Gefunden oder aufgefunden: Ich finde keine Antwort

Gefunden oder aufgefunden: Ich finde keine Antwort

Aufgefunden ist ein seltsames Wort. Verwendet wird es offenbar nur bei Toten. Wer die Formen des Verbs finden genauer beobachtet, dem wird es auffallen.

Eine Google-Suche bestätigt meinen Eindruck. Die ersten Einträge beschäftigen sich alle mit tot aufgefundenen Menschen, meistens Vermissten. Ganz unten auf der ersten Suchseite wird dann noch in einem Google+-Eintrag von Markus aus Lübeck ein Seeadler tot aufgefunden. Ganz selten wird mal jemand bewusstlos aufgefunden. Aber das ist eine Ausnahme.

Warum Tote nicht gefunden, sondern aufgefunden werden, selbst wenn sie zuvor als Vermisste gesucht werden, ist mir schleierhaft. Ich habe keine Erklärung dafür, warum das Wort aufgefunden in fast allen Fällen nur in diesem Zusammenhang verwendet wird, alle andere verlorenen Dinge aber gefunden und nicht aufgefunden werden. Verlegte Schlüssel, Dinosaurierskelette oder Geld werden nie aufgefunden, sondern immer gefunden oder – beim Dinosaurierskelett – entdeckt.

Eine Erklärung könnte sein, dass das Wort aufgefunden dem Polizeideutsch entsprungen ist und sich deshalb für Todesfälle eingebürgert hat. Aber das ist nur eine Vermutung, die durch nichts belegt ist. Ergo: Ich habe keine Lösung dafür aufgefunden, warum Tote nie gefunden werden. Jedenfalls sprachlich nicht.

Gefunden oder aufgefunden: Ich finde keine Antwort

4 Kommentare

  1. Rein gefühlsmäßig habe ich den Eindruck, dass nicht nur bei Toten von Auffinden die Rede ist, sondern ebenfalls bei vermissten, auch einigen verlegten Dingen. Es kommt auf den speziellen Fall an. Zum einen wird meist hervorgehoben, dass sie noch im ursprünglichen Zustand, also unversehrt und unverändert wiederentdeckt wurden (Verlegter Schmuck wird wieder aufgefunden.)
    Informationen, z. B. eine bestimmte Datei wird (im Speicher) aufgefunden.
    Das Dinosaurierskelett, das du erwähnst, wird, wenn es das erste Mal entdeckt wird, gefunden. Hat es danach jemand geklaut und es wird irgendwo bei der fieberhaften Suche wiederentdeckt, wird es hingegen aufgefunden.

    Ich habe keinen Beleg für meine Theorie, es ist einfach mein Empfinden. ^^

    LG Michèle

  2. Ich sprach nicht von Vermissten (groß geschrieben), sondern von vermissten und verlegten Dingen, die – ebenso wie die von dir genannten Toten (groß) – aufgefunden werden, Susanne. Meine Anmerkung war eigentlich nur, dass das sehr spezielle Wort außer bei Verstorbenen auchin Verbindung mit Dingen angewendet wird.

    LG Michèle

  3. Zum einen kann dergleichen ein fixiertes Wortgefüge sein, also wirklich im Zusammenhang mit einer polizeilichen Sprachregelung stehen. Fixierte Wortgefüge reflektieren oft alte Sprachstände, z.B. gibt es m.W. das Wort „sonder“ in der Bedeutung „ohne“ nurmehr in dem Gefüge „sonder gleichen“.

    Zum anderen hat Michèle etwas zum Ausdruck gebracht, dem ich in Bezug auf die Semantik zustimme: es wird etwas Verborgenes (Unerwartetes würde ich hinzufügen) entdeckt. Im Grimmschen Wörterbuch wird Goethe mit den Worten zitiert: „wo sichs versteckte, wust ers aufzufinden“ (http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GA06251#XGA06251).

    Eine Google-Suche nach „wurde aufgefunden“ bringt übrigens auch Resultate zu vermissten Dingen oder Personen (Diebesgut, Verletzter, Mädchen).

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This Blog will give regular Commentators DoFollow Status. Implemented from IT Blögg