Pyrolirium

Das ABC der lokalen Pressearbeit

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Täglich flattern per Mail hunderte von Pressemitteilungen in die Redaktionen. Vor allem im Lokalen kommen diese vielfach von Laien, etwa Pressewarten von Vereinen. Aber auch PR-Agenturen machen mitunter fatale Fehler. Das kleine ABC der Pressearbeit listet die wichtigsten Punkte auf, ohne Anspruch auf Vollständigkeit

A – Ankündigungen

Sie machen den Großteil der Laien-Pressemitteilungen aus. Goldene Regel: Sie müssen alle relevanten Fakten enthalten (wer, was, wo, wann, wo gibt es Eintrittskarten, was kostet der Eintritt?)

B – Bilder

Zeitungsfotos sind Zeitungsfotos und künstlerische Fotos künstlerische. Beides passt selten zusammen. Neuerdings nerven Marotten wie SW-Fotos oder Bilder, bei denen das Porträt mit einem Ohr am Rand klebt. Das mag modern und pfiffig aussehen, ist aber für die Zeitung ungeeignet.

C – Copyright

Bitte bei Fotos stets angeben, von wem sie stammen, ob sie honorarfrei sind und auch Online verwendet werden dürfen. Dass die Rechte am eigenen Bild geklärt sind, ist eine Selbstverständlichkeit.

D – dritte Person

Schön, wenn sich die Akteure mit ihrem Verein identifizieren. Aber die Zeitung ist nicht der Verein, und deshalb bringen Meldungen wie „Wir laden ein und wir bieten an und wir freuen uns auf interessierte Besucher“ gar nichts. Das muss in der Redaktion alles umgeschrieben werden, was Arbeit macht und die Redakteure nervt.

 E – Einladung

Dass mit einer Zeitungsankündigung Leute eingeladen sind zu einem Konzert, einem Vortrag oder einem Flohmarkt, ist selbstverständlich. Wer nicht einlädt, muss seine Veranstaltung gar nicht öffentlich machen. Sätze wie „Wir laden herzlich ein“ oder „Besucher sind herzlich willkommen“ ersatzlos streichen.

F – Fotos

Gern schicken Veranstalter Fotos mit. Dabei gilt die Regel: verkleinern auf ca. 700 kb, Bildtext nicht vergessen, und Fotos als jpg-Anhang bitte.

G – Gurkenzeit, saure

Wer das ins Blatt bekommen will, was er sonst  nur schwer los wird, sollte die nachrichtenarme Zeit wählen: Sommerferien, zwischen Weihnachten und Neujahr. Was zeitlos ist, hat jetzt die besten Chancen, sofern es eine lokale Relevanz hat.

H – herzlich willkommen

Siehe E wie Einladung: Dass Besucher willkommen, gar herzlich willkommen sind, ist eine Selbstverständlichkeit und bedarf keiner Erwähnung.

I – interessierte Besucher

Siehe E wie Einladung. Standardsatz „Interessierte Besucher sind herzlich willkommen“. Und was ist mit den nichtinteressierten Besuchern? Sind die nicht willkommen? Also Satz komplett streichen.

J – Jubel

Siehe X – für ein U vormachen

K –  Karten

Wer eine Veranstaltung ankündigt, für die es Eintrittskarten gibt, der sollte tunlichst angeben, wo es sie zu kaufen gibt und was sie kosten. Eine Selbstverständlichkeit, aber es kommt tatsächlich noch jede Woche mindestens einmal vor, dass diese wichtige Information vergessen wird.

L – Länge

Kein Redakteur hat Zeit und Lust, sich durch 300 Zeilen Ankündigung zu quälen, um am Ende die wichtigsten Fakten zu finden. Eine weit verbreitete Unsitte gerade bei Konzerten ist es, den Lebenslauf jedes einzigen Musikers auszubreiten (gut, dass so selten ein Symphonieorchester auftritt). Gern werden solche Riemen auch mit hübschen Sätzen anmoderiert: „Vielen Dank im Voraus für eine ausführliche Ankündigung.“ Antwort: Vielen Dank, dass Sie uns mit dieser Vorlage mal wieder viel Arbeitszeit kosten. Ein, zwei Sätze pro Musiker reichen völlig aus.

M – Medium

Das richtige wählen: Das heißt bei Lokalredaktionen zunächst, dass die lokale Verortung stimmen muss. Kein Lokalblatt aus X-Stadt wird eine Meldung aus Y-Dorf veröffentlichen, wenn dieses Dorf nicht im Verbreitungsgebiet liegt. Das schöne Argument „Wir haben aber auch immer viele Besucher aus Y-Dorf“ zieht nicht.

N – Namen

Herren oder Frauen gibt es in Zeitungsmeldungen nicht. Bitte immer die Vornamen nennen, Redaktionen habe keine Zeit, da hinterher zu telefonieren oder zu googeln. Immer auch Funktion oder Titel hinzufügen.

O – Online

Immer gern genommen: Eine Netzadresse für mehr Infos. Also wenn vorhanden bitte nennen.

P – Pressekonferenz/Pressegespräch

Redakteure haben wenig Zeit. Wer zum Pressegespräch einlädt, sollte wirklich Wichtiges zu sagen haben. Nicht jedes neue VHS-Programm, jede angeblich wichtige Veranstaltung oder jede Vereinsgründung bedarf eines Pressetermin. Redakteure haben wenig Lust und Kapazitäten, sich Texte bei Kaffee und Keksen abzuholen, die genauso gut auch per Mail geschickt werden können.

Q – Quasseln

Siehe P – Pressekonferenz. Nicht alles muss mündlich noch einmal erklärt werden, oft reicht ein guter Pressetext per Mail.

