Bolzen in B. - Die Kunst, eine Vereins-Pressemitteilung zu schreiben

Bolzen in B. – Die Kunst, eine Vereins-Pressemitteilung zu schreiben

Eines vorweg: Das hier ist kein Vorwurf und keine Anklage. Es ist nur ein Beispiel. Ein Beispiel dafür, welche Mitteilungen, zumeist von Vereinen, aber auch von lokalen Veranstaltern, täglich in die Lokalredaktionen kommen. Und was am Ende daraus wird, damit es eine richtige Nachricht im Stil einer Nachricht wird, auch wenn die meisten Nachrichten eher Ankündigungen sind und keine wirklichen Nachrichten im Sinne von Neuigkeiten.

Wir Lokalredakteure wissen, dass wir es nicht mit Profis zu tun haben. Deshalb ist das hier wirklich kein Vorwurf. Unter uns: Auch viele Profis wissen nicht, wie es geht. Was sich die Vereinspressewarte nicht klar machen: Erstens kann die Zeitung die Leser nicht mit „wir“ und „uns“ ansprechen, wie es in vielen Pressemitteilungen steht. Denn die Mitteilung kommt eben nicht von der Redaktion, wie das „wir“ nahelegen würde, sondern von einem Verein oder Veranstalter. Deshalb führt ein Satz wie „Wir freuen uns, Künstler xxx verpflichtet zu haben und versprechen den Besuchern einen herausragenden Abend.“ in die Irre. Darin steckt übrigens noch ein zweiter Fehler. Ob der Abend herausragend wird, kann die Zeitung nicht beurteilen. Deshalb wird ein solches Urteil stets beim Redigieren herausgestrichen.

Aber nun zu einem Beispiel, natürlich in jeder Hinsicht anonymisiert. Es ging im Original nicht ums Bolzen und der Ort beginnt nicht mit einem B. Hier der Text, wie er in die Redaktion geschickt wurde.

Bolzen in B.

Der TSV in B. lädt zu seinem traditionellen Bolzen, in diesem Jahr am 30. Mai,  auf den Platz mitten im Dorf ein. Bei hoffentlich strahlendem Sonnenschein erwarten wir zahlreiche Spieler, die sich in 4 unterschiedlichen Wettbewerben messen können. Mit im Programm sind wieder die allseits beliebten Wettbewerbe für die Kinder ab 3 Jahren. Nach jetziger Planung beginnt das Bolzen mit den Erwachsenen ab 14:00 Uhr.
Für das leibliche Wohl ist bereits ab 12:30 Uhr gesorgt.
Der TSV B. hofft auf rege Beteiligung und viele Zuschauer, die wie in den vorherigen Jahren zur guten Stimmung beitragen.
Anmeldeschluss ist der 21.05. 2015
Anmeldung und weitere Informationen zu den einzelnen Wettbewerben unter: xxx und xxx oder telefonisch bei xxx unter der Nummer xxx.

So weit der Rohtext. Was steht nun tatsächlich in der Zeitung? Dort klingt die Meldung so:

Der TSV B. lädt für Sonnabend, 30. Mai, ab 14 Uhr zum Bolzturnier auf den Platz mitten im Dorf ein. Die Spieler messen sich in vier unterschiedlichen Wettbewerben. Mit im Programm sind wieder die Wettbewerbe für Kinder ab drei Jahren. Anmeldeschluss ist der 21. Mai, Anmeldung und weitere Informationen zu den einzelnen Wettbewerben unter xxx oder xxx. Eine Anmeldung ist auch telefonisch möglich bei xxx unter der Nummer xxx.

Da ist alles drin, was der Leser wissen muss. Vieles andere aus dem Ursprungstext ist überflüssig. Dass sich der Veranstalter gutes Wetter wünscht, ist eine Selbstverständlichkeit und bedarf keiner Erwähnung. Dass es bei solchen Veranstaltungen irgendetwas zu Essen und zu Trinken gibt, ist ebenso selbstverständlich, alles andere wäre eine Überraschung. Dass der Verein auf viele Spieler und Zuschauer hofft, muss ebenfalls nicht gesagt werden. Wer will schon vor leeren Rängen spielen oder mangels Beteiligung keinen Gegner haben?

Nun könnte man auf dem Standpunkt stehen, auch diese Gegenüberstellung hier sei überflüssig. Letztlich sei es Aufgabe von Redaktionen, zumal Lokalredaktionen, solche Texte zu redigieren und zeitungstauglich zu machen. Stimmt. Aber erstens kommen davon etliche pro Tag ins E-Mail-Fach, das Umarbeiten kostet Stunden und macht keinen Spaß. Zweitens ist Journalismus etwas ganz anderes und das hier ein Service für die Veranstalter und natürlich für die Leser. Hinzu kommt, dass bei jeder zweiten Meldung dieser Art irgendeine Information fehlt, die gegoogelt oder telefonisch eingeholt werden muss. Das raubt Zeit und Reserven für selbst recherchierte und geschriebene Artikel. Ohne die aber ist eine Zeitung keine richtige Zeitung.

Wer das nun gelesen hat und es richtig machen möchte, kann sich oben am zweiten Text entlang hangeln oder aber das kleine ABC der lokalen Pressearbeit beachten. Das ist meine Wunschliste, die sich einfach abarbeiten lässt.

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