Das Panzermuseum und die Printmedien

Ich fahre häufiger über die A7 zwischen Hamburg und Hannover. Zwei Hinweistafeln sind mir jedes Mal aufgefallen: die für die Gedenkstätte Bergen-Belsen und die für das Panzermuseum Munster. Beide habe ich jetzt besucht, mit zwei Tagen Abstand. Mit dem Panzermuseum ist dabei ein großes Missverständnis verbunden. Auslöser ist der „Antrag auf Fotografier- oder Dreherlaubnis im Deutschen Panzermuseum Munster und anschließende Bildnutzung; Antrag zur Vermessung von Exponaten“.

Panzerketten im Deutschen Panzermuseum Munster
Detailaufnahme aus dem Deutschen Panzermuseum in Munster.


Ich wollte natürlich im Museum fotografieren und hinterher über meinen Besuch bloggen. Aber darf ich das überhaupt? Auch wenn ein Blog kein Printmedium ist. Aber als Redakteurin einer Tageszeitung springt mir der Begriff „Printmedium“ natürlich sofort ins Auge.

Die Vorgaben des oben genannten Antrags sind erst einmal ganz klar:

„Gewerbliche Zwecke
Bitte geben Sie knapp Art, Inhalt und die geplante Form der Veröffentlichung (Buch, Magazin, Homepage, Herstellung von Postkarten, Ausstellung u.ä.) an.
Im Falle gewerblicher Nutzung in Form von Printmedien entstehen Gebühren, die sich nach der Auflage richten.“

Diese Gebühren beginnen bei 100 Euro für eine Auflage bis 500 Stück, bei einer Auflage von mehr als 5000 sind 750 Euro fällig.

Fragen über Fragen

Ich habe mich wegen dieser Angaben an die Pressestelle des Museums gewandt. Mein Arbeitgeber, ein Verlag, der ein gewerbliches Printmedium, also eine Zeitung, herausgibt, müsste nach diesen Richtlinien bei einer Auflage von um die 100 000 Stück 750 Euro für die Fotonutzung zahlen. Das macht keine Redaktion. Meine Fragen an die Pressestelle lauteten: Warum nimmt das Museum Gebühren für die Veröffentlichung in Printmedien? Muss nicht jedes Museum, jede öffentliche Einrichtung froh darüber sein, wenn über sie berichtet wird? Gibt es Redaktionen, die diese Gebühren bezahlen? Welche Reaktionen bekommen Sie auf diese Forderung? Haben schon einmal Redaktionen deshalb von der Berichterstattung Abstand genommen? Könnte ich auf meinem Blog von mir gemachte Bilder zu einem Artikel über den Besuch im Panzermuseum veröffentlichen oder wären auch dafür Gebühren fällig? Ich habe dezent Werbung eingebunden, bin also letztlich gewerblich, obwohl ich das Blog als Hobby betreibe.

Die Antwort von Museumssprecherin Julia Engau kam prompt. Sie war ob meiner Anfrage doch etwas verwundert. „Sie sind tatsächlich die erste Pressevertreterin, die unser Formular zur Bildnutzung so interpretiert hat.“

Definition Printmedium

Das wiederum verwundert mich. Ein Printmedium ist für mich in erster Linie ein Presseerzeugnis auf Papier, also eine Zeitung oder eine Zeitschrift oder ein Buch. So wird es in allen Debatten über die Zukunft des Journalismus gesehen und verstanden. Und so definiert es auch das Gabler-Wirtschaftslexikon.

„Sammelbegriff für alle auf Papier gedruckten Medien. Meist werden Zeitungen, Zeitschriften, Bücher und sonstige Druckerzeugnisse (wie z.B. Beilagen, Kataloge, Prospekte und Anzeigenblätter) unterschieden.“

Im Panzermuseum wird das Wort Printmedien anders verstanden. Julia Engau: „Die auf unserer Webseite zu findenden Formulare sollen Foto-, Film- und Vermessungsaufnahmen regeln, die einen originär kommerziellen Zweck dienen; etwa für Polygone für Computerspiele oder technische Zeichnungen für Modellbaufirmen oder Filmaufnahmen für Produktionsfirmen, die ihr Material dann an Sender verkaufen und in denen wir nicht originär das Thema sind und vieles mehr.“ Natürlich, da hätte ich selber drauf kommen können: Für Modellbaufirmen und Computerspiel-Entwickler muss ein Museum voller Panzer eine wahre Fundgrube sein. Der Antrag enthält deshalb auch einen Teil, in dem es um Vermessungen der Exponate geht.

Gratis für journalistische Zwecke

Die Sprecherin stellt schließlich klar: „Wir nehmen natürlich keine Gebühren für die Veröffentlichung unserer Bilder oder fremdaufgenommener Bilder unserer Exponate, wenn diese einem journalistischen Zwecke dienen. Im Gegenteil freuen wir uns sehr, wenn es professionell gemachte Bilder von unseren Exponaten gibt und diese in journalistischem Kontext eingebunden veröffentlicht werden. Gleiches gilt auch für Besucher, die gerne knipsen und auch in sozialen Medien verlinken dürfen, wie es beliebt.“

Weiter erläutert Engau ausführlich, dass das Museum wie alle anderen Museen darauf angewiesen ist, Einnahmen zu erzielen. Mit den eingenommenen Gebühren werde der Förderverein unterstützt, Praktikanten ein kleines Salär gezahlt, das Museum um Hinweisschilder oder Medienstationen ergänzt. Aber die Notwendigkeit einer Genehmigung hat noch einen anderen Hintergrund. Julia Engau: Mit diesem Vorgehen möchten wir unsere Bildmarken und Rechte an den Exponaten vor der Nutzung Unbefugter schützen.“

Alles nachvollziehbare und gute Gründe. Aber vielleicht sollte das Museum noch einmal über den Begriff Printmedien nachdenken. Könnte ja sein, dass andere Journalisten den Begriff auch falsch verstehen und gleich ganz von einem Bericht über das Museum absehen. Das wäre schade.

Einen ausführlichen Bericht über meinen Besuch im Panzermuseum Munster gibt es hier in den kommenden Tagen zu lesen. Auch über meinen Besuch in Bergen-Belsen werde ich berichten.

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