leidenschaft für schönes Schreibgerät. Kugelschreiber mit schönem Design, edle Füllfederhalter, gerne mit Kolben statt Patronen. Meistens versage ich es mir aber, sie zu benutzen: zu gefährlich. Wie oft ist mir schon ein Lieblingskugelschreiber abhanden gekommen, weil er sich auf meinem Schreibtisch im Büro einfach in Luft aufgelöst hat. Wahrscheinlich willentlich oder unwillentlich eingesteckt, von jemandem, der kurz mal etwas notieren wollte. Ich fürchte aber, den schönen Schreibgeräten wird nun von ganz jemand anderem der Garaus gemacht: von der Computertastatur. Oder doch nicht?

Ich habe einfach mal eine kleine Umfrage bei Twitter gestartet: Schreibt ihr noch mit der Hand oder ausschließlich mit der Tastatur? Und wenn ja: Füller oder Kuli, Einweg oder edel? Die Rückmeldungen waren sehr unterschiedlich. „Kugelschreiber, unterwegs billig, im Büro und zu Hause edel. Allerdings alle geschenkt bekommen. Hochwertige Minen rollen leichter“, teilte @deep470 mit und bestätigte damit meine Haltung. „Bleistift, gut an-(durch)gekaut, danach Tastatur“, schrieb @afsosi. @willimeck antwortete kurz und knapp: „Arbeit: Kuli, Briefe: Kolbenfüller“. Nur von @kbojens kam die Antwort, die ich eigentlich von fast allen erwartet hatte: „Tastatur. Ausschließlich.“

Das hätte von mir sein können. Schließlich kloppe ich den ganzen Tag auf dem Computer-Keyboard herum. Aber wenn ich auf Terminen bin, habe ich eben keines dabei, dann schreibe ich ganz normale mit Block und Bleistift oder Kugelschreiber. Und zwar mit der billigen Variante, damit mir meine Lieblingsstücke nicht verloren gehen. Einwegkugelschreiber – auch da gibt es durchaus gängige im Sinne von leichtlaufende und gute Exemplare – oder Bleistifte (bei Regen, sonst geht nämlich gar nichts mehr).

Und so liegen die schönen Stücke zu Hause herum, mehr oder wenige ungenutzt. Zum Beispiel mein schönstes Exemplar, ein Montblanc-Meisterstück in der Sonderedition „Hochzeitsfüller“, ein Geschenk meines Mannes. Mit dem eine hübsche Geschichte verbunden ist, denn der wertvolle Kolbenfüllhalter kleckerte leider und färbte mir stets die Finger blau. So macht das Schreiben keinen Spaß. Also gab ich ihn in dem Geschäft, in dem wir ihn gemeinsam ausgesucht hatten, zur Reparatur. Was dort ein großes Hallo auslöste: Die Verkäuferin hatte mit den Füllfederhalter der Sonderedition Wedding-Pen zum Preis eines normalen Meisterstückes verkauft. Der Hochzeitsfüller fehlte dann im Laden, und nur mein Reparatur-Auftrag löste das Rätsel. Ich durfte ihn aber behalten und freue mich noch heute daran. Der Füller hat einen abschraubbaren goldenen Hochzeitsring, unter dem eine Gravur Platz findet.

Zugegeben, jedes Mal wenn ich an einem Schreibwarenladen vorbei gehe, komme ich in Versuchung, wieder ein schönes Schreibgerät zu kaufen. Die Auswahl ist unbegrenzt, und Designliebhaber und Freunde schöner und funktionaler Schreibgeräte, ob von Montblanc, Lamy, Pelikan oder Parker, locken mich allzusehr. Dabei benutze ich sie doch nur zu Hause, und da schreibe ich kaum mal etwas mit der Hand.

Das dürfte bei den meisten Menschen so sein. Wie also hat sich der Einzug der Computer in Otto-Normalverbraucher-Haushalt auf den Absatz von Kugelschreibern und Füllfederhaltern bemerkbar gemacht? Sind es nur noch Schüler, die heutzutage Rollerpens und Füller, Bleistifte und Kulis kaufen? Bekommt der Rest sie entweder als Werbegeschenk – wobei auch dabei der USB-Stick langsam den Kuli ablöst -, oder haben hochwertige Schreibgeräte immer noch ihren Markt?

