Der rätselhafte Barterlass

Mitunter begegnen einem seltsame Begriffe, die sich nicht auf den ersten Blick zuordnen lassen. Da hätten wir zum Beispiel den Barterlass. Den gibt es zwar nicht mehr, interessant ist er aber dennoch. Denn es lässt sich trefflich darüber philosophieren, was das sein soll.

Dieser Erlass muss irgendetwas mit dem Bart zu tun haben. Zunächst: Ein Erlass kann nur von einer Behörde oder einem Amt kommen. Und Bärte haben nur Männer. Das schränkt die Möglichkeiten schon mal ein. Der Barterlass stammt ursprünglich vom Innenministerium Nordrhein-Westfalen, gilt aber in abgewandelter Form und nicht als Erlass mittlerweile in ganz Deutschland.

Diese Vorschrift schreibt natürlich nicht allen Männern vor, ob oder wie sie ihren Bart zu tragen haben. Um das Wie geht es überhaupt nicht. Der Barterlass sagt, dass gar kein Bart und keine Koteletten getragen werden dürfen. Dabei geht es um die Dichtlinie. Wieder so ein rätselhaftes Wort.

Aber die Dichtlinie führt uns immerhin auf eine richtige Spur. Der Bart darf nicht die Dichtheit von etwas einschränken. Was tragen Männer (natürlich auch Frauen, aber die haben keinen Bart) auf dem Gesicht, was dicht sein muss? Irgendwelche Masken vermutlich. Und damit sind wir dem Barterlass wieder ein Stück näher gekommen.

Für Spaßmasken braucht es keinen Erlass. Dicht müssen sie auch nicht sein. Der Barterlass bezieht sich auf die Atemschutzträger der Feuerwehren. Sie sind diejenigen, deren Gesundheit und sogar deren Leben von der Dichtheit ihrer Atemschutzmasken abhängt. Und deshalb heißt es in der FwDV, der Feuerwehrdienstvorschrift Atemschutz: „Einsatzkräfte mit Bart oder Koteletten im Bereich der Dichtlinie von Atemanschlüssen sind für das Tragen für die bei den Feuerwehren anerkannten Atemschutzgeräte ungeeignet.“

Oder um es etwas verklausulierter zu sagen: Keine Haarpracht soll den Dichtsitz der Dichtkontur eines Atemanschlusses unterbrechen.

Ob der Barterlass noch zeitgemäß ist, darüber wird hier nachgedacht. Mit eindeutigem Ergebnis.

Übrigens gibt es auch bei der Bundeswehr einen Haar- und Barterlass. Dabei spielen ganz andere Dinge als bei der Feuerwehr eine Rolle. Zwar geht es auch um Funktionsfähigkeit und Unfallverhütung, außerdem um Disziplin und Hygiene. Beim Bund spielt aber noch etwas anderes eine Rolle: das Ansehen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit. Das ist nun wirklich eine etwas verstaubte Sichtweite, oder?

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