Es lebe der Geisterfahrer

Ich widerspreche ungern der Floskelwolke, dieser wunderbaren Einrichtung wider die Floskelogie und Phrasigkeit.  Aber wie das so ist, selbst wenn man etwas schätzt, heißt dass noch lange nicht, dass man in jeder Hinsicht damit übereinstimmt. Es gibt als Floskeln angeprangerte Wörter, die ich nicht als solche sehen. Beispiel Geisterfahrer.

Der Geisterfahrer ist weitgehend vom Falschfahrer abgelöst worden. Die Floskelwolken-Autoren erklären, warum sie das richtig finden: „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Der Begriff wurde inzwischen durch Falschfahrer ersetzt, weil Geisterfahrer zu verharmlosend und spielerisch klingt.“

Dassehe ich ganz anders. Gerade heute habe ich jemandem erklärt, warum ich den Begriff Geisterfahrer bevorzuge und richtig finde. Der Geisterfahrer wurde nämlich nicht wegen des spielerischen Klangs des Wortes vom Falschfahrer abgelöst, sondern weil nach meiner Erinnerung irgendwelche Behörden meinten, das sei das richtigere, korrekte Wort. Denn da führen keine Geister, sondern Autofahrer falsch. Wenn Behörden sich Wörter ausdenken, dann werde ich immer skeptisch.  Geisterfahrer ist für mich ein gängiger, griffiger Begriff. Die Mehrheit der Menschen nennt einen Autofahrer, der falsch herum auf der Autobahn fährt, Geisterfahrer. Warum also ein kraftvolles, weit verbreitetes Wort durch ein blasses Behördenwort ersetzen?

Übrigens: Wer wie in einem aktuellen Fall bei uns plötzlich auf der Autobahn von vorne ein Auto heranrasen sieht, der glaubt ganz bestimmt, ihm sei ein Geist erschienen. Ein Schrecken, wie ihn jede Geisterbahn erzeugen will, nur eben real und möglicherweise tödlich. Darum: Es lebe der Geisterfahrer, liebe Floskelwolke.

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