Das habe ich die Pressestelle von Waterman und Parker gefragt.

Geantwortet hat mir Bettina Jaeniche, die Channel Manager Fine Writing & Luxury Accessories von Waterman Deutschland, die auch für Parker spricht:

„Durch Emails, Social Media, Handys, aber auch Kreditkarten ist das tägliche Schreiben seltener geworden. Das hochwertige Schreibgerät wird wie schon früher für die vielen besonderen Momente im Leben genutzt. Dazu gehören Briefe (z.B. Liebesbriefe), persönliche Grüße wie Glückwunschkarten zum Geburtstag, Verträge (z.B. Unterschrift bei Hochzeit, Arbeitsvertrag), aber auch die vielen kleine persönlichen Notizen. Ein hochwertiges Schreibgerät macht diese Momente persönlich, verleiht ihnen Bedeutung. Gerade in der heutigen, ,schnell-lebigen‘ Zeit, gibt es den Trend durch das Schreiben von Hand die Dinge zu entschleunigen, ähnlich wie in anderen Lebensbereichen. Dazu hat das hochwertige Schreibgerät seinen Platz als Accessoire gewonnen, es ist Ausdruck der Persönlichkeit seines Besitzers.
Dass ein Schreibgerät aber auch Trendsetter sein kann, zeigt die neueste Innovation von Parker. Modernes Schreiben: genussvoll, unkompliziert und intuitiv dank flexibler Schreibspitze und Minentechnologie. Mit trendigen Oberflächen inspiriert von der Schmuck- und Uhrenindustrie.“

Übrigens: Wer sich wie ich keinen Waterman-Füller leisten kann oder will, kann trotzdem damit schreiben. Die Firma bietet einen virtuellen Schreibsimulator an.

Dass ein edles Schreibgerät, am besten ein Füllfederhalter, noch und wieder ein beliebtes Geschenk ist, hat der Finanzblog Deutschland festgestellt.

Über Montblanc-Stifte und ihren Wert als Geldanlage oder zur Freude am Schreiben philosophiert der Luxusfan-Blog.

Über Füllfederhalter, schöne Schrift und Kugelschreiber schreibt – natürlich auf der Tastatur – das Blog edelfuellfederhalter999.

Das Artikelbild zeigt einen Der Ingenuity Black Rubber & Metal von Parker.

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3 Kommentare

  1. Willimeck kann auch ein bisschen ausführlicher: Auf der Arbeit (im Krankenhaus) wird teils per Tastatur, zum größeren Teil aber per Hand dokumentiert. Hier empfiehlt sich der Billigkuli (Kuli muß wegen der Dokumentenqualität), weil der Ort ein Bermudadreieck für Schreibgeräte ist. Es gibt auch keinen Besitz, die Teile sind sozialisiert und tauchen überall auf (und ab).
    Zuhause habe ich einen besseren Kuli für die Kreuzworträtsel und zwei Kolbenfüller fürs „schönere“ Schreiben, wobei meine Klaue eher legendär ist. Den Begehrlichkeiten sind aber finanzielle Schranken gesetzt: Den „John-Lennon-Füller“ von Montblanc hätte ich schon gerne, aber…
    Übrigens: Weihnachts- und Neujahrgrüße per Mail an einen Riesenverteiler geschickt mache ich schon gar nicht mehr auf und fühle mich beleidigt!

    1. Lieber Willimeck, genauso ist es: Der Arbeitsplatz ist das Bermudadreieck für jedes schöne Schreibgerät. Danke für Deine ausführliche Darstellung Deiner Schreibgewohnheiten.

  2. Schönes Schreibwerkzeug ist in der Tat immer eine Versuchung. Ich muß mich immer sehr zusammenreißen, wenn beim Einkaufsbummel on- wie auch offline auf schöne Stifte oder Notizbücher stoße…da ist es eigentlich schon fast wieder gut, daß Montblanc so eine hohe Preishürde hat — so habe ich mein ganz klassisches (Steck)meisterstück als Füller und Kuli und bin damit rundum glücklich, es schreibt sich einfach toll damit, es fühlt sich gut an und sieht klasse aus… #hach

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