Die h-moll-Messe und die Sünd der Welt

Ich sitze viel im Auto. Damit es nicht so langweilig wird, höre ich unterwegs Hörbücher. Meistens Krimis. Dabei habe ich einen Fehler entdeckt, einen sachlichen Fehler. Nicht in der Beweiskette, sondern in der Musik, die eine der Hauptfiguren hört: die h-moll-Messe von Johann Sebastian Bach.

J. S. Bach – Gloria in Excelsis Deo (Messe h-moll)

Es war „Bußestunde“ von Arne Dahl, die letzte in einer langen Reihe von Kriminalgeschichten und der letzte Fall der A-Gruppe. Erst habe ich das Hörbuch gehört, in dem Passagen vorkommen, in denen Paul Hjelm beim Nachdenken die h-moll-Messe von Bach hört. Der Autor zitiert sogar eine Textzeile aus dem „Gloria“, lässt „Der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser“ zu Paul Hjelms Lieblingsstelle werden.

Zunächst habe ich darüber hinweg gehört. Dann gestutzt. Dann die h-moll-Messe herausgeholt und in den CD-Player eingelegt. Kyrie, Gloria . . . Moment mal. Da singt niemand von der Sünd der Welt. Die Textzeile in der h-moll-Messe lautet „Qui tollis peccata mundi, miserere nobis. Messen liegt immer derselbe lateinische Text zugrunde.

Entweder es ist nett von Arne Dahl, dass er dem Leser und Hörbuchhörer die deutsche Übersetzung anbietet oder er hat keine Ahnung. Dabei wäre es ganz einfach gewesen, wenn es ihm um die Zeilen mit der Sünd der Welt gegangen wäre. Anstelle der h-moll-Messe hätte er nur die Matthäus-Passion von Bach setzen müssen. Dort kommen genau diese Textzeilen in einem Choral vor.

Rezenten bescheinigen Dahl in „Bußestunde“ einige Ungereimtheiten. Ich wette jedoch, diese meinten sie nicht. Die allzu schneidig genommene Kurve von einer Messe über den lateinischen Text zur Sünd der Welt dürfte den wenigstens Lesern aufgefallen sein. Ich bin auch erst langsam darauf gekommen.

Insgesamt ist das Buch, das das Ende der A-Gruppe markiert, solide Krimikost mit zwei Handlungssträngen. Zentrales Thema ist die Anorexie, im Zentrum steht eine Serienmöderin, etwas sehr seltenes. Sie arbeitet mörderisch ihr Jugendtrauma auf. Alles spannend zu lesen, aber kein Buch, das mir auf ewig im Gedächtnis bleiben wird. Es sei denn, ich höre gerade mal wieder Bachs h-moll-Messe.

Bemerkenswert ist noch, dass der CD-Player im Auto den Titel des Hörbuches als „Bussestunde“ angibt. Busse allerdings kommen in dem Buch gar nicht vor.

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