R – Rätsel . . .

. . . geben Abkürzungen in Pressetexten oft auf. Bitte stets erklären.

S – Service

Dass lokale Medien lokale Termine veröffentlichen, ist ein Service für Vereine und Veranstalter, keine Pflicht. Umfang und Gestaltung sind der Redaktion überlassen. Bitte keine Ansprüche stellen hinsichtlich Platzierung oder Verwendung eines Fotos. Ganz schlimm, aber es kommt durchaus vor: Feste Termine setzen, da sonst laut Vereinssatzung eine Einladung zur Jahresversammlung, die über die Presse zu erfolgen hat, nicht form- oder fristgerecht sei. Zeitungen können so etwas nicht einhalten, wer das will, muss eine bezahlte Anzeige schalten.

T-  Telefonnummern

Nichts ist ärgerlicher, als für Rückfragen lange nach Telefonnummern suchen zu müssen. Eine Festnetz- und eine Handynummer als Kontaktmöglichkeiten sind ein Muss bei jeder Pressemitteilung.  Und bitte keine Büronummer, die nur vormittags von 10 bis 12 Uhr besetzt ist. Außerdem: Kontakttelefonnummern, die zur Veröffentlichung bestimmt sind, bitte mehrmals überprüfen, sie müssen richtig sein.

U – Uhrzeit

Redakteure arbeiten an den Texten vor allem am späteren Nachmittag, manche bis in den frühen Abend  hinein. In dieser Zeit sollte der Absender einer Pressemitteilung erreichbar sein für Nachfragen (siehe T – Telefonnummern).

V – Vorstand

„Der Vorstand würde sich über eine rege Beteiligung freuen“, schrieb ein Kollege einst unter jede Meldung. Ach nee? Alles andere wäre jetzt aber eine Überraschung gewesen. Streichen!

W – Wohl, leibliches

Weg damit! Absolute verpönter Begriff, wenn schon über Essen und Trinken schreiben, dann anders. Bei vielen Veranstaltungen ist es sogar eine Selbstverständlichkeit, dass es etwas gibt. Merke: Beim Grillfest der Feuerwehr ist für das leibliche Wohl gesorgt.

X – für ein U vormachen

Gern versteigen sich die Autoren von Kultur-Ankündigungen in schwelgerische Beschreibungen der großartigen Darbietung (was meistens von den Agenturen der Künstler übernommen wird). Der Zeitungsredakteur aber hat die Darbietung gar nicht gesehen, und da der Text in der – glaubwürdigen – Zeitung steht, wird er solche schwelgerischen Beschreibungen herausstreichen. Anders ist es, wenn er aus eigener Anschauung weiß, dass die Darbietung hervorragend ist.

Y – Yesterday

Zeitungsmachers Liebling: Was gestern passierte, sollte spätestens morgen im Blatt stehen. Wer meint, über seine Veranstaltung oder die Neuwahl im Vereinsvorstand Tage, wenn nicht gar Wochen später noch einen Bericht in der Lokalzeitung loswerden zu können, der irrt gewaltig. So etwas landet im Papierkorb. So etwas gibt es tatsächlich: Erst jüngst kam ein Bericht über eine Aktion von vor vier Wochen in die Redaktion.

Z – Zeitungen . . .

. . . sind keine hundertjährigen Kalender, sondern aktuelle Medien. Siehe Y

Kleiner Leitfaden Pressearbeit zum Download:
Pressearbeit

Autor: Susanne

Susanne Peyronnet *1960 Wurzeln in Niedersachsen Leben in Schleswig-Holstein Redakteurin seit 1981 Hobbys: Reisen, Lesen, Reiten Musik: Klassik, Klassik, Klassik (Ausnahme Kammermusik) Länder: Deutschland, Frankreich

4 Kommentare

  1. Ein Traum. :-)
    Das sollten sehr viele Menschen lesen.
    Z.B. auch die Werber der IGA 2013 hier in Hamburg… mehr oder weniger schicker Flyer wo sogar das Logo der S-Bahn drauf war. Nur leider nicht welche Station. ICH z.B. wusste die Station nicht. Touristen noch weniger.
    *kopfschüttel*

    • Lieber Peter,
      genau diese Kunden- oder Lesertauglichkeit ist es, die uns dazu bringt, in Pressemeldungen möglichst viele Informationen unterzubringen. Deshalb ist meine Anleitung letztlich nicht in erster Linie dazu da, uns Redakteuren die Arbeit leichter zu machen – das natürlich auch -, sondern dem Leser möglichst informative Ankündigungen und Pressemeldungen zukommen zu lassen. Gerade Veranstalter sollten doch ein großes Interesse daran, den Besuch ihrer Veranstaltungen möglichst problemlos zu gestalten und keine hohen Hürden aufzubauen.

  2. Gut und kurz + bündig formuliert

    Gibt es auch Erfahrungen von Ihnen in Sachen Online-Medien?
    Hier geht man davon aus, dass Veröffentlichungen am meisten in der Zeit von Mo-Mi abgerufen werden.

    • Konkrete Erfahrungen habe ich damit nicht. Aber ich kann es mir gut vorstellen, da viele Leute während der Arbeit oder zumindest in der Woche online sind, aber eher selten am Wochenende. Vor allem wenn das Wetter gut ist. Das beschert Blogs auch jedesmal ein sattes Sommerloch bei den Zugriffszahlen. Wer also möchte, dass sein Online-Beitrag möglichst wenig gelesen wird, der stelle ihn im Sommer ins Netz.
      Ansonsten kommen viele Leser über Google, deshalb sind gerade für Infotexte die entsprechenden Keywords wichtig. Das kann ein guter SEO-Experte aber besser erklären als ich.

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