Neue Postbankgebühren: Wer verhandelt, bekommt vielleicht den Altersbonus

Neue Postbankgebühren: Wer verhandelt, bekommt vielleicht den Altersbonus

Zurzeit machen die neuen Gebühren der Postbank Furore. 99 Cent will die Bank ab 1. April für jede Papierüberweisung von ihren Kunden haben, die sich bisher über ein komplett kostenfreies Konto freuen konnten. Die Absicht dahinter ist klar: Die Kunden sollen zum Online- oder Telefonbanking gedrängt oder zumindest an die Terminals in den Filialen getrieben werden, um dort ihre Überweisungen einzutippen. Verständlich von Seiten der Bank, aber ein große Problem für ältere Menschen. Wer sich wehrt, hat vielleicht die Chance, die Gebühren abzuwenden.

Meine Eltern sind Postbankkunden. Sie sind beide über 80 Jahre alt, haben keinen Computer und sind schwerhörig. Telefonbanking fällt also aus, ebenso wie Onlinebanking. Sie verschließen sich nicht den Serviceterminals und würden gern dort ihre Überweisungen erledigen. Dumm nur, dass in ihrer Postbankfiliale in einer Kleinstadt gar kein Serviceterminal steht. Das lohne sich nicht, es seien nicht genug Kunden dafür da, hieß es von den Mitarbeitern. Daran werde sich auch nichts ändern.

Was nun? Für jede Überweisung einen Euro bezahlen? Das könnte teuer werden. Ein Anruf bei der Postbank-Zentrale in Hamburg gab erst einmal eine leichte Entwarnung. Dort erhielt mein Vater die Auskunft, die Gebührenregelung gelte nur für Kunden bis 60 Jahre. Für alle älteren seien die Papierüberweisungen weiterhin kostenlos. Auf die schriftliche Bestätigung dafür wartet mein Vater nun noch.

Ich habe mal ein bisschen auf den Postbankseiten nach dieser Information gesucht. Leider war sie nirgends zu finden. Warum verschweigt die Postbank das? Fragt sich auch, warum die Kunden unabhängig vom Alter alle das Schreiben erhalten haben, dass die 99-Cent-Gebühr ab 1. April fällig sei. Hätte man diese Briefe nicht nach Alter filtern müssen?

Eine Anfrage bei der Postbank gibt Aufschluss. Die Antwort lässt tief blicken. Nur wer sich wehrt, hat die Chance, die Gebühren abzuwenden.

„Wir können gut verstehen, dass es manchen Älteren nicht mehr möglich ist, das Online-Banking, Telefon-Banking oder ein Service-Terminal zu nutzen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir hier keine allgemeine Aussage treffen, sondern jeden Kunden individuell betrachten. Deshalb bitten wir unsere Kunden, sich persönlich an uns zu wenden:

• in einem Postbank Finanzcenter oder
• per Brief an: Postbank Hamburg – 22283 Hamburg

Gemeinsam finden wir sicher eine gute Lösung.“

Heißt doch wohl konkret: Es gibt keinen Altersbonus. Wer die Gebühren stillschweigend hinnimmt, der wird geschröpft. Wer sich wehrt, für den wird – vielleicht – eine Kulanzlösung gefunden. So richtig befriedigend ist das nicht. Vielleicht müssen einfach mehr Menschen über 60 das Kulanzangebot anmahnen. Wie wär’s mit einem Senioren-Shitstorm?

Nachtrag: Meine Eltern haben ihre Situation in einem Brief an die Postbank dargelegt. Die Bank teilte daraufhin mit, sie hätten alle Voraussetzungen erfüllt, ihr Konto sei von Gebühren für Papierüberweisungen freigeschaltet worden. Widerstand lohnt sich also.

Neue Postbankgebühren: Wer verhandelt, bekommt vielleicht den Altersbonus

4 Kommentare

  1. Danke für den Tipp, den ich gern weitergebe, denn diese neue Regelung hat auch in meinem Umfeld für Unmut gesorgt. Ein Wechsel der Bank – aus meiner Sicht die einzig sinnvolle Antwort auf diese neue Regelung – ist gerade für ältere Menschen unter Umständen ein größerer Schritt ist als der, zähneknirschend diese wahnwitzigen Gebühren in Kauf zu nehmen. Auf die Idee, dass es Sinn haben könnte, sich hier zu beschweren, bin ich gar nicht gekommen.

    1. Weil die noch viel mehr hinlangen: Kontoführungsgebühr, Überweisungsgebühr. Alles schon ausprobiert, die Postbank war die letzte kostenlose Alternative, wenn es keine Onlinebank sein sollte.

  2. Ja die Banken wollen offensichtlich die Kunden in das Online Geschäft drängen. Die Postbank hat meiner Meinung nach zwar ein geniales und nutzerfreundlichen Online-System, aber gedrängt mit solchen Preisen sollten die Kunden trotzdem nicht werden.

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