1000 Peitschenhiebe: Das grausame Schicksal des Raif Badawi

1000 Peitschenhiebe: Das grausame Schicksal des Raif Badawi

Ich habe Albträume. Und ich blicke mit Schaudern auf den morgigen Freitag. Es ist das Schicksal eines Mannes aus Saudi-Arabien, das mir schlaflose Nächte bereitet. Seitdem ich das erste Mal davon gelesen habe, dass der Blogger Raif Badawi zu 1000 Peitschenhieben verurteilt worden ist und nun jeden Freitag in aller Öffentlichkeit mit 50 Schlägen malträtiert wird, geht mir das nicht mehr aus dem Kopf. Welche Grausamkeit! Viele Menschen setzen sich für ihn ein. Bisher offenbar ohne Erfolg.

Badawi ist ein Opfer politischer Willkürjustiz. Das grausame Urteil wurde wegen „Beleidigung des Islam“ verhängt. Aber ganz davon abgesehen davon: Niemand, wirklich niemand, auch kein Krimineller, was auch immer er verbrochen hat, sollte mit so einer Strafe belegt werden. Körperstrafen widersprechen allen Menschenrechten.

Raif Badawis Strafe wird nicht auf einmal, sondern nach und nach vollstreckt. Jeden Freitag 50 Hiebe, das ist ein Todesurteil auf Raten, heißt es. Die ersten 50 Schläge hat er vor einer Woche bekommen, die nächsten 50 folgen morgen. Wie geht es ihm, körperlich und psychisch? Wie muss er sich fühlen, wie sieht er die Zeit verrinnen, unerbittlich bis zum nächsten Freitag? Gibt es irgendeine Linderung, irgendeine Behandlung nach dem jeweiligen Vollzug? Steht ihm jemand zur Seite oder liegt er blutend und schwer verletzt in einer Zelle? Vor allem aber:

Wie hält ein Mensch das aus?

Das alles beschäftigt mich, lässt mir keine Ruhe. Ich kenne den Mann nicht, ich bin in keiner Weise mit Saudi-Arabien verbunden, es ist einfach dieses schreckliche Schicksal, das mich bewegt. Und ich weiß, dass Badawi Frau und Kinder hat, die ins Ausland geflohen sind. Wie schrecklich muss das alles erst für sie sein?

Alles Fragen, die mich umtreiben. Und offenbar viele andere Menschen auch. Es gibt unzählige Petitionen, Unterschriftenaktionen und Appelle, um zu verhindern, dass das Urteil weiter vollstreckt wird. Bisher offenbar ohne Erfolg. Fast 250 000 Menschen habe bereits online ihre Unterschrift unter einen Appell bei Amnesty international gesetzt. Es können gar nicht genug sein!

Badawis Schicksal ist kein Einzelfall. Überall auf der Welt werden Menschen  gefoltert, gequält, getötet, müssen um ihr Leben fürchten, Hunger leiden, können ihre Familien nicht durchbringen. Sie stehen nicht in der Öffentlichkeit, die Massaker von Boko Haram in Nigeria etwa spielen nur eine untergeordnete Rolle in der Berichterstattung.

Wir können nicht alles Leid der Welt auf unsere Schultern laden. Aber wir können mitfühlen. Nicht nur dann, wenn Einzelschicksale uns oder die Öffentlichkeit bewegen. Empathie zeichnet den Menschen aus, unterscheidet ihn vom Tier. Doch wir im satten Europa lassen diese Empathie, dieses Mitfühlen und Verstehen, oft vermissen. Gerade das werfe ich denen vor, die gegen Flüchtlinge hetzen, das Asylrecht ablehnen und Zuwanderung schon sowieso. Nein, wir können nicht die Welt retten. Aber wir können verstehen, mitfühlen, daran denken, dass Menschen leiden und dass sie dem entfliehen wollen.

Dieses Blog hier ist nie und soll kein politisches Blog sein. Doch es soll darüber berichten, was mich bewegt. Das Schicksal Raif Badawis bewegt mich gerade sehr. Aber auch das aller anderen Leidenden, egal, wer sie sind, wo sie herkommen oder was ihr Leiden auslöst. Deshalb gibt es hier heute diesen Text, der etwas aus der Reihe fällt.

Update: Am Freitag wurden die Hiebe ausgesetzt, angeblich aus medizinischen Gründen. Angeblich waren die Wunden von den 50 Schlägen in der Woche zuvor noch nicht genug ausgeheilt, um Badawi neue hinzuzufügen. Welch ein Zynismus! Wenn es denn so war. Vielleicht hat aber auch der öffentliche Druck dazu geführt. Deshalb darf der jetzt nicht nachlassen.

1000 Peitschenhiebe: Das grausame Schicksal des Raif Badawi

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