Päpstliches Karnickelgate: Wie rammelig sind Kaninchen?

Ist es Satire oder ernst gemeint? Egal. Die Karnickel-Meldung von heute ist das beste, was ich seit langem gelesen habe. Amüsant, witzig und vor allem sehr erhellend. Ob der Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter das nun gewollt hat oder nicht: Es ist ihm gelungen, endlich mal in die ganz große Presse zu kommen.

Der Verband hat den Papst kritisiert. Franziskus hatte zum Thema Verhütungsmittel-Verbot gesagt, dass Katholiken sich nicht wie „Karnickel“ vermehren müssten. Erwin Leowsky, der Präsident des Zentralverbandes, nahm umgehend die Kaninchen in Schutz. Er konterte, nur freilebende Kaninchen gäben sich einem ausschweifenden Sexualleben hin. Zuchtkaninchen vermehrten sich dagegen in geordneten Bahnen – was immer das sein mag. Die Worte des Papstes nannte Leowsky „dumme Sprüche“ und legte dem Pontifex nahe, solche Redensarten zu lassen.

Was lehrt uns das? Zunächst dass die für Lokalredaktionen und ihre Themen schon sprichwörtlichen Kanickelzuchtvereine gar nicht so sublokal-spießig sind wie ihr Ruf. Sondern dass der Kaninchenzüchter per se in der ganz großen politischen Liga spielt. Wer legt sich schon mit dem Papst an? Das schafft sonst kein sublokaler Verein. Da können die Tauben- und Rassegeflügelzuchtvereine nur vor Neid erblassen.

Außerdem lehrt es uns, dass es keinen Vergleich, kein Zitat, keinen Spruch gibt, von dem sich nicht sofort jemand beleidigt fühlt und zur Ehrenrettung von sich selbst oder seinen Kaninchen oder von mir aus auch seinem Kaktus aufspringt. Dabei schrecken die Kritiker vor nichts und niemandem zurück, nicht einmal vor dem Papst. Müssen wir also unsere Worte in Zukunft noch vorsichtiger abwägen. Noch mehr bedenken, wen wir mit was beleidigen, diskreditieren, gar diskriminieren könnten? Sind wir alle niemals und nirgendwo davor sicher, in ein Fettnäpfchen zu treten? Oder sind die Verfechter der Karnickel- und ähnlicher Interessen einfach zu empfindlich?

Es gibt sicherlich eine Grenze, unter der oder hinter der Empfindlichkeiten einfach nur noch lächerlich sind. Aber wo ist diese Grenze zu ziehen? Dort, wo sich Menschen von knutschende Pärchen, ob lesbisch oder nicht, gestört fühlen? Und was zählt in dem Fall mehr: Das Recht auf die eigene Empfindlichkeit oder das Recht der Liebenden, sich nahe zu sein. Müssen Caféhausgäste das aushalten? Und müssten sie dann auch lautes Grölen aushalten? Eine Frage, die mir gerade wegen einer kleinen Debatte durch den Kopf geht und auf die ich noch keine Antwort weiß.

Ich persönlich sehe die Grenze dort, wo Menschen, ob einzelne oder als Gruppe, herabgewürdigt werden. In solchen Fällen ist jede Aufregung, jede Aufforderung, das zu unterlassen, zwingend angebracht. Wo diese Herabwürdigung beginnt, ist oft Auslegungssache. Ich hoffe, immer feinfühlig genug zu sein, diese Grenze zu sehen und zu beachten.

Für alles andere habe ich nur ein müdes Lächeln übrig und amüsiere mich über die Wellen, die ein Vorgang wie das Karnickelgate schlägt. Und allen, die auch mal international oder doch zumindest deutschlandweit in die Schlagzeilen kommen wollen, empfehle ich, sich bei Erwin Leowsky zu erkundigen, wie das geht. Denn die Karnickelzüchter, die haben’s drauf.

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