Untrennbare + Wörter – meine kleine Hitliste

Wer regelmäßig mit Texten umgeht, dem werden sie überall begegnen: Wörter, die grundsätzlich im Doppelpack daherkommen. Meine Hitliste dieser Kombinationen habe ich über ein paar Monate zusammengetragen und präsentiere sie jetzt. Die Liste ist kann natürlich jederzeit erweitert werden. Immer, wenn mir neue untrennbare Wörter über den Weg laufen, füge ich sie hier als Ergänzung an. Außerdem nehme ich in den Kommentaren gerne weitere Kandidaten auf.

junge + Mutter

Spätestens als das Wort Spätgebärende in den allgemeinen Sprachgebrauch einging, begannen Mütter nicht mehr zwangsläufig jung zu sein. Oder aber: Mütter bleiben auch dann Mütter, wenn ihre Kinder groß sind. Dann sind die Mütter aber nicht mehr jung. Junge Mutter soll wohl heißen, dass die Frau, die hier gemeint ist, Mutter eines noch sehr kleinen Kindes ist, also erst seit jüngstem Mutter und deshalb junge Mutter.

harte + Arbeit

Arbeit kann auch Spaß machen. Dann ist sie nicht hart, sondern macht Spaß.

wohlverdienter + Ruhestand

Bei den meisten Ruheständlern mag zutreffen, dass sie sich ihren Ruhestand in einem langen Arbeitsleben verdient haben. Aber was ist mit den Faulpelzen und Drückebergern, die sich ihr gesamtes Arbeitsleben lang auf Kosten anderer einen lauen Lenz gemacht haben? Ich warte bis heute vergebens darauf, dass ihnen jemand einen unverdienten Ruhestand bescheinigt.

streikende + Lokführer

Zugegeben, das ist eine Kombination, die aus einer bestimmten Zeit stammt. Ich wandele sie für mich gerade ab in streikende + Busfahrer. Bei den Berufen mag jeder einsetzen, welche Profession ihn gerade durch lang andauernde Streiks nervt.

sonniges + Gemüt

Wer kein sonniges Gemüt hat, hat gar kein Gemüt, sondern permanent schlechte Laune oder ist von Haus aus ein Sauertopf. Das lässt sich nicht mit schattiger Laune umschreiben. Obwohl: Es wäre vielleicht mal eine Idee.

Sommerloch + stopfen

Leider kann es sich niemand leisten,  das Sommerloch einfach mal offen zu lassen, vor allem Redakteure und Politiker nicht.

sachdienliche + Hinweise

Darum bettelt die Polizei immer dann, wenn sie in einem Fall nicht weiterkommt. Genau genommen bettelt sie um Hinweise, das sachdienliche könnte man sich auch schenken. Denn eines ist klar: So oft Spinner und Möchtegern-Hinweisgeber im Umfeld von Ermittlungen auftauchen, ihre Hinweise sind erstens nie sachdienlich und zweitens nicht erwünscht.

scharf + kritisiert

Kritisiert allein ist zu wenig. Politiker, die nur kritisieren, kritisieren nicht richtig, es muss scharf kritisiert werden. Die Kritik soll doch die richtige Würze haben.

grausiger + Fund

Taucht immer dann auf, wenn irgendjemand eine Leiche findet. Ein ungrausige Leiche kann ich mir aber nicht vorstellen. Für Leute, die nicht täglich damit zu tun haben, ist jeder Tote grausig, vor allem, wenn man darüber stolpert, ihn also findet.

Rücktritt + Respekt

Kein Rücktritt ohne Respekt. Spätestens eine halbe Stunde, nachdem ein Rücktritt bekannt gegeben wurde, kommt der erste daher und zollt dem Zurückgetretenen Respekt. Die zwingende Folge aus so einem Respekt heischenden Rücktritt ist das Verschwinden in der Bedeutungslosigkeit – zumindest zeitweise.

Schöner Nachtrag von der Floskelwolke:

Nachtrag II:

Nachtrag III:
glücklicher + Gewinner

Ein Gewinner hat gefälligst glücklich zu sein. Ist er es nicht, hat er das gefälligst nicht zu zeigen und seinen Gewinn heimlich an jemanden weiterzugeben, der damit glücklich ist.

Nachtrag IV:

guter + Zweck

Schon mal jemanden gesehen, der für einen schlechten Zweck gespendet hat? Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit werden allüberall die guten Zwecke bemüht. Besser wäre es ja, gleich zu sagen, was dieser gute Zweck ist.

4 Kommentare

  1. Im Sprachgebrauch meines Arbeitgebers gibt es den Sondervorruhestand, den Vorruhestand und den wohlverdienten Ruhestand. Letzterer beginnt erst, wenn die gesetzliche Rentenversicherung zahlt.

    1. Auch eine interessante Steigerung und eine außergewöhnliche Definition für den wohlverdienten Ruhestand. Die Formulierung kenne ich nur aus Abschiedsreden, da grassiert sie allerdings.

  2. Das schönste Wortungetüm ist für mich die „Vorspiegelung falscher Tatsachen“. Dieses der Juristensprache entlehnte fixierte Wortgefüge verdient eine kritische Würdigung. Wer etwas vorspiegelt, behauptet die Existenz von etwas, das nicht existiert. Tatsachen sind hingegen nicht entweder wahr oder falsch, sondern schlicht Fakten, also stets existent oder, wenn man so will, stets wahr. Soll dieses Wort(un)gefüge also die Behauptung der Nichtexistenz eines nichtexistierenden Faktums bedeuten? Keineswegs! Der Duden bemerkt hierzu:

    „Vorspiegelung falscher Tatsachen: Diese Wendung ist eigentlich unsinnig, denn das Substantiv Vorspiegelung hat schon die Bedeutung Täuschung, schließt also die Bedeutung von falsch ein. Auch schließt das Wort Tatsache die Bedeutung von wahr ein und schließt damit das Attribut falsch aus, weil es keine falschen Tatsachen geben kann. Trotzdem ist die Wendung Vorspiegelung falscher Tatsachen sprachüblich geworden.“

    „Eigentlich“ ist zwar eigentlich überflüssig, aber abgesehen davon hat der Duden Recht.

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