Der erkaufte Orden

Ich habe einen Orden bekommen. Naja, Orden ist ein bisschen übertrieben. Eine Ehrennadel für 25-jährige Mitgliedschaft im Deutschen Journalistenverband (DJV). Dafür bin ich, ich geb’s ja ehrlich zu, zum ersten Mal innerhalb der 25 Jahre zur Jahresversammlung gefahren, habe mir Urkunde, Ansteckpin und Blumenstrauß abgeholt und für das Verleihungsfoto posiert. Eine ganz neue Erfahrung: In mehr als 25 Jahren Journalistenleben habe ich oft diese Fotos gemacht und den Text dazu geschrieben. Und nun stand ich unversehens mal auf der anderen Seite.

Das kennt wohl jeder, der schon einmal für eine Lokalausgabe geschrieben und fotografiert hat. Diese Termine, bei denen irgendwann der Tagesordnungspunkt „Ehrungen“ ansteht. Gerne bei der Feuerwehr, die betreibt das ziemlich exzessiv. Ist ja auch richtig so, die Leute opfern ihre Freizeit, um anderen in Gefahr beizustehen. Wer das über Jahre macht, hat auch das Recht, dafür geehrt zu werden. Wenn das Brimborium drumherum heute auch nicht mehr so richtig zeitgemäß ist, ein Dank samt Urkunde und Anstecknadel ist ein gerechter Lohn für diesen oft harten Dienst.

Eifrig geehrt wird auch in anderen Vereinen aller Art. Dabei wird üblicherweise kein Unterschied gemacht, ob jemand die 25 oder gar 40 oder 50 Jahre als Karteileiche verbracht hat – so wie ich – oder ob er sich in dieser Zeit für seinen Verein engagiert hat. Die Auszeichnung gibt es immer. Wer die Nadel angesteckt bekommt, ist stolz. So ein bisschen Bauchpinselei muss eben ab und zu mal sein.

Und dann sind da noch die, die für einen besonderen Einsatz fürs Gemeinwesen geehrt werden. Das ist gut und richtig so. Ich frage mich nur manchmal, wie selbstlos dieser Einsatz wirklich ist. Es gibt Menschen, die sind hauptberuflich Ehrenamtler. Die haben Ämter über Ämter, sind in zig Vereinen. Es sei ihnen gegönnt, aber ich kann mich manchmal nicht des Eindrucks erwehren, sie fliehen entweder von zu Hause, schließlich kostet so ein Ehrenamt Zeit, die außer Haus verbracht werden muss. Oder sie nehmen sich sehr wichtig und wollen anderen gerne sagen, wo es lang geht.

Ganz anders diejenigen, die ein Amt haben und das über sehr lange Zeit bestens ausfüllen. Vor allem, wenn es eines aus der zweiten Reihe ist und eines der unbeliebten. Kassenwart etwa oder Schriftführer. Vor diesen Leuten kann man nur den Hut ziehen. Das macht Arbeit und gibt wenig Ehre. Es sei denn, es kommt der Tag des Vereinsjubiläums und es gibt eine Urkunde und eine Ehrennadel und einen Blumenstrauß.

Meine Nadel habe ich mir teuer erkauft. Den Jahresbeitrag hochgerechnet müsste eigentlich schon die Ehrennadel für 25-jährige Mitgliedschaft mit Diamantsplittern besetzt sein, um den Gegenwert wieder herauszubekommen. Das ist natürlich falsch gedacht. Der DJV ist eine Interessenvertretung, bietet Rechtsschutz, zahlt Streikgeld und gibt jeden Monat eine Fachzeitschrift heraus, deren Abonnement im Beitrag enthalten ist. Die 25 Jahre Beitragszahlung haben sich also auch ohne Diamantsplitter ausgezahlt. Und nun peile ich die 40 Jahre an.

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